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Der Norden Der Harz ist bereit für die Wintersportler
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05:47 12.01.2019
„Freude pur“: An der Rodelbahn in Torfhaus ist die Saison eröffnet. Quelle: Moritz Frankenberg
Torfhaus/Braunlage

„Das ist Freude pur!“ Dieser Ausruf eines Familienvaters am Rodelberg in Torfhaus gab am Freitag die Stimmung vieler Harzbesucher wieder. Den Urlauber aus Leer störte die vernebelte Sicht kaum. Er war begeistert, dass es nicht wie zuhause regnete –und dass im Harz, anders als zurzeit vielerorts in den Alpen, Wintersport ohne besonderes Risiko möglich ist. Auch bei den Liftbetreibern und Gastronomen machte sich Freude breit: Sie erwarten an diesem Wochenende den ersten Besucheransturm des Jahres.

Ulrich Schulze blickt mit Stolz auf die Loipe vor seinem Forsthaus. „Die Langläufer können kommen“, sagt der Revierförster in Torfhaus. Bis zwei Uhr Freitag früh haben es vier Nationalparkmitarbeiter mit Schreitbagger und Pistenbulli geschafft, alle Loipen auf festen Waldwegen von im Sturm umgestürzten Bäumen zu befreien und zu spuren. Das seien 80 Prozent der Gesamtstrecke, erläutert Schulze. „Auf Verbindungswegen, wo es über Stock und Stein geht, reicht der Schnee noch nicht.“

Wege frei für Langläufer

Der 62-Jährige ist als dienstältester Revierleiter seit 40 Jahren in Torfhaus. Nachtschichten, erzählt er, sind für die Forstwirte in der Wintersaison üblich: „Tagsüber würden wir uns mit Skiläufern, Rodlern und Wanderern in die Quere kommen.“ Seit einiger Zeit nutzten zusätzlich Mountainbikefahrer die verschneiten Wege. Bei den Skilangläufern sei das Skaten immer beliebter geworden, etwa die Hälfte des Loipennetzes wird für diese Variante präpariert. Langlauf habe insgesamt sein verstaubtes Image verloren, meint Schulze. Während Langläufer früher als „Hinterwäldler“ gegolten hätten, sei die Sportart nun auch bei Jugendlichen angesagt. Über das Spuren der Loipen lenke die Nationalparkverwaltung die Skifahrer, die sich früher oft auch mal Wege durch empfindliche Moore gesucht hätten, in feste Bahnen.

Auf den verschneiten Wegen vor dem Forsthaus genießen Wanderer, mit oder ohne Stöcke, die Stille des Fichtenwaldes. „Ruhiges Winterwetter, perfekt“, meint Nils Appel aus Magdeburg, der Software-Entwickler nutzt ein paar Tage Resturlaub und marschiert auf dem Goetheweg Richtung Brocken. Nur einen halben Kilometer entfernt, am Rodelberg, geht es trubelig zu. Vor allem Eltern mit kleinen Kindern toben sich dort mit Holz- und Plastikschlitten aus. „Wir haben richtig Glück“, sagt Michael Schatka aus Gehrden. Seine Familie hat den Kurzurlaub langfristig gebucht, mit Schnee konnte sie da noch nicht rechnen.

Der Lift surrt, der Betreiber ist in der Früh mit seinem Pistenbulli den Hang auf und ab gefahren, um den Schnee zu glätten. Neben der Rodelbahn schippt Meik Bresselschmitt den Zugang zu seinem Cocktailwagen frei. Die „Gorilla-Bar“ steht erst seit dieser Saison in Torfhaus, alle Cocktails sind auch alkoholfrei zu haben. Wie der Gastronom rechnet auch Olga Neidhart im benachbarten „Halali“ zum Wochenende mit sehr guten Geschäften. Gegenüber im Besucherzentrum dämpft Kerstin Mehmke allerdings Hoffnungen auf Traumbedingungen. Nach möglichem Tauwetter sei erst für Montag wieder kälteres Wetter angesagt.

„Technischer“ Schnee

In Braunlage spielt die Temperatur eine etwas geringere Rolle. „Wie das Wetter wird, wissen wir nicht, das ist Natur“, sagt Sandra Nüsse, Skiverleiherin am Hexenritt-Sessellift. „Aber mit dem technischen Schnee können wir guten Untergrund für Abfahrten versprechen.“ Den Ausdruck Kunstschnee für Beschneiung hört die Frau des Seilbahnbetreibers nicht gern. „Das ist hundert Prozent Wasser“, sagt sie. Spätestens seit den Niederschlägen zu Jahresbeginn sei das nicht mehr knapp. Die Lifte am Wurmberg sind fast alle in Betrieb, nachdem sie sturmbedingt tagelang schließen mussten. Die befragten Alpinskifahrer äußern sich durchweg zufrieden. Die Stimmung ist am Freitag entspannt, es gibt genügend Parkraum und keine Warteschlangen.

Auch auf dem Brocken hat sich die Lage beruhigt. Die Lok und der Frachtwagen des am Dienstag eingeschneiten Dampfzuges konnten freigeschaufelt und in die Werkstatt nach Wernigerode gezogen werden. Seit Freitagmorgen verkehrt die Bahn wieder. Das freut nicht zuletzt Brockenwirt Daniel Steinhoff. Während der Schneewehen der letzten Tage hätten sich nur wenige Wanderer auf den höchsten Harzberg gewagt, sagt er: „Jetzt bringt uns die Bahn wieder Besucher hoch.“

Von Gabriele Schulte

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