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Der Norden Für die Wildbienen: Mehr Natur auf Friedhöfen
Nachrichten Der Norden Für die Wildbienen: Mehr Natur auf Friedhöfen
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00:28 13.04.2018
Öko-Nische zwischen Gräbern: Bienen sollen Rückzugsräume auf Friedhöfen bekommen. Quelle: dpa
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Hannover

 Auf den Friedhöfen in Niedersachsen soll es künftig lebendiger zugehen – jedenfalls in den Bereichen Flora und Fauna. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Niedersachsen (BUND) hat ein Modellprojekt angestoßen, um Wildbienen ein attraktiveres Zuhause auf Friedhöfen zu bieten. Auch Schmetterlinge, Vögel, Fledermäuse und kleine Säugetiere könnten von mehr Ökologie zwischen Gräbern profitieren, heißt es. Der Startschuss fällt am Mittwoch in Göttingen, dann folgen Hannover, Braunschweig und Lüneburg.  

Nistwände für Wildbienen

Friedhöfe sind nicht nur Ruhestätten. In Hannover etwa machen Friedhöfe ein Drittel aller Grünflächen aus. Der BUND hat festgestellt, dass Friedhöfe mit altem Baumbestand zu den artenreichsten Refugien für Pflanzen und Tiere gehören. Dort gebe es auch seltenere Pflanzen, von denen manche sogar auf der roten Liste stünden. 

Die „ökologische Aufwertung“ könne man auch gezielt fördern, sagt Sina Schröder, bei der Naturschutzorganisation mit zuständig für das Friedhofsprojekt. Etwa, indem man nicht genutzte Flächen, auf denen jetzt nur Rasen wächst, in Blumenwiesen umwandelt.

Der BUND will damit einen Beitrag gegen das Insekten- und speziell das Bienensterben leisten. Über die Einsaat von Wildstauden wie Natternkopf, Glockenblumen oder Rainfarn anstelle des üblichen Bodendeckergrüns könnte man für Wildbienen ein besseres Nahrungs- und Rückzugsareal und schöne, blühende Wiesen schaffen. Für die Bienen sollen spezielle Nistwände aufgestellt werden.

Darüber hinaus will der BUND nach Angaben von Sina Schröder Beispielbepflanzungen für Gräber ausarbeiten, etwa mit wilden Möhren und Hahnenfuß und Mohn und Fingerhut. Damit könne man einerseits gut gestaltete Gräber anlegen und andererseits einheimische Pflanzen fördern und den Insekten helfen.

In Göttingen wird der Versuch auf dem Parkfriedhof laufen, in Braunschweig auf dem Stadtfriedhof, in Lüneburg auf dem Wald- und in Hannover auf dem 55 Hektar großen Stöckener Friedhof.  Laut Cordula Wächtler, Chefin des Friedhofsamts Hannover, beteiligt sich die Stadt, weil sie das Insektensterben mit Unbehagen sieht. Zwar liege die Aufgabe, etwas daran zu ändern, eher bei der Landwirtschaft, aber ein bisschen könne ihr Amt auch für Wildbienen tun, sagt Wächtler. (Es tut seit Langem schon etwas für Honigbienen: Immer wieder stellen Imker ihre Bienenkästen auf hannoverschen Friedhöfen auf.) 

Projekt läuft bis 2020

Auch auf Friedhöfen gebe es, trotz aller nötigen intensiver Pflege, Platz für extensive Nutzung, sagt Wächtler. Sie erhofft sich zudem Erkenntnisse darüber, ob es Arbeit spart, wenn man Blühwiesen nur ab und zu mäht – dann muss man das Mahdgut nämlich auch immer abfahren. 

Das BUND-Projekt wird von der Bingo-Stiftung gefördert und soll bis August 2020 laufen. Alles in allem, mit wissenschaftlicher Begleitung und Seminaren, beläuft sich der Kostenrahmen auf 230 000 Euro.

Das Insektensterben

In Deutschland sterben die Insekten. Niederländische Wissenschaftler und deutsche Insektenkundler haben eine Langzeitstudie vorgelegt, wonach die Zahl der Fluginsekten in Deutschland zwischen den Jahren 1989 und 2016 um 76 Prozent zurückgegangen ist. Im Hochsommer steigt der Verlust sogar auf bis zu 82 Prozent. Betroffen sind Schmetterlinge ebenso wie Bienen und Wespen und andere flugfähigen Insekten.

Insekten sind aber notwendig als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen. Etwa 80  Prozent der Wildpflanzen existieren nur durch Insektenbestäubung. Rund 60 Prozent der Vögel ernähren sich hauptsächlich von Insekten.

Das Insektensterben ist nicht nur ein deutsches Phänomen: Bei Bienenpopulationen wurden auch in anderen Ländern deutliche Einbrüche festgestellt. Die Zahl der Schmetterlinge in Europa ist zwischen  1990 und 2011 um die Hälfte zurückgegangen.

Viele Wissenschaftler sehen die Gründe für das Insektensterben in den Monokulturen und im Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sowie im Klimawandel. Die Ursachen sind aber noch nicht vollständig erforscht.

Von Bert Strebe

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