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Der Norden Angeklagter bedauert Schuss auf 12-Jährige
Nachrichten Der Norden Angeklagter bedauert Schuss auf 12-Jährige
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13:17 27.06.2018
Dem Angeklagten (l) werden im Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig die Handschellen abgenommen. Der 69-Jährige soll in der Silvesternacht in Salzgitter mit einer Pistole mehrere Schüsse in Richtung einer Menschenmenge abgefeuert haben. Eine Kugel traf ein zwölfjähriges Mädchen. Es erlitt einen Rippen- und Lungendurchschuss und musste notoperiert werden. Quelle: dpa
Braunschweig

Ein Cafébesitzer, der in der Silvesternacht in eine Menschengruppe geschossen und eine Zwölfjährige stark verletzt haben soll, steht seit Mittwoch vor dem Landgericht Braunschweig. Laut Anklage soll er am 1. Januar dieses Jahres mit einer Pistole aus dem geöffneten Fenster eines Cafés in Salzgitter mindestens sieben Schüsse in eine Menschengruppe abgefeuert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 69-Jährigen aus Salzgitter versuchten Totschlag vor. Er habe tödliche Verletzungen des Mädchens zumindest billigend in Kauf genommen. „Das Geschoss wurde durch die Rippe abgeprallt, wodurch es das Herz verfehlte“, sagte die Anklagevertreterin.

Angeklagter feuerte mehrere Schüsse in eine Menschenmenge ab

Der 69-Jährige erklärte durch seinen Verteidiger, dass er zutiefst bedauere, das Mädchen derart schwer verletzt zu haben. Er habe während des Silvesterfeuerwerks zwei Mal rund zwölf Schüsse abgefeuert, aber dabei gar nicht in Erwägung gezogen, dass er eine andere Person hätte treffen können. Der Mann sitzt seit seiner Festnahme am 1. Januar diesen Jahres in Untersuchungshaft und wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Die Zwölfjährige hatte mit ihrer Familie auf der Straße vor ihrem Wohnhaus das Feuerwerk angeschaut. Am ersten Prozesstag sollten auch noch die Eltern des Mädchens als Zeugen gehört werden.

Die Zwölfjährige hatte mit ihrer Familie auf der Straße vor ihrem Wohnhaus Raketen gezündet und das Feuerwerk angeschaut. Ihre Aussage bei der Polizei im April wurde am Mittwoch verlesen. „Im ersten Moment dachte ich, dass eine Rakete mich getroffen hat, ich habe einen harten Schmerz gespürt, wie mit einem Hammer“, zitierte die Vorsitzende Richterin Daniela Kirchhof das Mädchen, das wie der Angeklagte türkische Wurzeln hat. „Ich bin innerlich zerstört. Ich traue mich nicht mehr aus dem Haus rauszugehen.“

Die Eltern treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Das traumatisierte Mädchen sei noch heute in Therapie, sagte ihr Anwalt Muammer Duran. Nach Aussage des Angeklagten war der Erwerb der Neun-Millimeter-Pistole ein „Gelegenheitskauf“. Er habe aus dem geöffneten Fenster seines Cafés in die Luft geschossen. Dass die letzten Schüsse nahezu waagerecht fielen, sei auf keinen Fall beabsichtigt gewesen und unverzeihlich. Er habe an dem Tag auch mehr Alkohol getrunken als sonst.

Der ganze Rücken voller Blut

Während der Tat war die Mutter des Opfers bei ihrem jüngsten Sohn im Haus. Als ihre Tochter sich auf sie geworfen habe und schrie: „Mutter, ich bin angeschossen worden!“ habe sie dies erst für einen Scherz gehalten, sagte die 36-Jährige als Zeugin. „Ich habe sie umarmt, dann wurde es warm an meiner Hand.“ Der ganze Rücken sei voller Blut gewesen. Der Angeklagte habe zunächst bestritten, das Kind angeschossen zu haben.

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt, es sollen zahlreiche Zeugen gehört werden. Das Urteil könnte nach dieser Planung am 4. August gesprochen werden.

Ähnlicher Fall aus Bayern

Bereits in der Silvesternacht 2015 hatte im bayerischen Unterschleichach ein Mann mit einem Kleinkaliber-Revolver um sich geschossen. Dabei traf er ein elfjähriges Mädchen tödlich. Das Landgericht Bamberg verurteilte ihn später zu zwölfeinhalb Jahren Haft, weil er mit seinen Schüssen den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen hatte.

Von RND/dpa

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