Die neuzeitlichen Naturwissenschaften, so sein Vorwurf, gehen immer häufiger über ihr eigentliches Fachgebiet hinaus. Sie machten Aussagen über die religiöse Sphäre, die ihnen nicht zustünden. Besorgt registriert der Lehrer, der 1997 in Ruhestand ging, den Werteverfall und die Beliebigkeit der säkularisierten Welt. Er will Menschen helfen, die Wirklichkeit Gottes wieder zu erfahren.
Als Grund für die Feindseligkeit der Moderne gegenüber der Religion macht Teichmann Fehlentwicklungen im frühen Christentum aus. Der römische Staat sei in die katholische Kirche umgewandelt worden. Sie habe die lebendigen Glaubenserfahrungen der Menschen zu verbindlichen Dogmen verhärtet. Auch die Reformation habe sich nicht vom Nicänischen Glaubensbekenntnis gelöst, bedauert der Lutheraner. Das Gebet, dass in jedem Gottesdienst gesprochen wird, enthalte Dogmen, die für viele gebildete Menschen inakzeptabel seien.
Wie Papst Benedikt XVI. begeistert sich Teichmann für die Kirchenväter. Drei Semester hat er in Göttingen an der Universität des Dritten Lebensalters Kirchengeschichte studiert. Vor allem Origenes, der die frühe Theologie geprägt hat, dessen Lehren aber später teilweise als häretisch eingestuft wurden, fasziniert ihn.
Nach Teichmanns Vorstellung ist der Kosmos nicht aus dem Nichts, sondern durch Zeugung aus dem Ursein entstanden. Gott sei männlich und weiblich zugleich. So seien auch die Seelen der Menschen. Erst durch die Abwendung von Gott fielen sie als Mann und Frau in die materielle Welt, so der Vater von drei erwachsenen Kindern. Er verwirft den Glauben an die Jungfrauengeburt. Jesus sei nicht Gott, sondern nur ein Mensch. Er sei nicht den Opfer-, sondern den Liebestod gestorben. Gott brauche in seiner Gnade kein Opfer, um den Menschen wieder liebend aufzunehmen.
Entsprechend lehnt Teichmann die katholische Feier der Eucharistie ab, die das Opfer Jesu am Kreuz nachvollzieht. Er versteht die Feier, wie die Reformierten es tun, als reines Gedächtnismahl. Der Gläubige benötige zwischen sich und Gott keinen Mittler. Daher hält der Lehrer die kirchliche Hierarchie für überflüssig. Er wünscht sich, dass die Kirchen zu Gemeinschaften von Gottsuchern werden.
Den christlichen Absolutheitsanspruch lehnt Teichmann ab. Er stellt in seinem Buch die Ähnlichkeit seiner Lehren zu Vorstellungen der Freimaurer fest. Der Lehrer will vor allem die Suchenden erreichen, die sich von den Kirchen abgewendet haben. Anders, als der Leser vielleicht erwarten würde, ist er bis heute Mitglied der evangelischen Kirche. Der Landolfshäuser unterhält sich gerne mit seinem Nachbarn, einem Pastoren im Ruhestand. Dessen Bibliothek durfte er beim Schreiben seines Buches mitbenutzen.
Wendelin Teichmann: „Totaliter aliter (Völlig anders).“ Novum Eco, 539 S., 23,30 Euro.
Von Michael Caspar
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