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Der Norden War Sonnensturm Auslöser für Walstrandungen?
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07:38 26.10.2017
Zwei Pottwale waren im Januar 2016 auf der Nordseeinsel Wangerooge gestrandet. Quelle: dpa
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Büsum

Ein Sonnensturm ist möglicherweise Grund für die Häufung von Strandungen männlicher Pottwale Anfang 2016 an den Küsten der Nordsee. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern um den Physiker Klaus Heinrich Vanselow vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel (FTZ). Danach nutzen Wale zur Orientierung vermutlich das Magnetfeld der Erde sowie geomagnetische Anomalien. Wenn Sonnenstürme das Magnetfeld durcheinanderwirbeln, besteht die Gefahr, dass die Meeressäuger einen falschen Kurs einschlagen und sich verirren. Vanselow veröffentlichte seine Ergebnisse schon im August im „International Journal of Astrobiology“.

Insgesamt 29 der imposanten Meeressäuger verendeten Anfang 2016 an den Küsten von Deutschland, England, Frankreich und den Niederlanden. Auch am Strand von Wangerooge blieben die Kadaver zweier verendeter Wale zurück. Ein präpariertes Skelett wurde auf dem Außengelände des Nationalparkhauses Wangerooge aufgebaut.

Vanselow untersuchte die möglichen Auswirkungen zweier Sonnenstürme im Dezember 2015 und Januar 2016 im Seegebiet zwischen Norwegen und Schottland. Dort bogen die Pottwale irrtümlich in die Nordsee ab. Zehn Tage später strandeten die ersten Tiere.

Weibliche Pottwale leben ausschließlich in der Nähe des Äquators. In der Nähe der Azoren haben die Sonnenstürme - gewaltige Explosionen auf der Sonne - laut Vanselow nur wenig Auswirkungen auf das Erd-Magnetfeld. Männliche Pottwale wandern hingegen nach der Entwöhnung nach Norden bis in die Region von Norwegen. Sie haben dann keine Erfahrung mit den zufälligen, abrupten geomagnetischen Stürmen in jenen Breiten.

„Tödlicher Navigationsfehler“

Laut Vanselow zeigte sich, dass die Sonnensturmstörungen das Erd-Magnetfeld selbst verbiegen können. Während des Durchschwimmens der Anomalien zwischen Schottland und Norwegen kann der Orientierungssinn der Wale so in die Irre geführt werden. Wenn Pottwale weit entfernt von den Küsten oder flachen Gewässern sind, haben sie normalerweise Zeit genug, ihre Navigation anzupassen und zu korrigieren. Verirren sie sich jedoch in die flache Nordsee, sei dies meist ein „tödlicher Navigationsfehler“, ist sich Vanselow sicher.

Neben Vanselows Theorie gibt es auch andere Spekulationen über die Gründe der Walstrandungen. Dazu zählen unter anderem die Verschmutzung der Meere, der Lärm von Schiffen und Bohrinseln, sowie die Magnetfelder von Kabeltrassen. Andere Wissenschaftler spekulieren, dass die Meeressäuger leichtsinnig ihrer Beute in die Nordsee folgten.

Von Wolfgang Runge

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