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„Feuchte Ecke“

Aus Stammtischbrüdern werden echte Freunde

Seit einem halben Jahrhundert treffen sich die Mitglieder des Langenhäger Stammtischs „Feuchte Ecke“ immer sonntags am selben Kneipentisch in der „Talsperre“ und diskutieren über Dorf, Stadt, Gott und die Welt. Die fünf Langenhäger, die den festen Kern der Gemeinschaft bilden, sowie Freunde und Verwandte haben den Geburtstag jetzt gemütlich in der Gaststätte Ertmer, im Eichsfeld auch bekannt unter dem Namen „Zur Talsperre“, gefeiert.

Halten Stammtisch-Tradition hoch: Reinhard Telge, Johannes Otto, Hubert Röhr, Hermann Deppe und Willibald Freye (v. l.) in ihrer Ecke in der Talsperre.

© Walliser
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Die Geschichte der munteren Runde begann im Jahr 1960 im damaligen Langenhäger Gasthaus Möller. Einige der Stammgäste wollten ihr Bierchen nicht mehr jeder für sich allein trinken und schlossen sich kurzerhand zum Stammtisch zusammen. Benannt wurde die neue Gemeinschaft nach ihrem Stammplatz, der Stelle der Theke, an der sie fortan gemeinsam ihre Getränke genießen würden. Fortan wurden beim gemütlichen Bier das Zeitgeschehen – eichsfeldisch, bundesweit oder international – und natürlich aktuelle Ereignisse, ob politisch oder privat, ausführlich diskutiert. Schon bald gingen die gemeinsamen Bande über die Stammtischtreffen – immer sonntags nach dem Gottesdienst – hinaus, feste Freundschaften entstanden. So wurde ein jährlicher Ausflug fester Bestandteil der Stammtisch-Aktivisten.

Die Kernmitglieder – von den einstigen neun sind noch immer fünf dabei – sind Willibald Freye, 72 Jahre und seit 30 Jahren dabei; Hermann Deppe (74), seit 25 Jahren in der Runde; Rainer Telge (67), zehn Jahre Feuchte-Ecke-Mitglied, sowie die Gründungsmitglieder Hubert Röhr (74) und Johannes Otto (75). „50 Jahre sind schon sensationell. Mit Sicherheit gibt es nicht mehr viele Stammtische, die so lange bestehen“, begeistert sich Röhr, der die Geschicke der Runde leitet.

Es ist schon eine verschworene Gemeinschaft in der Talsperre. Auch traurige Momente haben sie gemeinsam durchgestanden. Ein harter Schlag war der Tod von Gastwirt Hubert Möller. Nach dem Wochenende, an dem der Stammtisch sein 45-jähriges Bestehen gefeiert hatte, war er plötzlich verstorben. Die damalige Stammwirtschaft der Gruppe wurde kurze Zeit später geschlossen, und die Männer wechselten in die Talsperre im Ort.

Die schönsten Erinnerungen verbinden die Recken der Feuchten Ecke mit gemeinsamen Reisen, die sie mit Freunden, Verwandten und Gästen unternommen haben. Besucht wurden unter anderem Rüdesheim am Rhein, der Vogelpark Walsrode, verschiedene Ziele im Harz und in Schlesien sowie die Flughäfen Hannover und Frankfurt am Main.

Bei dieser Erinnerung kommt Röhr in Schmunzeln. Mit der Tour zum Frankfurter Airport verbindet er eine nette Anekdote: Ein kleines Schnapsfläschchen in der Brusttasche seiner Gattin hatte, ohne sich gleich als solches preiszugeben, die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeamten auf sich gezogen, was zu einer Reihe peinlich genauer Kontrollen geführt hatte, und die trafen dann alle Teilnehmer gleichermaßen.

Verpönt ist bei den Stammtisch-Treffen blauer Dunst, und um Ungerechtigkeiten bei der Getränkerechnung zu vermeiden, hat die Gruppe eine Kasse, in die jedes Mitglied pauschal einzahlt. Stolz zeigt Telge die dafür verwendete Dose, ebenfalls langjähriger Bestandteil der Stammtisch-Geschichte. Was vom Inhalt nicht verköstigt wird, setzen die Stammtischler für gemeinsame Unternehmungen ein.

Den 50. Geburtstag feierten die fünf Kernmitglieder aber nicht in kleiner Runde: Auch rund 20 Freunde und Verwandte – quasi der Nebenstammtisch – genossen das zünftige Ständchen von den Original Brehmer Blasmusikanten.

von Matthias Moneke


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