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Der Norden Urte Rötz bekocht Fremde in ihrer Küche
Nachrichten Der Norden Urte Rötz bekocht Fremde in ihrer Küche
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00:19 11.04.2019
Urte Rötz zeigt den von ihr selbst kreierten Labskaus-Spieß. Quelle: Carolin George
Neetze

Neben den frischen Tulpen auf dem Esstisch liegt eine Klappkarte, „Reise durch Deutschland“ steht darauf. Es ist das Menü für den heutigen Abend. Doch bevor Urte Rötz den ersten Gang serviert, gibt es einen Aperitif: Schierker Feuerstein mit Tonic-Wasser. „Herzlich willkommen beim Essen für den guten Zweck“, sagt die Gastgeberin, hebt ihr Glas und lächelt sieben Menschen in ihrem Wohnzimmer an. Sechs davon hat sie noch nie zuvor gesehen.

Zuerst bekochte Urte Rötz Bekannte und deren Bekannte

Der siebte ist ihr Ehemann. Vier Paare, die sich nicht kennen, verbringen diesen Abend zusammen zwischen Kaminfeuer und offener Küche in Neetze, Landkreis Lüneburg. Denn Urte Rötz, 54, kocht so gerne, dass es in ihrem Freundeskreis bald schwierig wurde, gemeinsame Termine zu finden. „Da habe ich gedacht, ich kann ja auch mal Fremde einladen.“ Begonnen hatte es mit Bekannten von Bekannten, doch ihre Kochleidenschaft hat sich rumgesprochen. Inzwischen speisen auch Menschen bei ihr, die sie noch nie zuvor im Leben gesehen hat – gegen eine kleine Spende für einen guten Zweck.

Auf den Tisch kommt ausschließlich das, was ihr selbst schmeckt. Urte Rötz kocht nichts Kompliziertes, das potenzielle Nachahmer abschreckt, sondern einfache Dinge, die schmecken. Und die sie sich teilweise selbst ausdenkt, wie etwa den Labskaus-Spieß vom heutigen Abend. „Der ist mir eines Morgens im Bett eingefallen“, erzählt Urte Rötz. „Ich dachte daran, wie lange ich kein Labskaus gegessen habe. Da fand ich es schön, die Zutaten sehen zu können anstatt sie zu einer Masse zu vermengen.“

Die Rezepte stellt sie online

Als ihre drei Kinder noch zu Hause lebten und die Landwirtschaftsmeisterin einen Hof in der Altmark bei Stendal führte, war ein voll besetzter Tisch normal für sie. Als der Nachwuchs dann in der eigenen Küche stand und alle paar Tage am Telefon nachfragte, wie Mama denn x oder y koche, kam Urte Rötz auf die Idee, ihre Rezepte im Internet zu veröffentlichen. Unter www.jetzt-koche-ich.com hat sie gerade das 100. online gestellt. Auf dieser Webseite können sich auch Interessierte für die etwa einmal im Monat stattfindende Kochaktion anmelden.

„Kochen ist etwas Wunderbares und verbindet Menschen“, findet Urte Rötz. „Genau das passiert an so einem Abend bei uns zu Hause.“ Deswegen ist auch Ulrike Börner der Einladung zum „Essen für den guten Zweck“ gefolgt. „Im Restaurant sitze ich zwar auch neben anderen Menschen, aber komme mit keinem ins Gespräch“, sagt sie. „Ich finde es toll, in so einem privaten Rahmen neue Gesichter kennen zu lernen.“

Als Gegenleistung für ihre Gastfreundschaft bittet Urte Rötz um eine Spende für eine soziale Einrichtung, häufig ein Kinderhospiz. Sie selbst hat viele Jahre als Ehrenamtliche Sterbende in den Tod begleitet. „Die Spendenzwecke werden sich daher immer um dieses Thema drehen“, erklärt sie ihren Gästen. Wie viel jede und jeder gibt, ist jedem selbst überlassen.

Etwa 50 Euro von den Spenden der Gäste behält Ute Rötz für die Zutaten und Getränke ein. Bei sechs bis acht Gästen reicht das in der Regel nicht aus, um die Kosten zu decken. „Ich spende selbst auch meinen Teil“, sagt sie. „Und meine Gäste sind immer sehr großzügig.“

Von Carolin George

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