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Der Norden Droht in Niedersachsen wieder Unterrichtsausfall?
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00:16 09.08.2018
Die Arbeitsbedingungen müssen endlich besser werden für Lehrer: GEW-Vorsitzende Laura Pooth Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Obwohl von den ausgeschriebenen 2000 Lehrerstellen bereits 1850 besetzt sind, sehen die Bildungsverbände den Start des neuen Schuljahres am Donnerstag alles andere als entspannt. Vor allem auf dem Land fehlten Pädagogen, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Laura Pooth. Konkret gebe es großen Bedarf in den Kreisen Delmenhorst, Wilhelmshaven, Wesermarsch, Celle, Diepholz und im Heidekreis.

„Quereinsteiger werden ins kalte Wasser geworfen“

Mehr als ein Zehntel der Stellen sei an Quereinsteiger gegangen. Doch die starteten schlecht vorbereitet und oft mit falschen Versprechungen gelockt in den Job, betonte Rüdiger Heitefaut, Geschäftsführer des GEW-Landesverbandes. Jeder Zweite würde wieder abbrechen, weil er merke, dass ihm das Unterrichten doch nicht liege oder deutlich weniger verdiene als ursprünglich gedacht. „Nirgendwo sonst werden Quereinsteiger gleich so ins kalte Wasser geworfen wie in Niedersachsen“, ergänzte Pooth.

Um den Lehrerjob für den Nachwuchs wieder attraktiver zu machen, seien eine Imagekampagne und ein neues, übersichtliches Internetportal, wie es Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) plane, nicht genug, es müssten endlich die Arbeitsbedingungen verbessert werden, fordern GEW und Philologenverband. So sollten die Grundschullehrer endlich von A 12 auf A 13 gestuft werden. Andere Bundesländer hätten das schon so umgesetzt und machten Niedersachsen Konkurrenz. „Wer im Nachbarland 500 Euro mehr verdienen kann, verlässt Niedersachsen“, sagte Pooth, „das ist wie bei Reise nach Jerusalem, wer sich nicht bewegt, hat am Ende keinen Stuhl.“ Es sei ein Fehler gewesen, die Grundschullehrerausbildung an den Universitäten Hannover und Göttingen abzuschaffen.

Viele Pensionäre arbeiten weiter

Nach Angaben von der GEW-Landeschefin Laura Pooth sind vor allem im Bezirk Hannover im Schuljahr 2018/19 auffällig viele Pensionäre eingestellt worden. Sie sollten an Gesamt-, Ober-, Real- und Berufsschulen eigentlich Flüchtlingen und Einwanderern Sprachunterricht geben, würden aber wegen Lehrermangels einfach im allgemeinen Unterricht eingesetzt. Der Verband Bildung und Erziehung bemängelt, dass einfach Sprachlernklassen gestrichen worden seien, obwohl der Bedarf nach wie vor vorhanden sei. Es kämen immer noch viele Kinder mit Sprachschwierigkeiten in die Klassen. Gerade kleinen Grundschulen auf dem Land kämen an die Grenze ihrer Belastungsgrenze. dö

3000 Lehrer müssen an anderen Schulen aushelfen

Zudem müsste die Pflichstundenzahl für besonders belastete Lehrer gesenkt werden, wer Klassenlehrer sei oder Abiturprüfungen bewerten müsste, sollte Anrechungsstunden bekommen. Auch die Altersermäßigung für Lehrer ab 55 Jahren sollte endlich eingeführt werden.

Eine Entspannung bei dem Thema Abordnungen können die Lehrerverbände nicht erkennen: „Lediglich das Verfahren läuft geordneter“, sagte Pooth. Es würden wieder rund 3000 Lehrer an anderen Schulformen aushelfen müssen. Philologenchef Horst Audritz verwies darauf, dass Gymnasiallehrkräfte vermutlich 2300 Stunden an Grundschulen unterrichten müssten, wobei 330 aus dem vergangenen Schuljahr fortgeführt würden, hinzu kämen aber rund 2000 Stunden, die sie an Gesamtschulen und 4300 an Ober-, Real- und Hauptschulen abgeordnet seien. Es gebe Standorte mit abgeordneten Lehrern von sechs Schulen, kritisierte Pooth: „Wie soll da eine vernünftiges Zusammenspiel funktionieren?“

Abordnungen führen zu Unterrichtskürzungen“

Die Gymnasien seien wieder einmal in unverhältnismäßig hohem Maß von den Abordnungen betroffen, kritisiert Hartwig Jeschke, Vorsitzender des Verbandes der Elternräte der Gymnasien. Es werde zu dramatischen Unterrichtskürzungen kommen. Es sei besorgniserregend, dass die Zahl der Frühpensionierungen weiter steige. Für eine volle Unterrichtsversorgung wären 2400 und nicht 2000 Neueinstellungen nötig gewesen, sagte Jeschke. Audritz verweis darauf, dass viele der neueingestellten Lehrer nicht Vollzeit, sondern nur Teilzeit arbeite. Wegen der Abordnungen müssten Klassen und Kurse zusammengelegt, Arbeitsgemeinschaften und Förderunterricht gestrichen werden.

Von Saskia Döhner

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