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David Icke: „Das größte Geheimnis.“

Sportreporter Icke und die Nefilim der Bibel


"Es gehörte heute wieder Mut dazu, sich als Christ zu bekennen“, sagt der Gieboldehäuser Pfarrer Matthias Kaminski oft in seinen Predigten. Wer sich die spöttischen, kirchenfernen Menschen jedoch alle als knallharte Materialisten verstellt, geht in die Irre.

Deren religiöse Bedürfnisse suchen sich oft nur andere, als zeitgemäßer empfundene Ausdrucksformen. Ein solcher Verkünder moderner, nichtkirchlicher Glaubenslehren ist der umstrittene Schweizer Hotelier Erich von Däniken. Er machte Ende der 1960er Jahre, während der Hochphase der bemannten Raumfahrt, mit der These auf sich aufmerksam, Gott und die Engel seien in Wahrheit Astronauten einer außerirdischen Zivilisation.
Seither haben eine Reihe von Autoren diese Vorstellung aufgegriffen und ausgeführt. Einer von ihnen ist David Icke (58). Der ehemalige englische Sportreporter und Pressesprecher der britischen Grünen wuchs nach eigenen Angaben in einem kirchenfernen Milieu auf. Priester waren für ihn immer nur „Betrüger“, die von der Leichtgläubigkeit Unwissender lebten.

1990 hatte der damals 38-Jährige jedoch nach eigenen Angaben auf einem Berg in Peru ein spirituelles Erlebnis. Kosmische Energie hätte ihn durchpulst. Vergleichbare Geschichten von Begegnungen mit dem Übersinnlichen finden sich oft in der Bibel. Wenn Menschen heute ähnliche Erlebnisse haben, reagieren Kirchenvertreter meist zurückhaltend. Das hat damit zu tun, dass die Betroffenen sich zum Teil mit Positionen zu Wort melden, die sich kaum als christlich bezeichnen lassen.

Dies gilt auch für Icke, der sich durch seine Visionen in seiner Ablehnung des Christentums sogar noch bestärkt fühlt. Sein Buch „Das größte Geheimnis“ ist voller Angriffe auf die „babylonische Bruderschaft“, die seiner Meinung nach hinter den Kirchen steht. Wie von Däniken sieht er in den Göttern Außerirdische. Sie hätten sich mit den Menschen vermischt. Icke bezieht sich dabei unter anderem auf das erste Buch Moses (6, 1-4), wo von Gottessöhnen die Rede ist, die sich mit Menschentöchtern vermehrt hätten. Theologen verstehen unter den Söhnen Gottes – sofern sie den Text im Wortlaut für wahr halten – gefallene Engel. Die Kinder aus diesen Beziehungen, die Nefilim („die Riesen, die Gefallenen“), seien mit der Sintflut ausgelöscht worden.

Icke geht indes davon aus, dass die Nefilim bis heute die Erde bevölkern. Die Mensch-Alien-Hybriden besetzten, und an diesem Punkt wechselt er ins Genre der Verschwörungstheorien, die Schaltstellen der Macht. Alle Mächtigen dieser Erde seien miteinander verwandt, behauptet er. Sie gehörten zur hybriden „Ramses-Piso-Bush-Blutlinie“. Völlig skurril wird es, wenn Icke die Alien näher beschreibt. Es handele sich um Reptilienrassen, so der Vater von zwei Kindern.

Man könnte über Icke hinweggehen. Irritierend sind aber seine vielen Verweise auf Werke anderer Autoren. Es gibt eine ganze Reihe von Schriftstellern, die sich mit Außerirdischen und ihrem Wirken auf der Erde befassen. Zu Ickes Lesungen sollen laut Internetlexikon Wikipedia zum Teil mehrere tausend Menschen kommen. Sie haben offenbar keine Angst, sich lächerlich zu machen.
David Icke: „Das größte Geheimnis.“ Potsdam: Mosquito-Verlag, 584 S.

Von Michael Caspar

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