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Der Norden Messerattacke entfacht Debatte um Familiennachzug 
Nachrichten Der Norden Messerattacke entfacht Debatte um Familiennachzug 
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12:05 19.04.2018
Es ist das Gesprächsthema im Ort: Nach der Messerstecherei von Burgwedel diskutieren die Menschen die Tat. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover/Burgwedel

Nach der schweren Messerattacke eines 17-jährigen Flüchtlings auf eine 24-Jährige in Burgwedel fordern Politiker und die Polizei Konsequenzen. So setzt sich CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer dafür ein, den Familiennachzug von Flüchtlingen weiterhin zu begrenzen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangt eine eigene Statistik über Messerangriffe in Niedersachsen.

„Dass die bloße Anwesenheit familiärer Bezugspersonen wie Eltern oder Geschwister derartige Gewaltexzesse verhindert, ist am vergangenen Wochenende unmissverständlich widerlegt worden“, sagt Toepffer. Der Verdächtige soll Palästinenser sein, war aber 2013 mit seiner Familie als Kontingentflüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen. 

Damit stellt sich der CDU-Politiker deutlich gegen die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Doris Schröder-Köpf (SPD). Sie hatte sich im Zuge der Messerattacke für einen schnellen Familiennachzug stark gemacht, um das Aggressionspotenzial zu senken. Unterstützung erhält sie vom SPD-Sprecher für Migration und Teilhabe, Christos Pantazis: „Ich warne ausdrücklich davor, die tragische Messerattacke politisch zu instrumentalisieren.“ Belit Onay, innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, bezeichnet die Äußerungen der CDU als „äußerst fragwürdig“.

Der 17-Jährige hatte am Sonnabend eine 24-jährige in Burgwedel mit einem Stich schwer verletzt, nachdem der Lebensgefährte der Frau in einem Supermarkt mit zwei jüngeren Verwandten des mutmaßlichen Täters in Streit geraten war. Das Opfer schwebt in Lebensgefahr.

Statistik für Messerangriffe gefordert

Unterdessen fordert die Gewerkschaft der Polizei eine landesweite Statistik zu Messerattacken. „Wir sehen darin einen neuen gefährlichen Trend, da sich in Sekundenbruchteilen lebensgefährliche Situationen entwickeln können“, sagt der Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Bislang können die Beamten nicht systematisch nach Messerattacken in ihrem Computersystem suchen. Das Landeskriminalamt nennt für das vergangene Jahr etwa 1922 Gewaltdelikte. Demnach stiegen die Gewalttaten in Verbindung mit Messerangriffen landesweit von 2014 bis 2016 um jährlich etwa 14 Prozent, aber fielen danach wieder leicht. „Um entsprechend reagieren zu können, müssen wir konkret wissen, wo sie passieren und wer sie verübt“, sagt Schilff.

Wie geht es mit dem 17-Jährigen weiter?

Auch der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jan-Christoph Oetjen, fordert eine Statistik. „Sollte es verwertbare statistische Daten über Messerattacken geben, aus denen sich Erkenntnisse ablesen lassen, müssen wir für die politische Diskussion sorgen“, sagt er. Vor allem Jugendliche und Heranwachsende scheinen sich laut GdP vermehrt zu bewaffnen. „Die Frage ist, ob den jungen Leuten bewusst ist, dass sie damit auch töten können“, sagt Landeschef Schilff.

Der GdP-Vorsitzende Schilff hofft zudem, dass auch die Justiz durch entsprechende Urteile abschreckende Signale aussendet. Eine Verschärfung bestehender Verbote lehnt Schilff aber ab. Das Tragen von Taschen- Garten- oder Küchenmessern lasse sich schwerlich verbieten „und würde an der Realität vorbeigehen“.

Dana Guth, Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag, bezeichnet die Tat als „furchtbaren und feigen Angriff“. Angesichts der vielen Messerattacken fordert sie eine lückenlose Aufklärung. „Auch darüber, ob die mutmaßlichen Täter sich illegal in Deutschland aufhalten“, so Guth.

Von Peer Hellerling

Versuchte Tötung

Die Staatsanwaltschaft Hannover geht seit geraumer Zeit härter gegen Messerangreifer vor. Attacken werden grundsätzlich als  versuchte Tötung gewertet und später gegebenenfalls herabgestuft. Dieses Vorgehen soll abschreckend wirken.

Im aktuellen Fall wurde der Vorwurf nun auf gefährliche Körperverletzung reduziert. Grund: Die Ermittler gehen davon aus, dass der 17-Jährige von seinem Vorhaben Abstand nahm und deshalb nur einmal zustach. 

pah

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