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Der Norden Plattdeutsch sprechende Kinder für Kinofilm gesucht
Nachrichten Der Norden Plattdeutsch sprechende Kinder für Kinofilm gesucht
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00:32 30.05.2018
„Wir haben den Etat vervielfacht“: Heiko Frese sucht filmbegeisterte Kinder mit Liebe zum Plattdeutschen. Quelle: Fotos: George, dpa
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Lüneburg

„Hört her ihr Leute!“ Mit diesen Worten beginnt das Lied des kleinen Jungen Trenk, der ein einfacher Bauernsohn ist und Ritter werden möchte. Und mit diesen Worten zieht auch gerade ein Lüneburger Lehrer durch die Lande – auf der Suche nach Kindern, die Plattdeutsch sprechen und ein wenig schauspielern können. Denn „Ritter Trenk“ soll noch im Herbst wieder in die Kinos kommen, und zwar auf Platt.

„Platt is cool“

Heiko Frese heißt der Mann, der dieses ungewöhnliche Projekt möglich gemacht hat. In dem 43-Jährigen steckt so viel Liebe zum Plattdeutschen, dass er seinen Beruf rund um die Niederdeutsche Sprache gestaltet hat: Er ist Berater für plattdeutsche Sprache im Unterricht bei der Niedersächsischen Schulbehörde. Darüber hinaus verbringt er auch einen Gutteil seiner Freizeit mit dem Plattdeutschen – er hat gemeinsam mit anderen den Verein „Platt und Friesisch in der Schule e.V.“ in Lüneburg gegründet.

„Wenn en Spraak lebennig blieven schall, denn mutt düsse Spraak ok in de Medien vörkamen, de för de jungen Lüüd interessant sünd“, sagt Frese. Seinen Wunsch, einen Kinderfilm auf Platt zu synchronisieren, hegt er dabei schon so lange, dass er kaum noch genau sagen kann, wann er entstand. „Die Idee habe ich bereits sehr lange“, sagt der Pädagoge. „Nur die Finanzierung war natürlich ein Problem.“ Doch gibt es seit 2009 eine Plattdeutsch-AG innerhalb der niedersächsischen Landschaftsverbände: „Platt is cool“ heißt sie, und über diese Gruppe ging es voran mit der Idee des Lüneburgers.

Filmförderung steigt ein

Als er über seinen Verein dann erstmals zaghaft bei der Filmförderung Nordmedia nach einer Finanzierung fragte, merkte Frese, dass er mit seinen Plänen ein wenig zu tief gegriffen hatte. Ja, zu tief. „Wir hatten das Ganze ursprünglich als DVD für Schulen geplant“, erzählt Heiko Frese. „Doch die Nordmedia wollte uns nur fördern, wenn der Film in die Kinos kommt. Also haben wir den Etat vervielfacht und neu geplant.“ Und der neue Plan ging auf.

Insgesamt 85 000 Euro von den Filmförderungen Nordmedia und Hamburg-Schleswig-Holstein, der Arbeitsgemeinschaft „Platt is cool“, der Plattdüütsch-Stiftung Neddersassen, der Carl-Toepfer-Stiftung sowie diversen privaten Sponsoren hat der Verein zusammenbekommen, um nicht nur die Synchronisation in einem Lüneburger Tonstudio zu bezahlen, sondern auch um einen Filmverleiher zu beauftragen, der als Vermittler zwischen Verein und Kinos fungiert und den Film letztlich in die Kinos bringt. Eine erste Zusage hat der Verein bereits: Das Lüneburger Programmkino „Scala“ wird den Film zeigen.

Doch bis es soweit ist, müssen Heiko Frese und sein Kompagnon Georg Schillmöller aus Nordholz erst einmal Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren finden, die Platt sprechen. „Wi wüllt Kinner ut ünnerscheedliche Gegenden hebben, datt dat Platt ut de noorddüütschen Regionen sik in den Film wedderfinnen deit“, sagt Schillmöller, ehemalige Rektor der Grundschule Nordholz. Frese ergänzt: „Wichtig ist, dass die Kinder auch gern ein wenig schauspielern, weil es bei der Synchronisation eben auch um die Darstellungen von Stimmungen geht: schimpfen, traurig sein, lachen.“

Kirsten Boie, Autorin der Romanvorlage, kommt selbst aus einer plattdeutschen Familie, doch mit ihr haben alle bloß Hochdeutsch gesprochen, erzählt sie. „Darum freue ich mich umso mehr, dass der kleine Ritter Trenk seine Abenteuer jetzt auch auf Platt erleben darf und hoffe, dass das bei vielen Kindern die Neugierde und Begeisterung für die Sprache weckt.“

Eltern von interessierten Kindern werden gebeten, sich am Donnerstag, 31. Mai, oder Freitag, 1. Juni, zwischen 8 und 20 Uhr zu melden unter der Telefonnummer 0 47 41 / 29 52.

Von Carolin George

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