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Bodensee

Wenn die Sonne scheint über dem ruhigen Bodensee


Bodensee, vom Ufer aus: Das Wasser funkelt im Sonnenschein, der Wind streift sanft über die Oberfläche, kräuselt leicht die blauen Wogen und fährt durch die Pappeln, die neben den bunten Bänken am Ufer stehen.

Pastorale Idylle: Die Lehmkuhle, das größte Gewässer von Bodensee. Der Teich entstand durch den Abbau vom Lehm, später nutzte man das dahinter liegende Gebiet, den „Lehmberg“.

© Thiele

Über dem Gewässer machen sich zwei Wildgänse bemerkbar, ein Graureiher landet auf der Suche nach Nahrung oder um sich kurz die langen Beine zu vertreten; in der Ferne sind Schafe zu hören. Die Spiegelungen der angrenzenden Fachwerkhäuser tanzen sacht im Wellengang.

Den Dorfteich, „unseren Bodensee“, hatte Clemens Richter als Ausgangspunkt für seine Führung durch das Dorf benannt, und man konnte sein Grinsen durch das Telefon förmlich hören. Dabei hat die Namensgleichheit von Deutschlands größtem See und dem kleinen Dorf tatsächliche Auswirkungen, berichtet der ehemalige Bürgermeister der 786-Einwohner-Gemeinde. Immer wieder stranden an der hiesigen Raiffeisentankstelle konsternierte Autofahrer, die ihr Navigationsgerät statt zum beliebten Ferienziel in Deutschlands Süden hierher verschlagen hat. Nach einer kurzen Beschwerde und mit vollem Tank machten die sich dann wieder auf den Weg. Würden sie etwas länger bleiben, bekämen die geografisch Verwirrten etwas von den Besonderheiten des Ortes mit. Sie könnten sich die Sage um den Ursprung des Dorfnamens erzählen lassen und die Kunde weitertragen in den Süden.
Dorther soll nämlich ein Ritter im 9. Jahrhundert gekommen sein und hier, aus lauter Heimweh, das nahe Lindau und auch Bodensee gegründet haben. Nur dass Bodensee damals, wenn es schon existierte, noch nicht Bodensee hieß und der Berichterstatter der Legende unter Wissenschaftlern als notorisch unzuverlässig gilt. Trotzdem hält sich diese Version bei manch einem Bewohner – 200 zusätzliche Jahre sind in puncto Dorfalter schließlich nicht zu verachten. Richter, der 37 Jahre lang der Gemeinde vorstand, sieht das, wie vieles andere auch, eher realistisch.

Richter hat noch ganz andere Anekdoten um den kleinen Weiher gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus I (Bodensee dürfte zu den wenigen Orten dieser Größe mit derer zwei gehören) im Gepäck. Etwa die von der Schützengesellschaft, die bis 1983 munter über den Teich hinweg feuerte. Davon zeugen die Schutzwälle am Ufer der Lehmkuhle, deren Wasserpegel sich aus Grundwasser speist. Dann wurde der Schießstand im Dorfgemeinschaftshaus II (abgekürzt DGH) eingeweiht, und um den Tümpel wurde es ruhiger. Nur die Ankunft eines Schwanenpärchens sorgte für kurzzeitige Bewegung. Doch das eigens errichtete Schwanenhaus ist bereits seit 15 Jahren verwaist.
Hinter dem DGH I wächst der Geräuschpegel. Eine Gruppe Kinder spielt Fußball auf dem großen Feld, Stefan schießt, Luka hält, die kleine Tribüne mit postsozialistischem Charme wird vom warmem Mittagslicht geflutet. Hier finden sonst Spiele des Fußball-Kreisklassisten SG Höherberg statt. Jetzt verschmilzt die Sportanlage mit dem gegenüber liegenden Spielplatz zu einer großen Spielwiese für den Nachwuchs aus Bodensee und dem benachbarten Wollbrandshausen. 73 Kinder fasst der Kindergarten St. Matthäus im DGH I derzeit. Hier schlägt das lebendige Herz des Dorfes. Nur einige Meter weiter ist die Grundschule. Jetzt soll die Anlage noch um eine Krippe erweitert werden. Auch den Eingangsbereich des etwas weniger unterhaltungsorientierten DGH I will man jetzt umbauen, als Ort für Hausschlachtungen wurde es zunehmend weniger genutzt.

Ein wenig merkt man Richter den Stolz über die Errungenschaften des Ortes an. Das Schwanenhaus, die Friedhofskapelle, die Dorfgemeinschaftshäuser, der Spielplatz an der Kindertagesstätte, all das wurde ganz oder in Teilen selbst errichtet. Ganz schlecht traf es sich da natürlich nicht, dass der einstige Bürgermeister von Beruf Ingenieur war. Auch Handwerker gibt es im Ort genügend: zwei Tischlereien, eine Firma für den Innenausbau, Richters Baufirma, ein Heizungsbauer; dazu noch ein Betrieb wie die Schlachterei Fahlbusch etwas außerhalb oder der Hofladen „Kuhnigunde“.

Vom Sportplatz bietet sich ein Ausblick auf den Höherberg, mit seiner bekannten Wallfahrtskapelle. Ein Wahrzeichen, an dem die Bodenseer nur noch wenig teilhaben; nur der Name der Fußball-Spielgemeinschaft und der am Ortsrand beginnende 14-stufige Kreuzweg den Berg hinauf verbinden Bodensee mit diesem geistlichen Zentrum. Dabei gehört der Hügel, von dessen Kuppe die Besucher eine herrliche Aussicht genießen, erst seit 1850 zu Wollbrandshausen. Zuvor war er Teil Bodensees.

In den letzten 25 Jahren ging es mit der Einwohnerzahl der Gemeinde bergauf. Sie stieg um ein Drittel, meist siedelten die Zugezogenen im Neubaugebiet jenseits der Hauptstraße. Eine Dorfkneipe gibt es inzwischen trotzdem nicht mehr, „Hellas“ hat seit einigen Monaten geschlossen. Ein Schicksal, das man mit vielen anderen Dörfern teilt. Die Kindergartenkinder von St. Matthäus wird das vorerst nicht stören.

Von Erik Westermann

Weitere Infos und Bilder zu Bodensee finden Sie in der Ausgabe des Eichsfelder Tageblatts vom 5. Mai. Diese können Sie per E-Paper beziehen oder in der Geschäftstelle Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

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