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Morgens um zehn beim Hufschmied

Harte Knochenarbeit mit Klöppel und Haubeil


Was ist vormittags los im Eichsfeld? In einer Serie besucht das Tageblatt morgens um zehn Uhr Menschen und Orte in der Region. Heute: Hufschmied Bastian Klossok bei der Arbeit im Reitclub Nesselröder Warte.
Pony Meat Loaf steht entspannt in der Stallgasse. Nur seine Ohren bewegen sich aufmerksam lauschend, um das Geschehen hinter seinem Rücken einzuordnen. Das Pferdebein wird von Fabian Spillner hoch gehalten, damit Hufschmied Bastian Klossok mit Hauklinge und Klöppel einen dicken Rand der Hornschicht entfernen kann. „Das tut dem Tier nicht weh“, lacht der Schmied. Pferdehalter wüssten das eigentlich, aber manche würden doch fragen. Trotzdem sei das Ausschneiden der Hufe nicht nur notwendige Pflege wie das Fingernägelschneiden bei Menschen, sondern habe auch einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit des Tieres. Das Pferd muss auf den Hufen sein ganzes Gewicht tragen und laufen.

Bei der Arbeit am Pferd: Hufschmied Bastian Klossok und Helfer Fabian Spillner.

© Tietzek

„Die Hufstellungen haben Auswirkungen auf das Knochengerüst, auf Muskeln und Sehnen und den gesamten Bewegungsablauf des Pferdes. Fehlstellungen führen zu Verspannungen und Schmerzen“, erklärt der Fachmann. So gehören nicht nur das Handwerk des Ausschneidens und Beschlagens zur Ausbildung des Hufschmieds, sondern auch Grundkenntnisse in Anatomie, Osteopathie und der Motorik des Pferdes. Klossok betont die enge Zusammenarbeit mit Tierärzten und Osteopathen. „Wenn ein Pferd Schmerzen oder Probleme hat, lässt sich die Ursache nicht immer von außen erkennen. Man spricht sich mit den jeweiligen Tierärzten ab oder sieht sich gemeinsam Röntgenbilder an“, beschreibt er die Kommunikation zwischen den Fachleuten, damit die Hufstellung dementsprechend verändert werden kann. Um auch bei neuesten medizinischen und technischen Erkenntnissen auf dem Laufenden zu sein, seien regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen unerlässlich: „Die Tagungen werden häufig für Tierärzte und Schmiede zusammengelegt“.

Auch der Austausch mit den Pferdebesitzern sei wichtig, um zu erfahren, ob es in der Vergangenheit des Pferdes Hufkrankheiten, Sehnenverletzungen oder ähnliches gab, was die Arbeit am Huf beeinträchtigen würde. An diesem Morgen auf der Nesselröder Warte ist Meat Loafs Besitzer Mathias Weber zwar anwesend, muss aber nicht daneben stehen. Man kennt sich seit Jahren, das Vertrauen ist da. „Auf dem Pony haben meine Töchter reiten gelernt. Jetzt ist es alt und bekommt hier das Gnadenbrot“, erklärt der Stallbesitzer. Die Hufpflege ist bei alten Tieren allerdings genau so wichtig wie bei Turnierpferden.

Der Beruf Hufschmied ist in den letzten Jahren wieder im Kommen. „Nachdem in der Nachkriegszeit die Arbeitspferde in der Landwirtschaft durch Maschinen ersetzt wurden, gab es als Folge auch immer weniger Hufschmiede“, sagt Klossok. Seit den 60-er Jahren setzte allerdings der Trend zum Reitsport als Freizeitbeschäftigung ein. Reitställe boomten, und Sport- und Freizeitpferde waren plötzlich gefragt wie nie zuvor. Damit änderte sich auch der Beruf des Schmieds. „Früher sind die Bauern mit ihren Pferden zur Schmiede gefahren, wo den Tieren neue Eisen angepasst wurden“, so Klossok. Heute hat der Schmied seine Schmiede im Transporter und fährt über Land zu den Kunden. Klossok ist in einem Radius von 30 Kilometern hauptsächlich im Eichsfeld und im Raum Göttingen unterwegs, hat aber auch Kunden in den Kreisen Osterode und Goslar. Allein in Nesselröden betreut er 60 Pferde, insgesamt 400.
Ein Pferd sollte etwa alle acht Wochen ausgeschnitten werden – so heißt im Fachjargon das Kürzen des Hufhorns. Das ist bei vier Hufen in rund einer Viertelstunde erledigt. Etwas länger dauert es, wenn das Pferd Hufeisen bekommt. Dabei trügt der Name, denn nicht immer ist es Eisen, was unter die Hufe genagelt wird. „Es gibt inzwischen verschiedene Varianten aus Kunststoff“, sagt Klossok. Allerdings könne man die traditionellen Hufschützer aus Eisen am genauesten anpassen, da diese sich individuell im Feuer formen ließen.

Für die Ausbildung zum Hufschmied ist heute zunächst eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung. „Von Vorteil ist ein Handwerksberuf, am besten im Metallbau“, so der Fachmann. Die meisten Hufschmiede hätten schon in anderen Bereichen mit Pferden zu tun, als Reiter oder in der Zucht. Man sollte besonders bei ängstlichen oder schlecht erzogenen Pferden wissen, wie man reagieren muss, um sich nicht in Gefahr zu bringen.
Nach einem zweijährigen Pflichtpraktikum folgt die viermonatige Ausbildung in einer Lehrschmiede. Dann erst wird man zur Hufbeschlagsprüfung zugelassen. „Die Praxis ist Knochenarbeit. Viele haben Rückenprobleme“, weiß Klossok. Trotzdem war ihm bereits als Kind klar, dass er Hufschmied werden wollte. Darum entschied er sich auch für eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. Inzwischen arbeitet Klossok seit fünf Jahren als selbständiger Hufschmied und sieht seine Kollegen nicht als Konkurrenz, sondern als Garanten für eine flächendeckende Betreuung.

Von Claudia Nachtwey

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