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Der Norden Homann bleibt vielleicht doch in Dissen
Nachrichten Der Norden Homann bleibt vielleicht doch in Dissen
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00:16 16.04.2018
Das Homann-Werk in Dissen.  Quelle: dpa
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Dissen

 Es ist schon ein seltsames Stück, das da gerade aufgeführt wird. Genre: ein Gemisch aus Wirtschaftskrimi, Provinzposse und Farce. Spielstätten: Dissen am Teutoburger Wald in Niedersachsen, Lepperdorf in Sachsen, Aretsried in Bayern. Akteure: Manager, Politiker, Betriebsräte. Und am Rande geht es auch um einfache Menschen.

Das Stück handelt von der Zukunft der Firma Homann in Dissen bei Osnabrück, Hersteller von Feinkost und Marktführer in diesem Segment: Fleisch-, Fisch- und Eiersalat, Margarine, Mayonnaise. Der Betrieb, 1876 gegründet, gehört nach einigen Wirren heute zu den Unternehmungen von Theo Müller, dem Hersteller der Müllermilch. 

Das Werk in Dissen aber war irgendwann in die Jahre gekommen, Erweiterungen im Ortskern sind schwierig, der Konzern dachte über Verlagerungen und Sparprogramme nach. Die Gemeinde Dissen und der Landkreis Osnabrück rissen sich jeweils ein Bein aus, um die Firma in der Region zu halten, besorgten ein passendes Grundstück an der Autobahn 33, rund 20 Hektar. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium führte Gespräche. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) höchstselbst führte Gespräche. Die Gewerkschaften führten Gespräche, und als das schwierig wurde, protestierten sie gegen mögliche Verlagerungen des Betriebs. 

Alles umsonst:  Nach endlosen Verhandlungen, frostigem Händeschütteln und dürren Verlautbarungen entschied Müller Mitte 2017: Die niedersächsischen Standorte von Homann in Dissen (1000 Jobs) und Bad Essen-Lintorf (200 Jobs) und die Außenposten in Bottrop und Floh-Seligenthal in Thüringen werden dichtgemacht, ein neues Werk entsteht bis 2020 in Leppersdorf in Sachsen, wo es schon einen Müller-Molkerei-Standort gibt. Geplante Investition: eine halbe Milliarde Euro.

Müller muss neu prüfen 

Das erste, was danach passierte, war: Dissen erging sich nicht im sonst üblichen Niedergangslamento, sondern schaute nach vorn. Bürgermeister Hartmut Nümann (SPD) konnte von zahlreichen Firmen berichten, die Interesse an Stücken des 20-Hektar-Brockens im Gewerbegebiet an der Autobahn hatten. Das zweite, was passierte: Homann liefen die Leute weg. Firmen aus der Umgegend begannen offen, die Homann-Facharbeiter vor der Zeit abzuwerben. Homann musste Halteprämien ausloben. Und dann ergaben Überprüfungen des Standortes Leppersdorf dem Vernehmen nach auch noch, dass die nötigen Investitionen dort weitaus höher ausfallen müssten als zuvor gedacht. 

Die Firma Homann selbst sagt überhaupt nichts dazu, und Details sind auch von Müller-Konzernsprecher Alexander Truhlar nicht zu bekommen, bloß vage Bemerkungen über „Überprüfungen“ und „veränderte Parameter“. Aber inoffiziell ist von einem Kostensprung auf 700 Millionen Euro die Rede.  

Das war dann möglicherweise sogar dem Milliardär Theo Müller zu viel. Und ein bisschen sah es plötzlich so aus, als habe sich der Konzern mit seinem nassforschen Vorgehen ins eigene Knie geschossen. 

In Sachsen jedenfalls scheinen sich die Verantwortlichen auch mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass es nicht klappt mit dem Umzug von Homann nach Leppersdorf. Das sächsische Wirtschaftsministerium rechnet bis Ende April mit einer Entscheidung des Konzerns. „Erst sollen die Mitarbeiter informiert werden, aber wir denken, dass es noch im April eine Entscheidung gibt“, sagte ein Ministeriumssprecher.

So klingen die Äußerungen zur Zukunft der Firma Homann in Dissen inzwischen wieder etwas positiver, das Management rudert offenbar zurück. Betriebsratschef Andreas Straede spricht von „Hoffnung“ – bleibt aber skeptisch, bis Entscheidungen vorliegen. Vorgeprescht ist schon mal Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), der der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte, der Produktionsstandort Dissen scheine gerettet zu sein: Er habe den „ernsthaften Eindruck“, dass die Unternehmensgruppe Theo Müller an Dissen festhalten werde.

Neue Zuversicht

Außer Althusmann will noch niemand sonst von Rettung sprechen, aber Zuversicht kann man auch anderswo heraushören. Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Land­kreises Osnabrück, begrüßt die „Entwicklungen, die sich abzuzeichnen scheinen“. Bürgermeister Nümann berichtet trocken, dass nicht mehr allzu viele Hektar übrig seien vom Gewerbegebiet, kann sich aber auch andere Lösungen für das Werk vorstellen: Teilsanierungen und eine Verlegungen der Werkzufahrten beispielsweise, was die Belastungen der Nachbarn senken würde. Gemunkelt wird, dass bei einem Verbleib in Niedersachsen das kleine Homann-Werk in Bad Essen-Lintorf erweitert werden könnte. 

Die Mitarbeiter, heißt es, seien wieder zuversichtlich. Und einen Teil des Managements, das bereits abgewandert war, soll Homann auch wieder zurückgeholt haben. 

Von Bert Strebe

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