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Der Norden Länder streichen Plattdeutsch-Experten die Gelder
Nachrichten Der Norden Länder streichen Plattdeutsch-Experten die Gelder
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10:48 06.12.2017
Das Kultusministerium in Hannover. Quelle: Uwe Dillenberg
Niedersachsen/Bremen

 Die einen schnacken, die anderen spreken oder proten. Plattdeutsch gilt als charmante Sprache mit vielen Facetten. Und damit kennt sich kaum jemand besser aus als die Sprachgelehrten des Instituts für Niederdeutsche Sprache in Bremen. Doch nun droht der Einrichtung das Aus, denn Ende Dezember stellen Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen als bisherige Geldgeber ihre Finanzierung ein. Sie wollen stattdessen ein „Länderzentrum für Niederdeutsch“ etablieren.

Das im Bremer Schnoorviertel ansässige Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) wird von einem Verein getragen. „Das INS übernimmt seit über 40 Jahren die Funktion eines überregionalen Dachinstituts für alle Länder, in denen Niederdeutsch gesprochen wird“, sagt Saskia Luther, Sprecherin des Bundesrats für Niederdeutsch. Das Institut trage maßgeblich dazu bei, die Regionalsprache in der Gesellschaft zu verankern und sie zukunftsfähig zu machen. „Besonders an den aktuellen Entwicklungen im Bildungsbereich war das INS maßgeblich beteiligt“, sagt Luther. Das Institut besitzt zudem eine Bibliothek mit 35 000 Medieneinheiten. „Wir haben hier einmalige Bestände“, sagt Institutsleiter Reinhard Goltz.

Länder bemängeln fehlenden Einfluss 

Bislang förderten die vier Bundesländer die Einrichtung pro Jahr mit 271 000 Euro. Bremen gab 80 000, Hamburg 32 000, Niedersachsen 117 000 und Schleswig-Holstein 42 000 Euro. Die Geldgeber begründen ihren Rückzug unter anderem mit mangelnden Einflussmöglichkeiten. „Eine gleichberechtigte Steuerungsmöglichkeit aller beteiligten Länder auf die wesentlichen Schwerpunkte des INS war nicht möglich“, sagt Alexandra Albrecht von der Bremer Kulturbehörde. „Ziel der Länder ist es, mit dem neuen Länderzentrum gemeinsam eine leistungsstarke und länderübergreifende Koordinierungs- und Netzwerkstelle einzurichten.“

Noch gibt es dafür aber weder Räume noch Mitarbeiter. Ein Gesellschaftervertrag soll nach Angaben von Albrecht am 6. Dezember geschlossen werden. „Die Länder setzen zeitgleich einen Interimsgeschäftsführer für den weiteren Gründungsprozess ein.“

Experten können Entschiedung nicht nachvollziehen

Der Bundesrat für Niederdeutsch kritisiert den Rückzug aus der Förderung des Instituts. „Es ist sehr bedauerlich, dass so eine funktionierende Struktur ohne nachvollziehbaren Grund zerschlagen werden soll“, sagt Luther. Zudem fände die im Zentrumskonzept angeführte Vernetzungsaufgabe längst über die Plattdeutschen Räte, parlamentarischen Beiräte beziehungsweise Landesverbände und auf Bundesebene durch den Bundesrat für Niederdeutsch statt.

Der Präsident des Instituts-Vereins, Heiko Block, bezweifelt, dass das neu geplante Zentrum ab Januar arbeitsfähig sein kann. „Der Bedarf gerade im Schulbereich wird steigen und trifft auf ein Kompetenzloch.“

INS sucht nach Mäzenen

Das Institut für Niederdeutsche Sprache will auch ohne die institutionelle Förderung weitermachen. „Wir möchten den Betrieb über 2017 hinaus verlängern“, stellt Block klar. Damit die Lichter im Schnoor nicht ausgehen, stimmten die Mitglieder für die Belastung des Vereinsvermögens. „Wir verhandeln mit Geldinstituten“, sagt Block. „Geld und finanzielle Sicherheit muss her“, ergänzt der INS-Leiter Reinhard Goltz. „Wir haben noch keine tragfähigen Lösungen.“

Die Suche nach Mäzenen laufe, ebenso die Akquise von Projektmitteln. „Wir schreiben Anträge“, sagt Goltz. Ein mögliches Projekt für 2018 ist eine Bestandsaufnahme des Niederdeutschen Bühnenspiels. Ausbauen möchte das INS auch seine Kooperation mit dem Institut für deutsche Sprache. 2016 machten die beiden Häuser beispielsweise eine Erhebung zum „Status und Gebrauch des Niederdeutschen“.

Ob das Länderzentrum mit dem INS zusammenarbeiten wird, ist noch offen. Es werde mit dem Institut genauso über sinnvolle Kooperationen beraten wie mit allen anderen Organisationen auf dem Feld der niederdeutschen Sprache, sagt Albrecht.

Von dpa

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