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Der Norden So viele Menschen pendeln von und nach Niedersachsen
Nachrichten Der Norden So viele Menschen pendeln von und nach Niedersachsen
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18:53 05.02.2018
Hauptbahnhof Hannover: Pendler haben mitunter weite Wege.  Quelle: dpa
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Hannover

Die Wirtschaft wächst, mehr Menschen finden eine Arbeitsstelle – und sehr viele machen sich dorthin  auf einen langen Weg.  Immer mehr Menschen in Niedersachsen sind Berufspendler, wie die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit am Montag bekannt gab.  Im vergangenen Jahr kamen rund 290.100 Beschäftigte aus anderen Bundesländern als Pendler nach Niedersachsen - 7600 Menschen oder 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch mehr Menschen aus Niedersachsen allerdings fuhren für den Job über die Landesgrenzen, nämlich 424.000 und damit 2,4 Prozent mehr.

„Niedersachsen macht leichte Fortschritte darin, sein Fachkräftepotenzial auszuschöpfen“, sagte Agenturchefin Bärbel Höltzen-Schoh zu der aus Sicht der Regionaldirektion positiven Entwicklung der Pendlerströme. Traditionell sei der Anteil der Auspendler aus Niedersachsen stets höher gewesen – „aber die Schere schließt sich jetzt ein bisschen.“ Zurzeit hätten Fachleute gute Chancen, auch hierzulande einen guten Job zu finden.  Allerdings gebe es noch Spielraum, Arbeitnehmer an hiesige Unternehmen zu binden – etwa mit besseren Karrierechancen und der Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren, sowie bei der Bezahlung.

Nach Niedersachsen pendelten vor allem Berufstätige aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bremen. Bremen zeigte sich auf der anderen Seite auch als starker Beschäftigungsstandort mit 136 300 Einpendlern, die meisten kamen aus Niedersachsen.  Berufstätige aus Niedersachsen fuhren außer nach Bremen vor allem nach Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Bei sehr weit vom Hauptwohnsitz entfernten Arbeitsplätzen, etwa im Saarland, geht die Arbeitsagentur davon aus, dass nicht täglich, sondern vielleicht nur am Wochenende gependelt wird.

Auch Doppelverdiener-Haushalte sorgten für den Anstieg der Pendlerzahlen, fand unlängst das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) heraus. Dabei werde Pendeln häufig als Belastung wahrgenommen, die sich auch auf die Gesundheit auswirken könne. Es gebe Anzeichen dafür, dass mit zunehmender Länge der Pendelstrecke die Lebenszufriedenheit leide, warnte das Institut. Die Strecken werden in der Tat immer länger: Nach deutschlandweiten Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hat sich der Zeitaufwand zwischen 2007 und 2016 um 5,5 Prozent erhöht. Der Weg zur Arbeit nimmt demnach im Durchschnitt mittlerweile 44 Minuten in Anspruch.

Jeder Vierte in der Region Hannover ein Einpendler

Die Bundesarbeitsagentur hat auch zu den Pendlerströmen der Landkreise Zahlen erhoben, diese  Daten in ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichten „Pendleratlas“ beziehen sich allerdings auf 2016. Aus der Region Hannover pendelten demnach rund 60500 Berufstätige und damit gut 14 Prozent in einen anderen Kreis. Die Zahl der Einpendler in das Ballungsgebiet war mit gut 124000 Beschäftigten von außerhalb  mehr als doppelt so hoch. Jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Region war ein Einpendler aus einem anderen Landkreis. Die meisten kommen aus dem Kreis Hildesheim, gefolgt von Schaumburg, Celle, Peine und Hameln-Pyrmont. Mehr dazu lesen Sie hier.

Stress könne daraus gleichermaßen bei Fahrten mit dem Auto wie mit der Bahn erwachsen, heißt es in der Untersuchung des BiB. Dabei komme es auf den Wohnort an. „In Ballungsgebieten sehen sich Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit stärkerem Stress ausgesetzt als Pendler, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen“, sagt Studienautor Heiko Rüger. Dichter Verkehr und Staus trügen wesentlich dazu bei. Bei Pendlern im ländlichen Raum sei es umgekehrt: Hier zeige sich ein erhöhter Stresspegel bei Bus- und Bahnpendlern. „Das ist auf die oft schlecht ausgebauten oder zu seltenen Verbindungen zurückzuführen“, meint der Soziologe.

Auch die Krankenkassen beschäftigen sich mit dem Pendeln. So hat die Techniker Krankenkasse (TK) bei Menschen mit einem Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern ein höheres Risiko erkannt, psychisch zu erkranken.  „Die Daten zeigen, dass Berufspendler häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen sind“, sagt Sprecherin Michaela Hombrecher. „Dabei sind Pendler ansonsten insgesamt sogar seltener krankgeschrieben als andere Arbeitnehmer“, ergänzt die Arbeitssoziologin. Denn es bedürfe gerade einer gewissen Belastungsfähigkeit und Robustheit, um sich regelmäßig auf den zum Teil mehrstündigen Weg zur Arbeit zu machen.

Für Betriebe hat die Krankenkasse Tipps parat, wie sie die Belastung der pendelgeplagter Arbeitnehmer senken können. „Wenn Mitarbeiter sich zum Beispiel nicht noch selbst um frisch gewaschene und gebügelte Arbeitskleidung kümmern müssen, wenn sie am Arbeitsplatz regelmäßig eine Obstkiste vorfinden oder wenn sie im Betrieb ein Fitnessstudio nutzen können, kann sie das sehr entlasten“, sagt Hombrecher. Auch Verkehrspolitiker seien gefordert, Berufstätigen den Weg zur Arbeit zu erleichtern  – mit besser ausgebauten Straßen und Schienenwegen.

Von Gabriele Schulte

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