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Der Norden Kita-Erzieher sollen Kindern Deutsch beibringen 
Nachrichten Der Norden Kita-Erzieher sollen Kindern Deutsch beibringen 
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00:24 10.05.2018
Vorschulische Sprachförderung soll künftig in den Kitas laufen:  Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister von Niedersachsen,  Quelle: dpa
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Hannover

 Trotz Erziehermangels und heftiger Kritik von Kommunen hält Niedersachsen daran fest, für die vorschulische Sprachförderung künftig Erzieherinnen statt Grundschullehrer einzusetzen. Ab 1. August sollen die Förderstunden in den Kindertagesstätten und nicht mehr an den Grundschulen gegeben werden. Der Städtetag warnt eindringlich vor einer Überlastung der Kitas und bittet das Land um eine einjährige Atempause. 

Mit der Maßnahme will das Land die Grundschulen entlasten. Diesen sollen so rund 14 000 Stunden mehr zur Verfügung stehen – das entspricht 500 Lehrerstellen. „Sowohl für den Kindergarten als auch für die Schule wird es eine Erleichterung sein, dass die Kinder künftig von den vertrauten Bezugspersonen gefördert werden“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Montag in Hannover. 

Bisher waren Grundschullehrer für Sprachförderstunden im letzten Kita-Jahr zuständig. Dafür stand pro Schüler mit Förderbedarf wöchentlich eine Stunde zur Verfügung. Dieses System habe allenfalls „mittelprächtig“ funktioniert, sagte Tonne. „Wir haben von Beispielen aus Hannover gehört, wo Kinder von ihren Eltern am Vormittag von der Kita in die Schule gebracht werden mussten oder ein Lehrer die Kinder aus mehreren Einrichtungen einsammeln musste – das kann nicht richtig sein.“ Es sei pädagogisch sinnvoller, wenn sich die Kitas mit ihren Fachkräften um Sprachförderung „aus einer Hand“ kümmern würden. Das entsprechend geänderte Kita-Gesetz soll im Juni im Landtag beschlossen werden. 

Als Kompensation sollen die Träger der Kitas – also Gemeinden, Kirchen und Verbände – 32,5 Millionen Euro im Jahr erhalten. „Natürlich ist auch die Situation in den Kitas wie in den Grundschulen angespannt. Aber es muss gehandelt werden, aufschieben ist keine Option“, sagte der Kultusminister. 

Genau das fordert aber der Niedersächsische Städtetag. „Es fehlt schlicht am erforderlichen Personal“, warnt Vizepräsident Frank Klingebiel, zugleich Oberbürgermeister von Salzgitter. Er verlangt, das Projekt um ein Jahr zu verschieben. „Das Vorhaben kommt völlig zur Unzeit“, sagt Ulrich Mädge, Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Lüneburg. „Die Personalsituation in den Kindergärten wird am 1. August wegen der dann geltenden Elternbeitragsfreiheit und der Flexibilisierung des Einschulungsalters ohnehin außerordentlich angespannt sein.“ 

Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisiert: „Dem Kultusminister scheint es in keiner Weise um die Kinder zu gehen, sondern nur um die Statistik zur Unterrichtsversorgung an den Grundschulen im kommenden Jahr.“ Die Grünen-Abgeordnete Julia Willie Hamburg befürchtet ebenfalls, dass den Kitas im Sommer die nötigen Mitarbeiter fehlen. 

Laut Bundesagentur für Arbeit gab es im April in Niedersachsen 1522 offene Stellen für Erzieher und sozialpädagogische Assistenten, aber nur 728 Arbeitslose mit diesen Profilen. Tonne verweist darauf, dass derzeit 14 000 Schüler in der Ausbildung zum Erzieher seien – so viele wie noch nie. Ab August will das Land noch mal zusätzlich 500 Ausbildungsplätze schaffen.

Von Saskia Döhner

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