Mancher sagt: Ich bin reif für die Insel und wünscht sich: Zeit für sich selbst, für Natur, für Kultur und auch für Gott. Vermutlich weiß jeder nach Monaten voller Arbeit in Fabrik oder Büro, in Familie und Freizeit, um was es geht. Endlich „weg“ zu können, weg von all dem, was den Alltag so grau macht. Klar, dass in unserem Wortspiel Insel nicht immer Insel bedeutet. Reif für die Insel ist ein Ausdruck von Sehnsucht: Blaues Meer und Sonne, einsamer Inselpfad und belebte Piazza, gutes Essen und kühle Getränke, vor allem: viel freie Zeit.
Ausdruck von Sehnsucht: für den einen zum Meer, für den anderen in die Berge, für einen in die Einsamkeit, für andere in die Gemeinschaft. Dazu gehört auch die innere Bereitschaft zum Abschalten, zum Bei-sich-Sein oder zum Zeithaben für andere. Ohne solche innere Planung ist Erholung auch „auf der Insel“ nicht möglich, im Gegenteil, so wird Urlaub sogar zum Stress. Reif für die Insel.
Zu einem erholsamen Urlaub gehört für mich und für viele andere das Atemholen bei Gott. Für ein paar Minuten bleibe ich in der Kapelle am Wegesrand; beim Morgenspaziergang kommt mir in den Sinn: „Mein Gott, wie schön ist deine Welt....“, und manchmal kann ich aus tiefsten Herzen ein: „Großer Gott, wir loben dich....“ singen. Reif für die Insel heißt also: Das Schöne unserer Welt zu sehen und dankbar zu genießen; es ist wunderbar zu leben, wenn auch manches im Alltag dagegen spricht. Denn: Die Erde ist schön, sie war einmal ein Paradies. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrem Urlaub, ein Stück davon wiederfinden, ob in der Ferne oder zuhause.
Matthias Kaminski, Pfarrer in Bodensee, Gieboldehausen und Wollbrandshausen