Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Anforderungen der Nato bringen Bundeswehr in Not
Nachrichten Der Norden Anforderungen der Nato bringen Bundeswehr in Not
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 08.04.2018
Der Bundeswehr fehlt wichtiges Material, damit die Panzerlehrbrigade 9 in Munster einsatzbereit ist für die Schnelle Eingreiftruppe der Nato. Quelle: Symbolbild/Philipp Schulze
Hannover

Die Bundeswehr hat erheblich größere Schwierigkeiten, ihre Nato-Pflichten zu erfüllen, als bisher angenommen. Anders als bisher vom Verteidigungsministerium dargelegt führen Ausrüstungsmängel schon jetzt dazu, dass Deutschland seinen Zusagen für die Schnelle Eingreiftruppe (Nato Responce Force – NRF) kaum nachkommen kann.

Nach HAZ-Informationen muss die 1. Panzerdivision, insbesondere aber die ihr unterstellte Panzerlehrbrigade 9 in Munster (Heidekreis), schon seit Januar im Ernstfall in der Lage sein, Soldaten und Ausrüstung innerhalb kurzer Zeit an einen Krisenherd zu verlegen – und nicht erst ab Anfang des Jahres 2019, wie von Generalinspekteur Volker Wieker im Februar dargestellt. Nach ersten Berichten zur Ausrüstungsmisere der Truppe hatte der ranghöchste deutsche Soldat zugesagt, die Bundeswehr werde fehlende Ausrüstung bis zum 30. Juni dieses Jahres erhalten und somit rechtzeitig vor Beginn der Verpflichtungen im Jahr 2019.

Nun zeigt sich: Das ist zu spät. Die Soldaten in Munster stehen schon seit Beginn dieses Jahres als Folgekräfte für den Einsatzfall in Bereitschaft.

Die sogenannte Speerspitze der Nato – die Very High Readiness Joint Task Force – war im Jahr 2014 ins Leben gerufen worden. Dazu entschieden sich die Nato-Staaten als Reaktion auf die russischen Aggressionen gegenüber der Krim und der Ostukraine. Diese schnellste Truppe der Nato soll innerhalb von 48 bis 72 Stunden an jedem Ort der Welt einsatzbereit sein.

Der Panzerlehrbrigade 9 kommt dabei ab 2019 eine besondere Rolle zu. Sie wird die Führung der Landstreitkräfte übernehmen. Insgesamt geht es um einen Verband von rund 5000 deutschen sowie 3000 weiteren Soldaten aus anderen Nato-Nationen. Allerdings geht mit der Verpflichtung für das Jahr 2019 auch die Zusage einher, dass sich die deutschen Soldaten schon im Jahr 2018 bereithalten, um innerhalb von 45 Tagen samt Ausrüstung in einen Einsatz ziehen zu können. Ein Sprecher des Heeres bestätigte diese Frist, genauso wie die ab 2019 geltende Bereitschaftszeit von dann nur noch 5 bis 7 Tagen.

Allerdings fehlt der Truppe das entsprechende Material. Wie unlängst bekannt wurde, standen der Truppe – trotz einer dreijährigen Vorlaufzeit für die bevorstehenden Verpflichtungen – Ende Januar nur neun von 44 vorgesehenen Kampfpanzern des Typs Leopard 2 zur Verfügung, von den 14 benötigten Schützenpanzern des Typs Marder seien nur drei einsatzfähig gewesen. Das Verteidigungsministerium gestand ein, dass Probleme bestünden. Die aber würden bis zum 30.  Juni gelöst. Die längst angelaufene Bereitschaft erwähnten allerdings weder Generalinspekteur Wieker noch ein Sprecher des Ministeriums. Im Falle eines Einsatzes müsste das Heer Panzer und weiteres Material erst aus der gesamten Truppe zusammenziehen – was Zeit kostet.

Nach Aussage des Heeres-Sprechers kann die der Nato zugesagte 45-Tage-Bereitschaft dennoch eingehalten werden. Fehlendes Material werde aus anderen Bereichen organisiert und sei bereits jetzt gekennzeichnet.

Die 1. Panzerdivision hat noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Sie verliert ihren Kommandeur, Generalmajor Markus Laubenthal. Er wechselt – nach nur knapp 14 Monaten an der Spitze der Division – als Abteilungsleiter Führung Streitkräfte ins Bundesverteidigungsministerium nach Berlin. Wer die Führung der 1. Panzerdivision in Oldenburg mit rund 20.000 Soldaten Ende April übernehmen wird – und damit den Umgang mit der Ausrüstungsmisere – , ist derzeit offen.

Neben den Verpflichtungen für die Schnelle Engreiftruppe der Nato fungiert die 1. Panzerdivision derzeit zusätzlich als Leitdivision für den Einsatz in Afghanistan.

Die Probleme beim betagten Schützenpanzer Marder bekommt die Bundeswehr immerhin in den Griff: Nach Angaben des Rüstungsunternehmens Rheinmetall ist die Integration des neuen Panzerabwehrsystems Mells gelungen. Die ersten umgerüsteten Panzer sollen Mitte des Jahres an die Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe gehen.

Von Vivien-Marie Bettex

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Auto von zwei Niedersachsen haben Schleierfahnder in Selb (Bayern) bei einer Verkehrskontrolle Wurfsterne, Elektroschocker, Messer und Schlagringe gefunden.Die Männer aus Vechta müssen sich nun strafrechtlich verantworten.

04.04.2018
Der Norden Zwischen Göttingen und Northeim - A7 wird wegen Bauarbeiten zwei Nächte gesperrt

Autofahrer müssen sich am Wochenende auf erhebliche Verkehrsbehinderungen auf der A7 in Südniedersachsen einstellen. Grund sind zwei nächtliche Vollsperrungen zwischen Göttingen und Northeim. 

04.04.2018

Immer wenn sein Kollege im Urlaub oder krank, hat ein städtischer Bediensteter in Bückeburg die Parkscheinautomaten geplündert. Der Schaden beträgt etwa 30.000 Euro, der Beschuldigte hat gestanden und ist entlassen worden.

04.04.2018