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Der Norden Landesgartenschau will mit Baumwipfelpfad und Waldbaden punkten
Nachrichten Der Norden Landesgartenschau will mit Baumwipfelpfad und Waldbaden punkten
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10:51 09.04.2018
Erfahrungen aus der Vogelperspektive: Blick vom Aussichtsturm des Baumwipfelpfads auf das Ausstellungsgelände. Quelle: Franson
Bad Iburg

 Die Zeit drängt, doch die Kälte der vergangenen Wochen hatte auch ihr Gutes. Wenn die Landesgartenschau in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) am 18. April ihre Tore öffnet, werden Tulpen und andere Frühblüher noch in voller Pracht erstrahlen. In leuchtendem Gelb sogar erheblich mehr als zunächst gedacht. „Wir haben spontan mit 15 000 vorgezogenen Narzissen nachgerüstet“, sagt Landschaftsarchitektin Laura Heuschneider; sie seien wie vieles hier gesponsert worden.

Die 43-Jährige strahlt, als sie vom Aussichtsturm aus den Blick über das Gelände bis zum Iburger Schloss streifen lässt – über abge­zirkelte Blumenbeete auf der einen und den von Kunstwerken aufgepeppten, aber weitgehend naturbelassenen Wald auf der anderen Seite. „Wir Gärtner sind Idealisten“, sagt die 43-Jährige, die die Schau mitgeplant hat. Sie freue sich über die wirkungsvollen Kontraste und „darüber, dass am Ende alles so gut zusammenpasst“.

Viele freiwillige Helfer

Traditionell ist eine Landesgartenschau, wie sie in Niedersachsen alle vier Jahre stattfindet, nicht zuletzt eine Leistungsschau. Manche Gartenbetriebe in der Region haben, als Bad Iburg 2013 als möglicher Ausrichter ins Spiel kam, gleich mit dem Heranziehen besonderer Sträucher begonnen. So werden sich die Besucher zum Beispiel an imposanten Dahlien und riesigem gelbrot blühenden indischen Blumenrohr erfreuen können. Zunächst hat aber ein Spektrum von Rosa bis Violett die Vorherrschaft auf den Beeten. Der „Farbverlauf“ liegt im Trend, wie Heuschneider erläutert. Das gilt auch für die wiederverwerteten Gehwegplatten der Rosenhochbeete und das unbehandelte Lärchenholz des Baumwipfelpfads.

Der 439 Meter lange und bis zu 26  Meter hohe Baumwipfelpfad mit 32 Meter hohem Einstiegsturm ist eine Attraktion, die besonders jüngere Gäste anlocken soll. In Niedersachsen gibt es einen ähnlichen Spazierweg in luftiger Höhe bisher nur in Bad Harzburg. Einige Bäume rundum sind an die 250 Jahre alt, von oben erblicken Besucher die mächtigen Veteranen aus neuer Perspektive. „Darauf sind wir besonders gespannt“, sagt Anika Berelsmann, die schon mal in Begleitung ihres zweijährigen Sohns eine Dauerkarte kauft. Sie freut sich, dass der Lehrpfad per  Aufzug auch mit dem Kinderwagen zugänglich ist. 

Barrierearm geht es auch eine Etage tiefer beim „Waldbaden“ zu, einer japanischen Heilmethode, bei der Besucher achtsam mit allen Sinnen eintauchen in die Ruhe des Waldes. Bei der einstündigen Waldkurparkrunde spielt Fitness keine Rolle. „Wir gehen nur eine Viertelstunde, ganz langsam“ sagt Maria Anna Schröder, eine der von „Waldbaden“-Expertin Annette Bernjus geschulten Führerinnen. Ansonsten werde der Wald ertastet, erlauscht, erspürt. Die 66-Jährige leitet Atemübungen an, liest kurze Meditationstexte vor und erzählt von neuen Studien zu positiven Effekten des Waldes auf Blutdruck, Immunsystem, Geist und Seele. Ihre Kollegen nehmen zum Teil Yoga- oder Tai-Chi-Übungen mit ins Programm. Die gemeinsame Botschaft: „Lasst Euch auf diesen Augenblick ein!“

Ganz in ihre augenblickliche Tätigkeit vertieft sind Dutzende Frauen und Männer, die noch schnell die Narzissen pflanzen. Stunde um Stunde beugen sie sich über die feuchte Erde, setzen eine Blumenzwiebel nach der anderen exakt so, wie von Bauleiterin Nadine Oestermeyer vorgegeben. Mehr als 70 Freiwillige aus der Region engagieren sich für die Gartenschau, die Narzissenpflanzer zählen dazu. Im Nachbarbeet legt, ebenfalls ehrenamtlich, der 81-jährige Heinrich Geise die Gartenschere zum letzten Korrekturschnitt vor der Eröffnung an. „Eine Frage der Ehre“, meint der frühere Gärtner. 

Die Landesgartenschau ist vom 18. April bis 14. Oktober täglich bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Kartenverkauf ist von 10 bis 19 Uhr. Erwachsene zahlen 18,50 Euro, inklusive eigener Kinder bis 17 Jahre. Ansonsten kostet ein Ticket für Sechs- bis  17-Jährige 5 Euro. Unter anderem für Gruppen gelten ermäßigte Preise. 

Bürger setzten sich gegen den Rat durch

Die Ausstellung in Bad Iburg war im Vorfeld heftig umstritten. Nachdem der Rat die Investition zunächst abgelehnt hatte, sprachen sich die Einwohner von Bad Iburg im Jahr 2015 für die Landesgartenschau aus – erst danach stimmte die Kommunalpolitik zu. Gesellschafter der Landesgartenschau-GmbH sind die Stadt (60 Prozent), der Kreis Osnabrück, ein Förderverein und eine Fördergesellschaft. Anders als in anderen Bundesländern gibt Niedersachsen keinen direkten Zuschuss. 

Landesgartenschauen gab es bisher, ausgehend von einem Vorläufer 1994 in Duderstadt, in Bad Zwischenahn (2002), Wolfsburg (2004), Winsen/Luhe (2006), Bad Essen (2010) und Papenburg (2014). In Winsen und vor allem in Papenburg blieben Schulden zurück – im Emsland hatte man sich mit Großveranstaltungen überhoben. Profitiert hat dagegen Bad Essen, der Gewinn kam den Kuranlagen zugute. Das Gelände in Bad Zwischenahn lockt weiter viele Gäste. Auf nachhaltigen Gewinn hofft auch Bad Iburg. Die Veranstalter rechnen mit mindestens 500 000 Besuchern. 

Von Gabriele Schulte

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