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Der Norden "Eine One-Woman-Show gibt es mit mir nicht"
Nachrichten Der Norden "Eine One-Woman-Show gibt es mit mir nicht"
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00:18 20.10.2017
Von Saskia Döhner
Laura Pooth aus Oldenburg ist neue GEW-Landesvorsitzende. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Frau Pooth, erstmals ist eine Frau Landesvorsitzende GEW. Überhaupt stehen kaum Frauen an der Spitze von Gewerkschaften. Warum eigentlich?

Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen: Frauen sind selten in Führungspositionen. Oft weil ihnen die Zeit fehlt. Familie und Hausarbeit bleibt meist an den Frauen hängen. Neben Beruf und Familie, was ohnehin schon schwer vereinbar ist, bleibt dann keine Zeit mehr, sich noch ehrenamtlich für eine Gewerkschaft zu engagieren. Bei der GEW gibt es aber mehr Frauen auf Spitzeänmtern als in anderen DGB-Gewerkschaften. Das ist auch kein Wunder, 70 Prozent unserer Mitglieder sind Frauen. Unsere Bundesvorsitzende ist eine Frau, auch mehrere Landesvorsitzende sind weiblich. In Niedersachsen bin ich nun die erste. Ich habe das Glück, dass mein Mann und ich uns Hausarbeit und Familie partnerschaftlich teilen.

Wie kann man mehr Frauen für Führungspositionen gewinnen?

Zum einen muss die Angebote zur Kinderbetreuung ausgebaut werden, zum anderen müssen wir aber auch Frauen mehr stärken, viele trauen sich zu wenig zu, die Männer übernehmen eher Verantwortung. Frauen müssen sich aber immer noch stärker beweisen, offiziell heißt es zwar, wenn junge Frauen da sind, werden sie gefördert, aber im Hintergrund laufen da die Klischees und Voruteile. Man kann nicht sagen, dass Frauen es genauso leicht haben wie Männer. Im Gegenteil, sie haben schwerer. Das kann ich auch für mich sagen.

War es für Sie eine große Umstellung, nach sechs Jahren als Stellvertreterin auf einmal im Rampenlicht zu stehen?

Eigentlich nicht. Mein Vorgänger, Eberhard Brandt, und ich haben uns in den vergangenen Jahren schon viel geteilt. Neu hinzugekommen ist die Koordination mit den anderen Landesvorsitzenden. Vor großen Menschengruppen zu reden war mir nicht in die Wiege gelegt, ich habe das gelernt. Aber das können auch andere lernen.

Eberhard Brandt, der 14 Jahre GEW-Vorsitzender war, hat gesagt, man müsse beides können, Menschen mobilisieren, dann aber auch Kompromisse verhandeln Schaffen Sie den Spagat?

Ja, ich traue mir das zu, Ob es gelingt, wird sich zeigen. Ich bin kommunikativ und kompromissfähig. Mit mir wird es aber keine One-Woman-Show geben, ich allein bin nicht die GEW, wir alle sind die GEW. Wir sind als Vorstandsteam angetreten und werden auch als Team führen.

Rund 30 000 Mitglieder hat die GEW Niedersachsen. Wie viele Gewerkschaften hat auch sie in den letzten Jahren einen Mitgliederschwund hinnehmen müssen. Wie kann man den Trend stoppen?

Heute tritt man nicht mehr nur aus Solidarität in die Gewerkschaft ein, sondern weil man sie als Dienstleister sieht, man will den Service. Rechtschutz ist zunehmend wichtig, deshalb wollen wir auch unsere Rechtschutzstelle verstärken. Fortbildung und Beratung sind gefragt. Unsere jüngeren Mitglieder können von den älteren diesen Solidaritätsgedanken lernen. Ich spreche deshalb lieber von Generationsdialog und nicht von Generationswechsel. Die Bedingungen für Lehrer sind schlechter geworden, viele sehen zu, dass sie für sich selbst zurecht kommen, anstatt sich auch noch für andere einzusetzen. Hinzu kommt auch ein Mangel an politischer Bildung. Studenten wissen teils gar nicht mehr, was Gewerkschaften eigentlich sind. Gewerkschaftsarbeit macht dann Spaß, wenn man ein gemeinsames Ziel hat und jeder seinen Teil dazu beitragen kann. Für mich ist es wichtig, das, was an der Basis brodelt, besser an die Spitze zu holen.

Wissen Sie überhaupt noch, was an den Schulen brodelt? Sie unterrichten doch nicht mehr selbst?

Ich habe jahrelang an Hauptschulen gearbeitet. Um zu wissen, was an den Schulen los ist, muss man nicht unbedingt auch voll im Job stehen. Ich kann gut aufnehmen. Um zu wissen, wie sich ein Obdachloser fühlt, muss man ja auch nicht selbst obdachlos sein. Professioneller GEW-Vorsitz, Personalratsarbeit, Familie und auch noch Lehrerin sein – das geht nicht, sonst werde ich zerrissen.

Bildungspolitik ist eines der großen Wahlkampfthemen gewesen. Brauchen die Schulen nicht endlich Ruhe?

Die Reformen, die jetzt von Rot-Grün angeschoben worden sind, sollten weiter wirken, wir brauchen kein Rollback zur alten Paukanstalt. Zum Glück haben wir einen kurzen Landtagswahlkampf, so ist jede Partei gezwungen, klar Stellung zu beziehen.

Was ist Ihre Hauptforderung?

Der Lehrerberuf muss wieder attraktiver werden. Das heißt zum einen: bessere Bezahlung. A 13 für alle, die ab dem 1. August 2018 neu eingestellt werden, und sukzessive für die anderen, die schon im Job sind. Mich ärgert, die Salamitaktik der Parteien in diesem Punkt. Wir fordern außerdem die Einführung einer Alter- und Teilzeitermäßigung und die Erhöhung der Anrechungsstunden. Zum anderen muss die Unterrichtsverpflichtung herabgesenkt werden.

Auf 22 Stunden, wie es die GEW mal gefordert hat?

So eine Zielzahl haben wir im Moment nicht. Es muss aber endlich spürbare Entlastungen geben. Lehrer sind hochmotiviert und hochbelastet, für die großen Aufgaben wie Inklusion, Ganztag, Sprachförderung fehlt die Zeit. Niedersachsen steht auch in Konkurrenz zu anderen Bundesländern. Für unsere Ziele werden wir eintreten und auch Einfluss auf die Koaltitionsverhandlungen nehmen.

Werden Sie mit jeder künftig im Landtag vertretenen Partei das Gespräch suchen?

Grundsätzlich ja, allerdings nicht mit Parteien, die rechtsextreme Positionen vertreten.

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