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Der Norden „Das ist schon ein Unikum“
Nachrichten Der Norden „Das ist schon ein Unikum“
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00:40 09.05.2018
Eines von 800 Gebäuden der Klosterkammer Hannover: Klosterkirche Bursfelde. Quelle: Lohse
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Hannover

Die Klosterkammer Hannover wurde vor 200 Jahren gegründet – ihre Besitztümer haben aber eine weit längere Geschichte.

Herr Biallas, als Präsident der hannoverschen Klosterkammer stehen Sie im Ruf, das schönste Amt in Niedersachsen zu bekleiden, weil Sie durch das Land reisen und Geld verteilen können …

Na, so einfach ist das auch nicht. So hat man das vielleicht früher gesehen. Wenn wir als Stiftung heute Geld verteilen, so geschieht das sehr transparent. Wir vergeben im Jahr an die 3,3 Millionen Euro für soziale, bildungsbezogene und kirchliche Projekte. Jede größere Förderung wird von einem Kuratorium vorher angeschaut und besprochen. Man kann heute eine moderne Behörde wie die Klosterkammer nicht wie ein Gutsherr führen. Im Übrigen unterstehen wir als unabhängige Landesbehörde der Rechtsaufsicht des Wissenschaftsministeriums.

Die Klosterkammer feiert an diesem Dienstag mit einem Festakt in Hannover ihr 200-jähriges Bestehen mit geladenen Gästen. Dabei ist die Klosterkammer doch viel älter.

Ja, ihre Anfänge gehen in die Reformationszeit zurück, als ehemals katholische Klöster zu evangelischen Damenstiften umgewandelt wurden. Das Vermögen ist also sehr viel älter aber die Behörde jetzt 200 Jahre alt. Denn die Klosterkammer wie wir sie heute kennen wurde am 8. Mai 1818 durch den hannoverschen Prinzregenten Georg IV. eingerichtet, um die zahlreichen Stifts- und Klosterkirchen in Niedersachsen zu verwalten. Sie ist ein riesiges Geschenk, auch für das Land Niedersachsen. Denn gäbe es die Klosterkammer nicht, müsste das Land für den Erhalt zahlreicher historischer Bauten in Niedersachsen aufkommen. Wir erhalten über 800 Gebäude – viele davon sind denkmalgeschützt, dazu gehören auch Klöster und Kirchen in Niedersachsen – aus eigener Kraft. Wäre die Klosterkammer nicht da, sähen unsere Klöster möglicherweise aus wie unsere Landesstraßen. Aber das will ich hier nicht weiter vertiefen ...

Die Klosterkammer ist einer der stillen Riesen in Deutschland, weil sie 17.000 Erbbaurechtsgrundstücke in Niedersachsen hat. Vor einigen Jahren hat es um diese Grundstücke beziehungsweise die Pachtsätze Streit gegeben ...

... der aber beigelegt werden konnte. Noch vor meinem Amtsantritt gab es Streit um die Frage, was passiert, wenn ein solcher Vertrag ausläuft. Da gab es ziemliche Pachtsteigerungen, die mit rasant gestiegenen Bodenrichtwerten zusammenhingen, auf die wir keinen Einfluss haben. Inzwischen bietet die Klosterkammer, die Erbbaurechte in der Regel auf 80 Jahre vergibt, interessante Modelle zu vorzeitigen Vertragsverlängerungen an, die von den Erbbaurechtsnehmern auch angenommen werden. Wir sind auch bei der Vergabe der Erbbaurechte sehr transparent. Unser gesamtes Finanzgebaren ist völlig durchsichtig.

Neben zahlreichen Gebäuden verwaltet die Kammer auch einen riesigen Forstbesitz und hat vor einigen Jahren im Harz sogar eine Brauerei gekauft. Was hat denn eine Brauerei mit der Klosterkammer zu tun?

Das geschah im Zusammenhang mit unseren Aktivitäten auf dem Gelände des Klosters Wöltingerode – ein früheres Benedikterinnenkloster, das später eine Landfrauenschule wurde. Dieses Ensemble in Vienenburg bei Goslar haben wir mittlerweile zu einem Klosterhotel mit Klosterbrennerei entwickelt, das 250.000 Besucher im Jahr anzieht. Und in dieses Konzept passte auch die Übernahme der Altenauer Brauerei durch eine unserer Ausgründungen. Allerdings mussten wir hier viel finanzieren und sind gerade in Überlegungen, wie wir dahinkommen, dass sich diese Investition auch irgendwann rechnet. Aber wenn wir etwas übernehmen, muss es zu uns passen. Und das schien hier der Fall.

Apropos Übernahme: Das Land hat immer wieder versucht, mehr Einfluss auf das operative Geschäft der Klosterkammer zu gewinnen, wurde aber immer wieder vom Staatsgerichtshof zurückgepfiffen.

Ja, so ein Versuch wurde zuletzt in der letzten Legislaturperiode gestartet. Aber die Klosterkammer ist ein Schatz, den wir auch erhalten wollen. Wir sind die einzige Landesbehörde, die das, was sie ausgibt, auch selbst erwirtschaften muss. Das ist schon ein Unikum.

Von Michael B. Berger

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