Eichsfeld. „Wir brauchen gar keine rote Fahne hinhängen“, sagt Bauhofleiter Frank Widera. Diese nämlich werde eh nicht durch ein weißes Exemplar ausgetauscht. Der Grund: Weder auf dem Obertorteich, noch auf dem Westertorteich kann die Stadt Sicherheit für Schlittschuhfahrer garantieren. „Es gibt Ein- und Ausflüsse in den Teichen. Das Wasser ist also in Bewegung und kann an einigen Stellen keine tragende Eisdecke bilden“, erläutert Widera. Auf die Gefahr weist der Duderstädter Bauhof mit Warnschildern hin. Piktogramme sorgen dafür, dass diese auch für Kinder verständlich sind, die noch nicht lesen können. Widera: „Eine offizielle Freigabe können wir einfach nicht geben. Wer das Eis betritt, tut das auf eigene Gefahr.“
Wie gefährlich das Schlittschuhfahren auf dünnem Eis sein kann, hat sich vor zehn Jahren gezeigt, als ein Schlittschuhläufer am Seeburger See ums Leben kam. Auch hier wird das Eis nicht auf seine Dicke gemessen, weder von der Gemeinde noch vom Zweckverband Seeburger See. Zudem erinnert Christoph Meyer, der den urlaubenden Seeburger Bürgermeister Harald Finke vertritt, daran, dass der Seeburger See Naturschutzgebiet ist. Nicht alle Eichsfelder hätten aber eine Ader für den Naturschutz.
Gern gesehen sind Schlittschuhfahrer in Bodensee und an den Thiershäuser Teichen bei Renshausen. Weiße oder rote Fahnen gibt es aber auch dort nicht zu sehen. „Ob das Eis dick genug ist, kontrolliert jeder für sich selbst“, sagt Bodensees Bürgermeister Friedrich Henniges (CDU). Im stillstehenden Gewässer oberhalb des örtlichen Friedhofes sei seines Wissens, und er habe das 63. Lebensjahr nun auch schon erreicht, noch nie etwas passiert. Und so frönen die Bodenseer seit dem vergangenen Wochenende wieder ihrer Tradition, bei Glühwein und frostigen Temperaturen am See zusammenzukommen.
„Schlittschuhfahrer können gerne hier laufen“, sagt Manfred Bleckert, Ansprechpartner, wenn es um die Thiershäuser Teiche bei Renshausen geht. Das Eis sei dick genug, Haftung werde beim Betreten der Eisfläche aber nicht übernommen. Woher weiß Bleckert, dass das Eis dick genug ist? „Wir haben viele Eisangler hier. Die Löcher, die sie bohren, haben das bewiesen“, erklärt Bleckert. Einbruchgefahr durch die gebohrten Löcher? „Nein, die dürfen extra nur zehn mal zehn Zentimeter breit sein“, sagt Bleckert.
Wer letztlich allerdings mit ruhigem Gewissen das Eis betreten möchte, kann dies wohl nur auf dem Göttinger Kiessee tun. „Die Eisschicht wird zurzeit dicker“, sagt Veit Hesse von der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GoeSF). Und das nachgewiesenermaßen, denn täglich wird dort seit 1974 zu gegebener Zeit offiziell gemessen.
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Von Kristin Kunze
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