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Der Norden Neue App führt an Orte der Demokratie
Nachrichten Der Norden Neue App führt an Orte der Demokratie
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13:39 12.09.2018
Die Route führt Martha Herbold unter anderem auf den Opernplatz. Quelle: Hürter
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Hannover

Warum stehen in der Bahnhofstraße immer so viele Menschen und starren auf ihre Smartphones? Das ist eine von vielen Fragen, über die Jugendliche in der neuen App „Spot On“ nachdenken sollen. Die Landeszentrale für politische Bildung hat die virtuelle Schnitzeljagd für Smartphones und Tabletcomputer entwickelt. Auf verschiedenen Routen können junge Menschen in Zukunft in ganz Niedersachsen ihre Heimat neu entdecken – und dabei über Gesellschaft und Politik nachdenken. Die erste Route führt durch die Innenstadt von Hannover. Gesucht werden in der Schnitzeljagd Schätze ganz besonderer Art: Die Jugendlichen suchen nach Orten der Demokratie.

Aber was hat die Bahnhofstraße in Hannover mit der Demokratie zu tun? Die Menschen sind wegen des freien WLANs hier, antwortet die App, nachdem die Teilnehmer Zeit hatten, um gemeinsam zu überlegen. Freies Internet gibt es in Hannover längst noch nicht überall. „Dabei ist der freie Zugang zum Internet mittlerweile gleichzusetzen mit dem Zugang zur Gesellschaft“, lesen die Jugendlichen auf ihren Smartphones.

Mit Quizfragen, kurzen Texten, Videos und Bildern werden in der App verschiedene politische Themen angesprochen. „Die Jugendlichen bekommen einen Anstoß, um in der Gruppe zu diskutieren“, erklärt Ulrika Engler, die Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung. Die App soll ihr zufolge jungen Menschen unter anderem zeigen, wie sie sich selber in die Gesellschaft einbringen können. Das sei gerade jetzt wichtig, „wo viele demokratiefeindliche Kräfte unterwegs sind und es schaffen, eine Stimme zu kriegen“, so Engler.

„Politische Bildung, die auch Spaß macht“

Von der Bahnhofstraße führt die Route unter anderem weiter zum Opernplatz. Dort war Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag einer der ersten, der die App ausprobieren durfte. Martha Herbold und Alana Adamczewski, die die erste Route mit gestaltet haben, erklärten dem Ministerpräsidenten, wie es geht.

Zwischen den Stationen weist ein Pfeil auf dem Smartphone, der über GPS gesteuert wird, den Weg. Der Opernplatz hat es als Ort, an dem viele Menschen demonstrieren, in die App geschafft. Der Platz wirft viele Fragen auf: Wo muss eine Demo angemeldet werden? Gibt es Gründe, Demos zu verbieten? Und wogegen würdet ihr selber gerne protestieren? „Wie wäre es denn zum Beispiel gegen Rassismus?“, schlägt Weil vor. Die Jugendlichen antworten nicht nur schriftlich, sondern nehmen auch Fotos und Sprachnotizen auf.

Am Ende ist Weil von der App überzeugt: „Das ist ein schönes Beispiel für politische Bildung, die auch Spaß macht.“ Demokratie brauche viele Menschen, die mitmachen. Die App könne dazu beitragen, dass die Jugendlichen verstehen, worum es geht. Und sie ist nicht auf einen Ort begrenzt: „Man kann das für die Innenstadt machen, aber auch für Linden oder für Garbsen“, sagt Weil.

Weitere Routen sollen entstehen

Die Route, die unter anderem durch die Bahnhofstraße zum Opernplatz und zum Neuen Rathaus führt, soll nur eine von vielen in Niedersachsen sein. Die Mitglieder des Cameo-Kollektivs haben sie gemeinsam mit der Landeszentrale entwickelt. In dem interkulturellen Verein aus Hannover setzen sich junge Erwachsene für eine bunte Gesellschaft ein. „Wir haben zuerst definiert, was Demokratie für uns bedeutet“, erzählt Martha Herbold, die zu dem Kollektiv gehört. Aus den gemeinsamen Überlegungen über freies W-Lan, Wissenszugänge, Demonstrationsrecht, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung haben sie die Route gestaltet. Katherine Arp von der Landeszentrale hat dabei geholfen und ist von dem Ergebnis überzeugt: „Ich finde es cool, weil man mit Demokratie meist nur Landtag und Rathaus verbindet. Hier sieht man, dass es hinter jeder Ecke etwas gibt, das mit Demokratie zu tun hat.“

Die App „Spot On – Demokratie auf der Spur“ kann kostenlos im Google-Play-Store und im App-Store von Apple heruntergeladen werden. Während der Schnitzeljagd müssen Smartphones oder Tabletcomputer nicht unbedingt mit dem Internet verbunden sein. Die Routen können vorab auf die Geräte geladen werden.

So können neue Routen entstehen

Nachdem sich die Mitglieder des Cameo-Kollektivs die erste Route ausgedacht haben, sind nun andere kreative Menschen in ganz Niedersachsen gefragt. Laut Ulrika Engler, der Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung, soll die App vor allem von jungen Menschen für andere junge Menschen weiterentwickelt werden. Die erste Route richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren. Es können aber auch Routen für andere Altersgruppen dazukommen. Wichtig sei jedoch, dass die Routen möglichst barrierearm sind und dass Menschen aus verschiedenen Bildungswegen mitmachen können.

Engler zufolge ist es unter anderem möglich, dass sich Jugendliche in Jugendzentren zusammentun und sich eine Route ausdenken. Aber auch Schulklassen könnten sich zusammen die Frage stellen, was Demokratie für sie bedeutet. Wer Interesse hat, mitzumachen, kann seine Ideen bei der Landeszentrale für politische Bildung einreichen. Sie bietet unter anderem auch Workshops an, um bei der Entstehung einer neuen Route zu helfen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.spot-on-niedersachsen.de. Dort stehen auch Formulare zum Download bereit, auf denen Gruppen Themenideen für eine eigene Route einreichen können.

Von Rebecca Hürter

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