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Der Norden Postboten sollen sich künftig um Senioren kümmern
Nachrichten Der Norden Postboten sollen sich künftig um Senioren kümmern
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00:17 06.04.2018
„Post persönlich 2.0“: Das Angebot wendet sich an ältere Menschen, die kein Hausnotrufsystem haben.  Quelle: Foto: dpa
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Bremen

Bremer Postboten sollen künftig bei Senioren klingeln und nach dem Wohlergehen fragen. „Post persönlich 2.0“ nennt sich das Modellprojekt, das demnächst in ausgewählten Bremer Stadtteilen beginnen soll.

Umzug ins Heim hinauszögern

Die Deutsche Post will frühestens Mitte April Details darüber verraten, aber einiges wurde schon jetzt bekannt: Wer sich für den Service anmeldet und dafür eine Gebühr in noch ungenannter Höhe bezahlt, erhält künftig regelmäßig Besuch von Briefträgern. Die Männer und Frauen in den gelb-blauen Jacken klingeln auf jeder ihrer Touren bei den Projektteilnehmern, fragen kurz, ob alles in Ordnung ist, und ziehen dann weiter. Wenn niemand öffnet oder wenn die Klienten um Hilfe bitten, dann rufen die Zusteller beim Johanniter-Hausnotruf an und bitten ihn, sich um den Fall zu kümmern und zum Beispiel Verwandte zu benachrichtigen. 

Zu dem Modellprojekt der Stadt Bremen und der Post gehören noch zwei weitere Aufgaben für die Briefträger: Sie sollen an jeder Haustür möglichst persönlich ein Faltblatt überreichen, in dem für ehrenamtliches Engagement in sozialen Dienstleistungszentren geworben wird. Und sie sollen per Einschreiben Bargeld ausliefern, wenn Kunden der Sparkasse Bremen dies vorher per Telefon bei dem Kreditinstitut angefordert haben.

Mit diesen Dienstleistungen will der Bremer Senat vor allem jene Hilfsbedürftigen unterstützen, die noch nicht durch Pflegedienste betreut werden oder sich keinem Hausnotrufsystem angeschlossen haben. Neben der Post sollen auch andere Institutionen mit eigenen Angeboten dabei mitwirken, den Umzug ins Heim möglichst lange hinauszuzögern.

Die Einstellung von zusätzlichem Personal für das Projekt ist nicht vorgesehen – dennoch stößt die Zusatzarbeit nicht auf Ablehnung bei den Interessenvertretern der Briefzusteller. Verdi-Landesfachbereichsleiter Thomas Warner und der Betriebsratsvorsitzende Hermann Warnken sind durchaus offen für das Pilotprojekt, wie sie auf Anfrage mitteilen. Sie denken langfristig: Wenn die Postboten im E-Mail-Zeitalter immer weniger Briefe auszutragen haben, dann können neue Aufgaben die Arbeitsplätze sichern.

Stadt will sich beteiligen

Der Betriebsrat, der nach Warnkens Worten rechtzeitig in die Planungen eingebunden wurde, akzeptiert deshalb, dass zumindest während der Projektzeit kein zusätzliches Personal eingesetzt wird. Falls das Modell gut ankommt, würde das allerdings „zu einem Mehrbedarf an Arbeitskraft führen“.  

Die Deutsche Post hat in der Vergangenheit schon einmal versucht, mit ihren Briefzustellern Service für Senioren anzubieten. Doch das im Jahr 2014 im Ruhrgebiet gestartete Projekt, damals noch ohne Geldzustellung wie künftig in Bremen, wurde Ende 2015 eingestellt – wegen zu geringer Kundennachfrage, wie es hieß. Damals wurden für das Angebot fast 40 Euro Gebühr pro Monat verlangt. In Bremen könnte es für die Senioren billiger werden, denn hier will sich laut Betriebsrat Warnken auch die Stadt finanziell beteiligen.

Von Eckhard Stengel

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