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Der Norden Getötete Frau in Lauenau: Revisionsprozess beginnt
Nachrichten Der Norden Getötete Frau in Lauenau: Revisionsprozess beginnt
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15:34 10.10.2018
Landgericht Hildesheim: der Angeklagte mit seinen Anwälten. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hildesheim

Beim Auftakt eines neu aufgerollten Mordprozesses schweigt der Angeklagte zu dem Gewalttod seiner Frau. Nur, was der Richter am Landgericht Hildesheim zum Leben des Mannes wissen will, beantwortet er. „Alles, was man sich erarbeitet hat, ist kaputt gegangen“, sagt der 47-Jährige aus Lauenau im Kreis Schaumburg am Mittwoch über die Zeit nach dem Gewalttod seiner Frau. Auch Angaben zu einer Geliebten, mit der er ein neues Leben geplant haben soll, macht der Angeklagte nicht. Zuvor hatte er stets seine Unschuld beteuert. Seit rund drei Jahren sitzt er im Gefängnis..

Im Januar 2017 hatte das Landgericht Bückeburg den Handwerksmeister wegen Totschlags der 42-Jährigen schon zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Auf die Revision des Angeklagten hin hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung nach Hildesheim. Ein Beweisantrag der Verteidigung sei mit einer nicht ausreichenden Begründung abgelehnt worden.

Ein neues Leben mit der Geliebten

Das Bückeburger Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann am 27. Mai 2015 im Affekt seine Ehefrau mit einer Holzlatte niedergeschlagen hatte. Anschließend erstickte er sie demnach mit einer Tüte, um mit seiner Geliebten ein neues Leben beginnen zu können.

Im Landgericht Hildesheim sitzt der Angeklagte am Mittwoch in einem weißen Hemd und Jeans. Seine Brille steckt im Hemdkragen, während er ruhig und zumindest äußerlich gefasst die Fragen des Richters beantwortet. „Ich bin jetzt auch ein bisschen aufgeregt“, sagt er aber, als der Richter ihn zu einzelnen Daten aus seinem Leben befragt und er sich nicht sofort an diese erinnert.

Der Mann wuchs zunächst in schwierigen Familienverhältnissen auf, kam im Alter von drei Jahren in ein Heim und im Grundschulalter in eine Pflegefamilie. Zu seiner Pflegemutter und deren Tochter hat er noch immer ein inniges Verhältnis. Mittlerweile lebt bei der Pflegemutter auch seine elfjährige Tochter, die seit der Gewalttat Halbwaise ist.

Im Berufsleben erlitt der Angeklagte immer wieder Rückschläge. Der Ofenbau- und Dachdeckermeister führte jedoch zuletzt einen eigenen Betrieb. Seine Frau, mit der er schon als Teenager zusammen war, kümmerte sich um Büroangelegenheiten. Als die Tat geschah, war die Frau wie jeden Mittag auf dem Weg vom Büro durch die Werkstatt ins Wohnhaus. Der Angriff sei völlig unvermittelt passiert, wie der Richter schilderte. Die Frau trug wie üblich einen Laptop und ein Telefon. Sie habe sich nicht sofort wehren können.

Neben vielen Indizien führte die Staatsanwaltschaft im ersten Prozess die belastende Aussage der Geliebten an, die nach eigener Aussage Zeugin der Tat war. In Hildesheim soll sie am nächsten Donnerstag als aussagen. Der Handwerkermeister hatte die Frau in einem Massagesalon kennengelernt.

Am ersten Prozesstag sind auch andere Beziehungen des Mannes kurz Thema. Der Angeklagte hatte während seiner Ehe mehrere sexuelle, meist flüchtige Beziehungen zu anderen Frauen, wie der Richter sagt. Das bestätigt der Beschuldigte.

Eine zentrale Rolle im neuen Verfahren in Hildesheim dürfte auch eine Blutspur spielen. Eine Gutachterin, die für Mitte Dezember vor Gericht geladen ist, soll darüber Auskunft geben. Denn Blutspuren an einer Tür zeugten zwar von der todbringenden Attacke auf die Mutter, die das beschauliche Lauenau erschütterte. Wenn der verurteilte Ehemann sie aber wie vom Landgericht Bückeburg angenommen dort mit blutverschmierten Händen hinterließ, hätte sich auch zwischen dem Fundort der Toten und der Tür Blut befinden müssen, argumentierte die Verteidigung zuvor. Weil das Bückeburger Gericht dem Einwand nicht nachging, hatte der Bundesgerichtshof die Revision zugelassen.

„Er schwebt zwischen Hoffnung und Anspannung“, sagt Verteidiger Christoph Hessel über seinen Mandanten nach der ersten Verhandlung des Revisionsprozesses. Falls der Angeklagte diesmal wegen Mordes statt Totschlags verurteilt werden sollte, droht ihm keine längere Haft. Da er erfolgreich Revision einlegte, gilt für ihn ein sogenanntes Verschlechterungsverbot. Bis ein Urteil fällt, dürfte noch einige Zeit vergehen. Das Landgericht hat bis Februar 2019 knapp 30 weitere Termine angesetzt.

Von lni / RND

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