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Begegnungen mit Eichsfeldern

Sinti und Roma pilgern zu Maria in der Wiese

„Sinti awen!“, steht auf dem Faltblatt, das Pfarrer Wolfgang Patzelt (71) derzeit jedem in die Hand drückt. „Kommt alle!“, bedeutet diese Redewendung aus der Sinti-Sprache, dem Romanes. Von Donnerstag bis Sonntag, 22. bis 25. Juli, findet in Germershausen zum zweiten Mal eine Internationale Wallfahrt der Sinti und Roma statt.

Im vergangenen Jahr hielt Bischof Norbert Trelle die Eröffnungsmesse: Wallfahrt der Sinti und Roma in Germershausen .

© Pförtner
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„Die katholische Kirche hat sich lange kaum um die religiösen Bedürfnisse dieser Volksgruppe gekümmert“, meint Patzelt, den der Bischof vor sechs Jahren mit der Seelsorge an Sinti und Roma im Bistum Hildesheim beauftragt hat. Die Folge: „Schrecklicher Befall von Sekten aus Amerika“ habe sich eingestellt, klagt Patzelt. Dem will der Geistliche entgegenwirken.

Als „Missionsveranstaltung“ möchte er die Wallfahrt, die er mit dem Bremerhavener „Verein der Katholischen Sinti und Roma“ organisiert, aber nicht verstanden wissen. Patzelt will die Großfamilien an einem Ort zusammenführen. Er wird die Kinder und Wohnwagen der Menschen segnen. Die Patres vom benachbarten Augustinerkloster sollen Gnadenbilder von Maria in der Wiese verteilen. Abends am Lagerfeuer möchte er mit den Pilgern die heilige Jungfrau anrufen. Solche „Zeichenhaftigkeit“, sei für „gelernte Deutsche“ oft „furchtbar weit weg“, meint Patzelt.

Der Priester, der früher als Kaplan in Gieboldehausen arbeitete und 15 Jahre lang Pfarrer in Lindau war, will mit der Wallfahrt aber auch Begegnungen zwischen Sintis und der deutschen Mehrheitsbevölkerung ermöglichen. Dort herrschten zum Teil „abenteuerliche Vorstellungen“ über die Volksgruppe, sagt er. Vielen sei nicht klar, dass die Sintis seit 600 Jahren in Deutschland lebten und die deutsche Staatsangehörigkeit hätten. Sie unterschieden sich damit von den Roma, die zum gleichen Volk gehörten, aber erst in jüngerer Zeit vom Balkan in die Bundesrepublik gekommen seien.

Die Wallfahrt, zu der Patzelt also auch die Eichsfelder erwartet, beginnt am Donnerstag, 22. Juli, um 12 Uhr mit einer Eucharistiefeier. Der Bremerhavener Dechant Wigbert Schwarze predigt. Abends gibt es um 19.30 Uhr eine Marienfeier am Lagerfeuer. Am Freitag, 23. Juli, gedenken die Pilger der Opfer des Nationalsozialismus. Um 17 Uhr zelebriert der Kölner Pfarrer Jan Opiela die Messe. Um 19.30 Uhr sprechen der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Thomas Rahe, und Mitveranstalter Roberto Larze über Geschichte und Gegenwart der Sinti in Deutschland. Nachts wird am Lagerfeuer der Rosenkranz gebetet. Am Sonnabend, 24. Juli, gehen die Gläubigen den Kreuzweg. Abends essen und singen sie mit Gästen am Lagerfeuer.

Die Wallfahrt endet am Sonntag, 25. Juli, um 11 Uhr mit einer Abschlussmesse im Klostergarten. Pater Jozef Lancaric, der Nationalpfarrer für die Sinti in Deutschland, predigt.


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  • Sinti und Roma KathoEvanMosliami – 31.03.11
    "Gelernte Deutsche" das sagt alles. Am deutschen Wesen... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Kirchenpolitik Gegen Rassismus – 15.07.10
    Viele Sinti und Roma schlossen sich in den letzten Jahrzehnten den Freikirchen an. Sie fühlten sich in der katholische Kirche nicht gut aufgehoben.


    Im Gegensatz zu vielen europäischen Staaten, der UNESCO, der UNO und Menschenrechtsorganisationen blieb die Kirche beim rassischten Fremdbegriff "Zigeuner" und auch ihre politischen Ansichten waren von rassistischen Einstellungen gegen Sinti und Roma weiterhin geprägt.
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Verantwortung der Kirche Mehrzad – 15.07.10
    Von den Kirchen und Sozialeinrichtungen wurden die Sinti und Roma nicht als ethnische Minderheit, sondern als eine soziale "Außenseiter"- oder "Randgruppe" wahrgenommen.

    Solange die Kirche ausschließlich oder vor allem die spezielle Betreuung von Sinti und Roma in Form von Taufen, Erstkommunionen, Beerdigungen oder „Zigeuner-Wallfahrten“ versteht, versäumt sie ihre, wichtigste Aufgabe, nämlich die Integration der deutschen Sinti und Roma in ihre Heimatgemeinden. Als die Überlebenden Sinti nach dem Ende des Kriegs aus den Arbeits- und Vernichtungslagern zurückkehrten, wurden sie nicht in die Pfarrgemeinden ihrer Heimatorte integriert, sondern sie wurden aus dem Leben der katholischen Gemeinden vollkommen ausgeschlossen. Das heißt, die Seelsorge in den Heimatgemeinden wurde von den Kirchen, wie sie selbst zugeben, bisher vernachlässigt. Die meisten Ortspfarrer haben keinen Zugang zu den Angehörigen der Sinti, und viele wissen nicht einmal, ob Sinti oder Roma in ihrer Gemeinde leben.

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