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Priester warnt

Freimaurer leben „in schwerer Sünde“


Ein Christ kann kein Freimaurer sein, meint der Kölner Autor und ehemalige Logenbruder Burkhardt Gorissen (Jahrgang 1958). Das sah Friedrich Gehrich, der von 1848 bis 1861 evangelischer Pastor der Duderstädter Kirche St. Servatius war, anders.

Er gehörte der Goslarer Freimaurerloge seit 1822 an (Tageblatt berichtete). Mangelnde Einblicke lassen sich Gorissen jedoch nicht vorwerfen. 1997 in die Loge aufgenommen, übernahm er 2001 als sogenannter Meister vom Stuhl die Leitung der Mönchengladbacher Loge „Vorwärts“. 2004 wurde er Meister vom Stuhl der Kölner Loge „Zum Ewigen Dom“. 2006 wählte ihn die deutsche Großloge der Alten, Freien und Angenommenen Freimaurer, ein Dachverband, zum Großredner, zum „Propagandachef“.

In der Loge fand der unverheiratete Gorissen einen Lebenssinn und Anerkennung. Das freimaurerische Geheimwissen nährte sein Überlegenheitsgefühl gegenüber Christen, die er in „mittelalterlichen Vorstellungen“ gefangen sah. Er sonnte sich im Licht der großen Namen. Im 18. und 19. Jahrhundert waren viele Deutsche von Rang Logenmitglied. Allerdings kämpfte der Freimaurer bald mit Ernüchterung. Die Rituale im fensterlosen, nicht klimatisierten Logentempel empfand er insbesondere im Sommer als Quälerei. Einige Brüder kannten selbst nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft die Texte der rituellen Wechselgespräche nicht auswendig. Manche schliefen mittendrin ein.

Hinzu kamen menschliche Enttäuschungen. Der „Bruder Schatzmeister“ veruntreute Vereinsvermögen, für das Gorissen als Meister vom Stuhl persönlich haftete. Der Kölner, der in der Loge eine steile Karriere hinlegte, erlebte hässliche Intrigen. Als der Freimaurer die Pflege seiner mehr als 80-jährigen Mutter übernehmen musste, stand ihm nur ein Bruder zur Seite. Andere warfen ihm die Vernachlässigung seiner Amtspflichten vor. Gorissen schöpfte damals in Gottesdiensten und im Gebet Kraft.

2007 organisierte der Freimaurer in Köln den Großlogentag, auf dem dem Theologen Hans Küng der Kulturpreis der Deutschen Freimaurer verliehen wurde. Nach der Großveranstaltung brach der gestresste Logenbruder zusammen. Er musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Wieder half ihm der katholische Glauben.

Gorissen verließ die Loge 2008. Ein Priester hatte ihm gesagt, dass Freimaurer „in schwerer Sünde“ lebten. Gorissen teilt heute diese Ansicht. Er stellt klar, dass seine ehemaligen Brüder die Freimaurerei nicht als Religion betrachteten. Allerdings würden sie Jesus Christus nicht als Sohn Gottes sehen, der für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben sei. Freimaurer lebten nicht aus der Gnade der göttlichen Vergebung, sondern versuchten sich selbst zu vervollkommnen. Jesus sei für sie ein „herausragender Mensch und großer Religionsstifter“. Der Absolutheitsanspruch des Christentums werde zurückgewiesen. Pastor Gehrich konnte damit leben, Gorissen nicht.
Burkhardt Gorissen: „Ich war Freimaurer.“ Sankt Ulrich Verlag, 19,90 Euro.

Von Michael Caspar

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