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Der Norden Mutter und Tochter prügeln Nachbarin tot
Nachrichten Der Norden Mutter und Tochter prügeln Nachbarin tot
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22:59 13.07.2018
Die Hauptangeklagte und ihr Opfer hatten jahrelang übereinander gewohnt. Quelle: dpa
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Hamburg

In einem mehrstündigen Gewaltexzess haben zwei Frauen und zwei Männer nach Überzeugung des Hamburger Landgerichts gemeinschaftlich eine ältere Nachbarin zu Tode geprügelt. Die Strafkammer verurteilte die vier Angeklagten am Freitag zu Haftstrafen zwischen knapp fünf und zehn Jahren.

Die 37 Jahre alte Hauptangeklagte, ihr Partner sowie ihre jugendliche Tochter und deren Freund hatten die Nachbarin bei einem Trinkgelage mit Schlägen, Fußtritten und einem Schaufelstiel aus Metall misshandelt, wie das Gericht feststellte. Die 65-jährige stammte wie die beiden älteren Angeklagten aus Polen. Sie sei schon Jahre vor der Tat von der 37-Jährigen ausgenutzt und dominiert worden, sagte der Vorsitzende Richter, Georg Halbach.

Die beiden Frauen hätten im Stadtteil Lohbrügge übereinander gewohnt, in einem Haus eines städtischen Betriebs zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Sie seien ursprünglich befreundet gewesen. Dann sei die Ältere in Abhängigkeit von der Jüngeren geraten. Eine Zeugin bezeichnete die 65-Jährige als Hausmädchen der Angeklagten. Die 37-Jährige habe ihr Untermieter in die Wohnung gesetzt, die Miete von monatlich 120 Euro aber selbst kassiert. Auch anderes Geld musste die 65-Jährige abgeben.

Tötung gingen jahrelange Quälereien voraus

Häufig sei sie misshandelt worden, habe aber alles erduldet und ihre Verletzungen gegenüber den Nachbarn als Folge von Unfällen bezeichnet. Eine Nachbarin erstattete 2012 dennoch Strafanzeige und informierte die Hausverwaltung des städtischen Betriebs. „Wir können nichts machen“, lautete die Antwort. Ein Betreuer der älteren Frau richtete für sie ein Hausgeldkonto ein, von dem sie jede Woche 60 bis 80 Euro erhielt. Auch dieses Geld musste sie aber der Angeklagten überlassen.

Am Vormittag des 11. Oktober 2017 habe sie der Angeklagten 65 Euro ausgehändigt. Die 37-Jährige hatte 70 erwartet und habe der Älteren eine Ohrfeige gegeben. Dann kaufte der Freund der 37-Jährigen bei einem Bekannten Drogen und im Supermarkt Wodka. Am Mittag begann das Gelage der vier Angeklagten. Grundlos habe die 37-Jährige auf einmal angefangen, auf die Nachbarin einzuschlagen. Möglicherweise habe eine Äußerung auf Polnisch sie verärgert. Es sei zu einer Gewaltorgie gekommen, bei der die 37-Jährige treibende Kraft gewesen sei, sagte Halbach. Die 65-Jährige sei zu Boden gegangen und habe stark geblutet.

„Hör auf, sie ist schon halb tot!“

Nach einiger Zeit habe die Tochter der Mutter gesagt: „Es reicht jetzt wirklich. Hör auf, sie ist schon halb tot!“ Die 37-Jährige und der Freund der Jugendlichen prügelten jedoch weiter. Die leblose Frau legten sie schließlich in ihr Bett und bedeckten sie vollständig mit einer Decke. Dort wurde sie am nächsten Tag tot gefunden.

Warum es zu diesem Exzess kam, konnte das Gericht nicht aufklären. Die Angeklagten gehörten zu einem gewaltgeprägten Milieu, Drogen und Alkohol spielten eine Rolle. „Wir konnten kein Motiv für die Tat feststellen. Wir standen ratlos davor“, sagte Halbach für die gesamte Strafkammer. Ein psychiatrischer Sachverständiger habe im Prozess gesagt, dass er an die Grenze der Erklärbarkeit gekommen sei.

Haftstrafen für alle Beteiligten

Die 37 Jahre alte Hauptangeklagte wurde zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Ihr mitangeklagter Partner wurde der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Der 26-Jährige erhielt acht Jahre Gefängnis. Die 16-jährige, in Hamburg geborene Tochter der Hauptangeklagten muss aus dem gleichen Grund eine Jugendstrafe von vier Jahren und neun Monaten verbüßen, der 19 Jahre alte deutsche Freund der Tochter wurde wegen Totschlags zu einer siebenjährigen Jugendstrafe verurteilt. Für die beiden älteren Angeklagten ordnete das Gericht zudem eine Entzugstherapie an.

Die Anklage hatte auf gemeinschaftlichen Mord gelautet. Ein Mordmerkmal sah das Gericht aber nicht. Der Prozess fand wegen der jugendlichen Angeklagten weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einen Nebenkläger gab es nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von RND/dpa

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