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Der Norden Darf´s ein bisschen mehr Fleisch sein?
Nachrichten Der Norden Darf´s ein bisschen mehr Fleisch sein?
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10:01 06.08.2018
Etwas für Fleischliebhaber: Eine Verkäuferin hält einen Teller mit einem Ribeyesteak von der Rinderrasse Angus in ihren Händen. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Oldenburg/Lastrup

Wenn Hipster und Food-Nerds Fleisch essen, dann stillen sie ihren Bedarf gern in trendigen Geschäften. Diese erinnern optisch nicht unbedingt an den klassischen Metzgerladen. Markenzeichen sind Logos in weißer Schrift auf schwarzem Grund, und nicht mehr das gute alte rote Fleischer-F auf weißem Grund. Sie alle versprechen hochwertiges Fleisch aus möglichst artgerechter Tierhaltung zu fairen - also etwas höheren - Preisen. Und auch in Niedersachsen nimmt dieser Trend Fahrt auf: Seit Juni können zum Beispiel die Oldenburger am Markt im schicken Laden „Bauer & Metzger“ kaufen.

Es ist kein Wunder, dass solche Trendläden zuerst in den Metropolen aufgemacht haben, sagt Gero Jentzsch, Pressesprecher des Deutschen Fleischer-Verbandes. „Diese Geschäfte wenden sich verstärkt an ein großstädtisches Genuss-Publikum, die sogenannten Foodies.“

Foodies sind ein neuer Verbrauchertyp, der sich überdurchschnittlich für Essen und Kulinarik interessiert, heißt es in einer 2016 veröffentlichten Studie der Universität Göttingen. Der Foodie legt auch besonderen Wert auf die ethische und soziale Dimension der Produkte. Etwa 10 Prozent der deutschen Bevölkerung sind demzufolge Foodies, und weitere 20 Prozent gelten als „Light-Foodies“, die ihrer Leidenschaft für gutes Essen in etwas abgeschwächter Form nachgehen. Auf der anderen Seite der Skala sehen die Göttinger Forscher den „Ernährungsfunktionalisten“. Dessen Motto ist: „Hauptsache satt.“

Kunden interessieren sich für höheres Tierwohl

Foodies wohnen aber nicht nur in den Metropolen. In Niedersachsen beliefert seit drei Jahren der Versandhandel „Kalieber“ aus dem sehr ländlichen Lastrup im Kreis Cloppenburg Kunden aus ganz Deutschland mit Fleisch vom Bunten Bentheimer Schwein oder aus dem „Aktivstall für Schweine“.

Die Kunden interessierten sich für höheres Tierwohl, für Geschmack und Qualität, sagt „Kalieber“-Geschäftsführerin Sarah Dhem. „Andere suchen beim Fleisch das Besondere, die wollen kein 08/15-Schwein, die wollen das Bentheimer Schwein, das Angus- oder das Galloway-Rind.“ Inzwischen gibt es auch ein Ladengeschäft, das Kunden aus einem Umkreis von 40 Kilometern besuchen.

Diese neuen Läden, ob stationär oder online, reagieren also auf ein problembewusstes Publikum, das nicht jeden Tag Fleisch essen will, sondern den Sonntagsbraten wiederentdeckt hat. Und wenn es Rindersteak oder Schweinebraten gibt, soll es besonderer Qualität sein, die Tiere sollen es im Stall möglichst gut gehabt haben, und auch im Rest der Wertschöpfungskette, beim Schlachten und Zerlegen, soll es fairer zugehen als sonst oft üblich.

Hier kaufen sogar Veganer Fleisch

„Ich habe sogar Veganer als Stammkunden“, erzählt Nicolas Limbach, Betriebsleiter beim Hamburger „Meat Market“. Die Familie kenne er schon seit Jahren. Einmal im Jahr gönne sie sich ein besonderes Stück Fleisch und zelebriere den Genuss, begleitet von einem guten Wein. Der Meat Market liegt im feinen Stadtteil Eppendorf, die Kundschaft komme aber inzwischen auch von weiter her.

„Bauer & Metzger“ gehört dem Wurstwarenhersteller Meemken aus Friesoythe. Die Kundschaft habe ein großes Interesse an den Umwelt- und Tierwohlthemen, die mit der Tierproduktion verbunden sind, sagt Maria Gehlenborg, Marketingchefin des Unternehmens. „Wichtig ist für uns Transparenz in der Kommunikation“, sagt sie. So sei schon eine erste Zerlegungsbesichtigung gemacht worden.

Allerdings liefern auch viele traditionelle Fleischerfachgeschäfte schon hochwertiges Fleisch aus regionalen Wertschöpfungsketten, sagt Verbandssprecher Jentzsch. Die klassischen Fleischereien seien aber oft zu schwach im Online-Marketing oder überhaupt in der Kommunikation: „Der klassische Angebots-Zettel erreicht den Großstadt-Hipster nicht.“ Allerdings: Es gibt auch besonders eifrige Food-Nerds, die aufs Land in kleine Metzgereien fahren, um regionale Spezialitäten zu kaufen. Dann stehen bärtige Großstadt-Foodies in der Landfleischerei und verlangen nach Blutwurst.

Trend zu höherwertigem Fleisch

So weist Christian Sostmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Traditionsfleischerei aus Bramsche bei Osnabrück darauf hin, dass auch seine Kunden beste Qualität verlangen und wissen wollen, woher das Fleisch kommt. Sein Unternehmen betreibe noch eine hauseigene Schlachtung und biete Fleisch von bäuerlichen Familienbetrieben aus der Region. „Akkordarbeit, Werkverträge mit osteuropäischen Zeitarbeitsfirmen sowie auch der Mindestlohn waren bei uns nie ein Thema“, versichert der Fleischer.

Es gibt also durchaus Kundschaft, die Interesse an besser hergestelltem Fleisch hat und bei der Frage „Darf es ein bisschen mehr sein“ gerne Ja sagt. Auch beim Preis. Die Nachfrage steige, auch seitens der Metzger und des Einzelhandels, hat Jürgen Wehenpohl beobachtet, Verkaufsleiter der Schlachterei Brand aus dem oldenburgischen Lohne, die sowohl „Kalieber“ als auch „Bauer & Metzger“ beliefert. „Nach unserer Einschätzung - vielleicht ist es auch ein Wunsch - werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren 15 bis 20 Prozent Fleisch aus besserer Haltung auf dem gesamten Markt angeboten werden.“ Nicht jeder Endverbraucher sei in der Lage oder auch Willens, höherwertiges Fleisch zu kaufen.

Beim Deutschen Tierschutzbund sieht man den Trend zu höherwertigem Fleisch grundsätzlich wohlwollend. Aber Verbraucher sollten sich die Zeit nehmen, genau hinzuschauen und sich mit den Details zu beschäftigen, sagt Sprecherin Lea Schmitz. „Hübsche Fotos von Tieren auf Stroh oder auf der Weide reichen da nicht“, sagt sie. Die Tierschutzanforderungen sollten dezidiert gelistet dargestellt sein, um sie wirklich bewerten zu können. Das sei längst nicht bei allen hippen Anbietern in Deutschland der Fall. „Aus Tierschutzsicht würden einige durchfallen“, sagt sie.

Von RND/lni

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