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Rettungswache am Krankenhaus St. Martini

„Für gewöhnlich ist in jeder Schicht etwas los“


Was ist vormittags los im Eichsfeld? In einer Serie besucht das Tageblatt morgens um zehn Uhr Menschen und Orte der Region. Heute: die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes am Duderstädter Krankenhaus St. Martini.

Warten auf den nächsten Einsatz: Fast so regelmäßig wie die Herzschlag-Kurve über den Garderobenhaken ertönt auch der Meldeempfänger in der Rettungswache.

© Kunze

Was ist vormittags los im Eichsfeld? In einer Serie besucht das Tageblatt morgens um zehn Uhr Menschen und Orte der Region. Heute: die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes am Duderstädter Krankenhaus St. Martini.
Wenn ich hierher komme, weiß ich nicht, was passiert. Jeder Tag ist anders.“ Der Duderstädter Thorsten Krone muss nicht lange überlegen, was ihm an seinem Beruf gefällt. Für den Leiter der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes am Duderstädter Krankenhaus St. Martini und die 17 Mitarbeiter gibt es keinen Alltagstrott.

„Für gewöhnlich ist in jeder Schicht etwas los. Es wird nie eintönig“, beschreibt Krone. Im Schnitt gebe es täglich 15 Einsätze, wovon ein Drittel in die Nachtschicht fällt.

Wer für den Tagdienst eingeteilt ist, hat morgens um zehn Uhr bereits viele Arbeiten erledigt, denn Dienstbeginn für das fünfköpfige Schichtteam ist um sieben Uhr. Dessen erste Aufgabe ist es, „die Einsatzbereitschaft des Rettungsmittels zu gewährleisten“. In der Praxis heißt dies bei jedem Schichtwechsel: Das Notarzteinsatzfahrzeug, der Rettungstransportwagen und das Mehrzweckfahrzeug sowie deren komplette medizinische Ausstattung werden Punkt für Punkt gecheckt.

Die Fahrzeuge sind längst vergleichbar mit einer „rollenden Intensivstation“, die hochempfindliche Technik mitführt. Das Spektrum der Gerätschaften, die an Bord sind und von den Mitarbeitern überprüft werden, reicht vom Beatmungsgerät bis zur Absaugpumpe, vom EKG bis zum Defibrillator und noch einigem mehr. Ebenso kontrolliert werden Rucksäcke und Medikamententaschen.

Nachdem der rund einstündige Check dokumentiert ist, geht es für das Team der Wache weiter mit der Pflege und Reinigung von Einrichtungsgegenständen, wie Krone erläutert. Für jeden Mitarbeiter folgen im weiteren Verlauf einer Schicht eine Vielzahl von Aufgaben, die der individuelle Dienstplan ausweist.

Große Bedeutung hat die Aus- und Weiterbildung. Alle Mitarbeiter sind verpflichtet, sich kontinuierlich über den neuesten medizinischen Erkenntnisstand auf dem Laufenden zu halten. „Medizin ist schließlich kein Standard, der immer gleich ist“, verdeutlicht Krone, der die gute Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus St. Martini hervorhebt.

Für alle Aspekte der täglichen Arbeit bis hin zur Vorratshaltung und Beschaffung von Medikamenten oder Hygienefragen gibt es Spezialisten mit zusätzlicher Qualifikation im Team, die ihr Wissen weitergeben. Ein Arbeitsbereich, der in jüngster Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Qualitätsmanagement.

Und natürlich muss die Mannschaft der Rettungswache jederzeit darauf gefasst sein, zu einem Einsatz gerufen zu werden. Die Alarmierung erfolgt aus der Einsatzleitstelle der Berufsfeuerwehr Göttingen per digitalem Meldeempfänger. Die Art der Einsätze reicht vom Herzinfarkt oder Schlaganfall bis zum Brand. Schlägereien bei einer Party können ebenso Arbeit für die Wache bedeuten wie Stürze oder Kreislaufprobleme. „Die meisten schweren Verkehrsunfälle mit schlimmen Verletzungen gibt es im Sommer, wenn es nach einer langen Trockenperiode wieder regnet und sich ein Schmierfilm auf der Straße bildet“, weiß Krone aus Erfahrung. Im Gegensatz zu Schnee und Eis würden viele Autofahrer auf diese Gefahrensituation nicht mit einer Verringerung ihrer Fahrgeschwindigkeit reagieren.

Zum Aufgabenspektrum gehören Krankentransporte und das Abholen oder Nach-Hause-Bringen von Dialysepatienten. Auch die Rettungswache spürt den demographischen Wandel. So nimmt die Zahl der internistischen Notfälle oder Sturzverletzungen kontinuierlich zu.

Unabhängig vom Grund des jeweiligen Einsatzes: „Wo wir hinkommen, werden wir erwartet und gerne gesehen“, verweist Krone auf einen Aspekt, den die Mitarbeiter als motivierend empfinden. Kann ein Mitglied des Teams nach einem Einsatz das Erlebte nur schwer verarbeiten, werde für seelsorgerische Hilfe gesorgt. „Besonders schlimm sind Unfälle mit Kindern“, so der Leiter der Rettungswache.

Die absolute Ausnahme für das Team sind Tage, an denen der digitale Meldeempfänger schweigt. Die Mitarbeiter hätten grundsätzlich nichts dagegen, wenn es mehr solche Tage geben würde, wie Rettungssanitäter Florian Löffler betont: „Denn wenn wir nicht zu Einsätzen gerufen werden, geht es anderen Menschen gut.“

Von Axel Artmann

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