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Der Norden Gewalt und Kriminalität an Schulen steigt spürbar an
Nachrichten Der Norden Gewalt und Kriminalität an Schulen steigt spürbar an
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10:02 21.04.2018
Nach mehr als zehn Jahren Rückgang sind Gewalt und Kriminalität an Niedersachsens Schulen im vergangenen Jahr wieder kräftig angestiegen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

 Nach mehr als zehn Jahren Rückgang sind Gewalt und Kriminalität an Niedersachsens Schulen im vergangenen Jahr wieder kräftig angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Straftaten an Schulen um 32 Prozent auf 5556 Fälle zu, wie das Landeskriminalamt der dpa mitteilte. Besonders kräftig stieg die Zahl der Körperverletzungen (plus 29 Prozent) sowie der Diebstähle (plus 19 Prozent), wobei es in knapp der Hälfte der Fälle um Fahrraddiebstähle ging.

Die Rauschgiftdelikte stiegen zwar um 43 Prozent, spielten mit 460 Fällen aber insgesamt nur eine Nebenrolle. Beleidigungen wurden 394 mal angezeigt. Gut zwei Drittel aller Taten wurden aufgeklärt, die große Mehrzahl der Täter war männlich. 

Der Anstieg der Straftaten an Schulen geht nach LKA-Angaben auch einher mit einem Anstieg der gesamten Jugendkriminalität in Niedersachsen im Jahr 2017. Nach zehnjährigem Rückgang nahm die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger um vier Prozent zu, die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg um 21 Prozent. Die Gründe will das LKA untersuchen. Auch für den Wiederanstieg der Kriminalität an Schulen gibt es noch keine Erklärung. 

Wie der Kriminologe Christian Pfeiffer der dpa sagte, könne der Anstieg an einem geänderten Anzeigeverhalten liegen. In Zeiten großer medialer Aufregung über Gewalttaten würden Straftaten häufiger angezeigt. Auch wenn es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Ausländer handele, sei die Anzeigebereitschaft statistisch erwiesenermaßen höher. Mit einer nach dem Flüchtlingszuzug gestiegenen Zahl ausländischer Schüler könne dies möglicherweise den Anstieg erklären. 

Die Zahl der Straftaten an niedersächsischen Schulen hatte 2008 noch bei 8575 gelegen, 2006 wurden noch 10.523 Fälle registriert. Als Gründe für den Rückgang seitdem wurden vor allem die ausgebaute Gewaltprävention gesehen sowie die verbesserte Zusammenarbeit der Schulen mit der Polizei. Wie die Sprecherin der Landesschulbehörde erklärte, gibt es an den Schulen verschiedene Programme zur konstruktiven Konfliktlösung für Schüler und für Lehrer zur Steigerung des sozialen Miteinanders in der Klasse. Bei Konflikten könnten auch die Schulsozialarbeit und Beratungslehrer helfen. Über Straftaten an Schulen müsse die Leitung die Polizei informieren. 

Dafür, dass die Jugendkriminalität viele Jahre lang rückläufig war, gibt es nach Untersuchungen von Kriminologe Pfeiffer mehrere Ursachen. Diese sind unter anderem die steigende Schulbildung, weniger Gewalt im Elternhaus, eine geringere Akzeptanz von Gewalt sowie mehr Prävention, auch aber die rückläufige Arbeitslosigkeit. Weitere Gründe seien der Rückgang jugendlichen Alkoholkonsums, weniger Schulschwänzer, ein konsequenteres Einschreiten der Schulen gegen Gewalt sowie mehr Zuwendung der Eltern für ihre Kinder.

Von dpa

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