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Der Norden In Goslar marschieren die Neonazis auf
Nachrichten Der Norden In Goslar marschieren die Neonazis auf
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00:31 20.05.2018
Schon einmal haben Rechtsextreme in Goslar gegen Flüchtlinge und gegen den christdemokratischen Oberbürgermeister Junk protestiert, wie im August 2015. Quelle: picture alliance / dpa
Hannover

Die Einwohner der alten Harzstadt Goslar blicken besorgt auf den 2. Juni. Denn an diesem Tag rufen Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik zum „Tag der deutschen Zukunft“ in die Stadt. Sie wollen mit schwarz-weiß-roten Reichsflaggen ein Signal gegen eine angebliche Überfremdung der Republik setzen. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) bedauert, die Veranstaltung nicht verhindern zu können – und ruft seinerseits zur Teilnahme an einer großen, bunten Gegendemonstration auf. Niedersachsens Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger schließt nicht aus, dass es zu Auseinandersetzungen mit militanten Linken kommen könnte.

Gut 3000 Gegendemonstranten erwartet

Seit gut einem Jahr mobilisiert die rechtsextreme Szene für das Treffen in Goslar – auf mehr als 40 Veranstaltungen, wie das Innenministerium auf eine Anfrage der Grünen Julia Willie Hamburg auflistete. Wie viele Rechtsextreme nach Goslar kommen, ist noch ungewiss. „Man kann davon ausgehen, dass es in diesem Jahr mehr Teilnehmer geben wird als in Karlsruhe, wo sich 350 Neonazis versammelten“, sagt Verfassungsschutzpräsidentin Brandenburger. Doch warum ausgerechnet Goslar? „Die Stadt war mal Reichsbauernstadt, und dass unser Oberbürgermeister gesagt hat, Flüchtlinge seien hier willkommen, spielt gewiss auch eine Rolle“, sagt Michael Ohse, Sprecher des Bündnisses Goslar gegen Rechtsextremismus. Das Bündnis werde jedenfalls ein starkes Zeichen gegen den Rechtsextremismus setzen. Man rechne mit bis zu 3000 Teilnehmern einer friedlichen Gegendemonstration. „Bis auf die AfD stehen auch alle Parteien im Rat hinter dem Bündnis“, sagt Ohse.

Der Oberbürgermeister hätte die Veranstaltung der Rechtsextremisten am liebsten verhindert. „Es ist bedauerlich, dass man da keine rechtlichen Möglichkeiten hat“, sagt Oliver Junk: „Aber nun werden wir eben die Taugenichtse in der Stadt haben und sind von Seiten der Polizei gut vorbereitet.“ Aber dennoch sei der Aufmarsch der Extremisten schädlich für die Stadt. Etliche Geschäfte werden geschlossen haben, berichtet der Oberbürgermeister, eine katholische Akademie hat ihre Wochenendveranstaltungen abgesagt. „Ich hoffe, dass sich viele an der Gegendemonstration beteiligen und nicht vor ihrem Grill hocken bleiben“, sagt Junk. Für Goslarer Verhältnisse werde das schon ein größerer Einsatz sein, sagt Markus Lüdke von der örtlichen Polizeiinspektion. Aber man sei gerüstet.

Kommt es zu Randale am Rande der Demonstrationen?

„Es ist nicht auszuschließen, dass es zu Auseinandersetzungen mit Linksextremisten oder Autonomen kommen könnte, wobei nach unseren Beobachtungen nicht die Neonaziszene mit den Gewalttätigkeiten beginnt“, sagt Verfassungsschutzpräsidentin Brandenburger. Häufig komme es bei An- und Abreise von den zentralen Veranstaltungen zu gewalttätigen Streitereien. Das von den Neonazis gesetzte Thema der angeblichen Überfremdung sei übrigens nicht neu, in jüngerer Zeit sähen sich die Neonazis sogar dieses Themas beraubt – auch von Populisten, merkt Brandenburger an.

Von Michael B. Berger

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