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Begleitserie zu „Wir im Eichsfeld“, Folge 6

Schattierungen und Muster, unten und oben


Katholisch, konservativ, Mettwurst – dieser Dreisatz reicht den Menschen außerhalb der Region, um das Eichsfeld zu beschreiben. Dieses Bild ist nicht falsch – und, so das ein Ergebnis der Tageblatt-Umfrage (siehe Begleitserie, Folge 3), durchaus vor einem positiven Hintergrund gemalt („Schöne Gegend, nette Leute“).

Es ist jedoch unscharf. Von außen betrachtet mag das Eichsfeld als monochromer Block erscheinen, aus der Nähe weist die Region eine Vielzahl von Schattierungen und Mustern auf, zeigt sich die Vielfalt in der Einheit.

Das Eichsfeld ist eine historisch gewachsene Region, die sich über die Identität ihrer Menschen definiert, ihre Traditionen, Einstellungen Feste. Der Mensch prägt die Landschaft, nicht umgekehrt. Eine geografische Einheit, ein politisch fest gefügter Raum ist das Eichsfeld nicht. So entstehen diese Schattierungen und Muster.

Geografisch gehört das Eichsfeld grob im Norden zu Weser- und Leinebergland, im Süden zum Thüringer Becken und mit einem Zipfel im Südwesten zum osthessischen Bergland. Genauer betrachtet gliedert sich die Region zwischen südlichen Harzvorland im Norden und dem Werratal im Süden noch sehr viel differenzierter. Und doch hat das Eichsfeld ein eigenes Gepräge, ist die ländlich strukturierte Landschaft, sind die gepflegten Dörfer und Städte, sind die Klusen und Wegekreuze unverkennbar.
Politisch ist und war das Eichsfeld seit dem Wiener Kongress 1815 immer geteilt. Aufstieg und Untergang von Königreichen, Weltkriege, Kalter Krieg und Deutsche Einheit haben ihre Spuren in der Region hinterlassen. Heute liegt das Eichsfeld auf dem Territorium von fünf Landkreisen, drei Bundesländern. Dennoch sagen die Bewohner von 162 Orten der Region bis heute, „Ich bin Eichsfelder“.

Geografie und Politik bieten also allenfalls Schattierungen und Muster. Eine Binnengliederung findet jedoch auch namentlich ihren Niederschlag: die Unterteilung in Unter- und Obereichsfeld. Sie geht zurück auf die Sprach- oder auch Dialektgrenze, die durch die Region verläuft. Im kleineren nördlichen Teil, dem Untereichsfeld, wurde früher Niederdeutsch gesprochen. Das Platt ist heute zum Großteil jedoch dem Hochdeutsch gewichen. Im größeren, südlichen Teil macht das Mitteldeutsch die Zugehörigkeit zu Thüringen bis heute deutlich.

Das Untereichsfeld liegt in weiten Teilen tiefer als das Obereichsfeld, das bietet sich als topografische Eselsbrücke für Auswärtige bei der Unterscheidung an. Politisch ist das nicht so eindeutig, auch hier gibt es wiederum Schattierungen selbst innerhalb der Muster in dem scheinbar so monochromen Eichsfeld. So wird der Altkreis Duderstadt im allgemeinen Sprachgebrauch als Untereichsfeld bezeichnet. Die Dialektgrenze verläuft jedoch weiter südlich. „So zählen neben den Dörfern des Altkreises Duderstadt Orte wie Neuendorf, Böseckendorf, Bleckenrode, Berlingerode, Teistungen, Ferna, Tastungen, Wehnde, Ecklingerode, Brehme, Jützenbach, Holungen, Bischofferode und Weißenborn-Lüderode noch zum Untereichsfeld“, erläutert Gerold Wucherpfennig, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsverbandes Eichsfeld. (Dieser Bereich ist in der Grafik heller dargestellt).

Solche Präzisierungen, Erläuterungen sind Wucherpfennig wichtig. Er macht damit zweierlei deutlich: Zum einen anerkennt und benennt er die vielfältige Gliederung der Region, sei es politisch, geografisch oder naturräumlich. Zum anderen signalisiert er subtil, dass diese Unterschiede nicht schwarz oder weiß, hell oder dunkel sind, sondern eben allenfalls Schattierungen und Muster. Sie sind ein Ausdruck der Vielfalt in der Einheit des Eichsfeldes.

Von Ulrich Lottmann

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Editorial

Kennen Sie in Bernshausen den Baum, der ein Schild frisst? Wussten Sie, dass im Ort seit 30 Jahren eine Schankstube unberührt im Dornröschenschlaf schlummert? Hätten Sie gedacht, dass das 611-Seelen-Dorf einst das politische und wirtschaftliche Zentrum der Region war? Selbst wenn Ihnen das alles nicht neu ist – so kompakt und vielfältig, wie wir es Ihnen jede Woche an vorstellen, haben Sie dies alles sicher noch nicht gelesen. „Wir im Eichsfeld – 32 Orte im Porträt“ immer mittwochs im Eichsfelder Tageblatt.

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