Im Frühjahr mit Forsythien-Hintergrund: das Straßenschild des Duderstädter Clara-Gerlach-Weges.
Vor fast 50 Jahren wurde im September 1960 erstmals die Heimatplakette des damaligen Landkreises Duderstadt verliehen. Clara Gerlach erhielt sie als Anerkennung für besondere Verdienste um den Kreis Duderstadt auf kulturellem Gebiet. Sie hatte sich in hervorragender Weise für Bau und Wiederaufbau des Duderstädter Heimatmuseums eingesetzt, die Pflege des Stadtbildes ihrer Heimatstadt gefördert und sich auch für historische Ausgrabungen am Euzenberg engagiert. Der Clara-Gerlach-Weg ist wohl die erste Straße in Duderstadt, die nach einer prominenten Frau dieser Region benannt wurde.
Clara Gerlach wurde am 20. August 1885 geboren. Sie war das zweite Kind des Druckereibesitzers und Papierwarenfabrikanten Gustav Gerlach. Wie viele eichsfeldische Familienunternehmen der damaligen Zeit war die Familie Gerlach evangelischen Glaubens. Clara Gerlach legte ein Examen als Zeichenlehrerin ab, absolvierte eine Ausbildung als Goldschmiedin und lernte in Berlin Bildhauerin. Als 1915 die protestantische Sankt-Servatius-Kirche bei einem Brand stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, brachte sich Clara Gerlach, die ihr Leben den schönen Künsten gewidmet hatte, beim Wiederaufbau mit ein. Sie entwarf den Wetterhahn und den Fries am Turm. 1930, nur ein Jahr nach Duderstadts Tausendjahrfeier, hörte Clara Gerlach zu den Mitbegründern des Museumsverein. Sie wurde in dessen Vorstand gewählt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Clara Gerlach zeitweise das Heimatmuseum. Schon 1908 starb ihr Vater Gustav Gerlach, 1941 ihr Bruder Theodor, der erst vier Jahre zuvor geheiratet hatte. Dadurch wurde Clara Gerlach zur alleinigen Inhaberin der Papierwarenfabrik und der Druckerei.
Ihr Leben hatte Clara Gerlach, die nie heiratete, den schönen Künsten, weniger dem Unternehmertum gewidmet. Ihre Aufgaben als Firmeninhaberin übertrug sie auf einen Geschäftsführer. Nur vier Wochen nachdem Landrat Karl Diedrich ihr die Heimatplakette des Landkreises Duderstadt überreicht hatte, starb Clara Gerlach am 24. Oktober 1960.
An die Kunstliebhaberin erinnert in Duderstadt der Clara-Gerlach-Weg, der die beiden Straßen Im Siebigsfeld und Mühlhäuser Straße miteinander verbindet.
Von Heribert Reinhardt