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Der Norden Heikler Umgang mit der Pflege
Nachrichten Der Norden Heikler Umgang mit der Pflege
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21:00 02.01.2019
Die Pflege älterer Menschen muss besser werden – doch wo sollen die Fachkräfte herkommen? Quelle: dpa
Hannover

Die Debatten um die großen Defizite im Pflegebereich tragen in Niedersachsen langsam Früchte: Wenn sich Heimbetreiber, Pflegekassen und Sozialhilfeträger nun einig sind, dass man das Personal in den Pflegeheimen aufstocken muss, um eine ordentliche Betreuung der dort untergebrachten Menschen zu gewährleisten, dann ist das ein deutlicher Fortschritt.

Allzu lange musste man den Eindruck haben, dass die Politik und alle Verantwortlichen sich zwar darauf verstanden, mit beschwörenden Worten die Gefahr eines dramatischen Pflegenotstands zu beschreiben – aber den Worten nicht unbedingt Taten folgen ließen.

Das ist seit einiger Zeit anders: In Berlin beschäftigen sich heute drei Ministerien (Gesundheit, Familie, Arbeit) mit dem Thema und haben Weichen gestellt, um den Pflegeberuf aufzuwerten und dringend benötigte Pflegekräfte einzustellen. Vieles ist auch hier noch mehr Wunsch als Wirklichkeit, aber der Wille, sich den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft besser und konsequenter als bisher zu stellen, ist unverkennbar.

Gut gemeint heißt jedoch nicht unbedingt gut gemacht. Wenn jetzt beschlossen wurde, dass sich in Niedersachsens Pflegeheimen künftig eine Pflegekraft rechnerisch nicht mehr um vier, sondern nur noch um drei Menschen mit Pflegegrad 3 kümmern soll, dann steht diese Erleichterung erst einmal nur auf dem Papier. Die Kunst wird es sein, all jene neuen Kräfte zu finden, mit denen die Einhaltung der besseren Standards gelingen soll.

Ausgerechnet in dieser Situation leistet sich Niedersachsen einen Konflikt, der seinesgleichen sucht. 30 000 Menschen haben innerhalb kürzester Zeit eine Petition gegen die neue Pflegekammer in Niedersachsen unterschrieben – eine Einrichtung, für die Landtag und Landesregierung den gesetzlichen Rahmen geschaffen haben und die sich mit allen Belangen der Pflege, mit der Ausbildungsordnung, aber auch mit ethischen und wissenschaftlichen Fragen befassen soll.

Die Crux ist, dass examinierte Pflegerinnen und Pfleger zur Zwangsmitgliedschaft samt Pflichtbeitrag verdonnert sind, was ohnehin für Unmut sorgte. Dann wurden Beitragsbescheide verschickt, die erst einmal ein Jahreshöchsteinkommen von 70 000 Euro zugrunde legten. So viel verdient kaum eine Pflegekraft. Das war denkbar schlechte Werbung für eine ja vielleicht gar nicht so verkehrte Einrichtung.

Die Landespolitik tut jetzt so, als hätte sie mit dem Thema nicht viel zu tun. Und scheint gar nicht zu merken, wie auf der anderen Seite der Ärger wächst – weil man die Betroffenen nicht mitgenommen hat. Niedersachsen ist gerade dabei, sich einen denkbar schlechten Ruf unter den doch so wichtigen Pflegekräften zu erarbeiten. Das ist nicht gut und sollte korrigiert werden. Wegducken geht nicht.

Von Volker Goebel

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