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Der Norden Millionenschäden nach Hochwasser
Nachrichten Der Norden Millionenschäden nach Hochwasser
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00:17 07.09.2017
Mehr als 1000 betroffene Haushalte im Kreis Goslar: Hochwasser auf dem historischen Marktplatz. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Hannover

Berücksichtigt sind dabei nur Schäden an öffentlichen Gebäuden, Schulen und Brücken - für die privaten Haushalte gibt es noch keine belegbaren Zahlen. Der Städte- und Gemeindebund bezweifelt, dass die 50 Millionen Euro, die das Land kurzfristig als Fluthilfe bereitgestellt hat, ausreichen.

Nach bisherigen Erkenntnissen seien vom tagelangen Dauerregen und den folgenden Überschwemmungen etwas mehr als 1000 Haushalte sowie rund 4300 Personen im Landkreis Goslar betroffen gewesen, sagte der Sprecher des Kreises weiter. Die Angaben zur Schadenshöhe seien dabei sehr unterschiedlich: Sie begännen bei 500 Euro und reichten bis zu mehreren 10.000 Euro je Fall.

Kurzarbeit im Solebad

Auch im Kreis Hildesheim sind die Folgen deutlich zu spüren. Hart getroffen wurde das Solebad in Bad Salzdetfurth. „Der Geschäftsbetrieb ist weiterhin eingestellt“, sagte eine Sprecherin der Kurbetriebsgesellschaft. Das werde auch längere Zeit so bleiben: Sämtliche technische Anlagen hätten bis zu 1,80 Meter unter Wasser gestanden, sagte die Sprecherin weiter. Derzeit würden die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden mit Baustrom durchgeführt, um das Bad möglichst zum Jahresende wieder öffnen zu können. „Zu dem Schaden von etwa 2,5 Millionen Euro kommt somit noch der Umsatzausfall für die nächsten Monate“, erläuterte die Sprecherin. Für die Solebadmitarbeiter sei Kurzarbeit angemeldet worden.

„Die Versicherungsgesellschaft hat eine Regulierung abgelehnt, obwohl die Kurbetriebsgesellschaft eine Starkregenversicherung abgeschlossen hat“, sagte Geschäftsführer Martin Kaune. Ob das Bad aus Landesmitteln unterstützt werden könne, stehe noch nicht fest.

Wegen heftiger Regenfälle ist in Teilen Niedersachsens der Katastrophenalarm ausgerufen worden. Tief „Alfred“, das seit Tagen bundesweit für Hochwasser und tiefgraue Himmel sorgt, traf am Mittwoch vor allem die Region am Harz.

Auch im Landkreis Wolfenbüttel, wo die Oker über die Ufer getreten war, meldeten sich Hochwassergeschädigte. Nach Angaben eines Sprechers sind bisher 36 Anträge eingegangen und 28 250 Euro Soforthilfe im Namen des Landes bewilligt worden. Weil bei der Soforthilfe des Landes zurzeit ausschließlich Hausrat ersetzt werde, seien die Anträge in diese Richtung gestellt. „Es werden zum Teil aber auch bauliche Maßnahmen mit aufgeführt“, berichtete der Sprecher des Kreises. Die Landkreise Goslar und Wolfenbüttel hatten wegen des Hochwassers Ende Juli Katastrophenalarm ausgerufen.

Einer ersten Zwischenbilanz aus dem Umweltministerium zufolge sind bis zum Ende der vergangenen Woche Bewilligungsbescheide in Höhe von rund 55.000 Euro erteilt worden. Man gehe aber davon aus, dass das Antragsaufkommen noch deutlich steige. Für die kommunale Infrastruktur, aber auch in der Land- und Forstwirtschaft und bei Unternehmen müsse mit hohen Schäden gerechnet werden.

Das Land hat zunächst 50 Millionen Euro für die Hochwasserhilfe bereitgestellt, mit der die Betroffenen ergänzend zu möglichen Versicherungsleistungen unterstützt werden können. Der Städte- und Gemeindebund lobt die von Regierung und Opposition im Landtag einmütig beschlossene Erhöhung ausdrücklich. Das Geld werde aber bei Weitem nicht reichen, um die Schäden insbesondere an der Infrastruktur auszugleichen, sagte Sprecher Thorsten Bullerdiek: „Das können über 100 Millionen Euro, das kann auch eine Milliarde werden.“ Auf einem Teil der Summe, wie zusätzlichen Personalkosten oder Mieten für Ersatzgebäude, würden die Kommunen in jedem Fall sitzen bleiben.

Neue Pumpen und Rohre

Um in Zukunft besser gewappnet zu sein, muss nach Einschätzung des kommunalen Spitzenverbandes dringend in den Hochwasserschutz investiert werden. Je nach Situation vor Ort gehe es um neue Deiche, Pumpen oder auch um größere Rohrdurchmesser in der Kanalisation, sagte Bullerdiek: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Ereignisse zunehmen - auch in Regionen, in denen man bisher nicht damit gerechnet hat.“

Einen noch nicht zu beziffernden Schaden richtete das Hochwasser auch in der Landwirtschaft an. Durchweichte Felder konnten lange nicht bestellt werden, Ernten wurden vernichtet. „Die Schadenserfassung ist noch in vollem Gange“, sagte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer am Montag auf Anfrage.

Von Christian Brahmann
 und Gabriele Schulte

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