Fernfahrer-Romantik gehört der Vergangenheit an: Termindruck und hohes Verkehrsaufkommen setzen den Fahrern zu.
Der gelernte Fleischer Ziepel hatte bei der Bundeswehr seinen Führerschein gemacht. Weil ihm das Lastwagenfahren viel Spaß machte, stand für ihn fest: „Ich werde Kraftfahrer.“ Mit seiner Anfrage stieß er bei der Spedition Sommer in Gieboldehausen auf offene Ohren. „Meine erste Fahrt führte nach Alzey“, erinnert sich der 50-Jährige. Doch seit dieser Premierenfahrt hat sich vieles geändert. „Die Fahrzeuge sind moderner geworden, sie sind ruhiger, haben mehr PS, kein Zwischengas mehr.“ Doch nicht nur das Arbeitsgerät hat sich verändert. „Der Beruf ist stressiger geworden, der Termindruck wächst ständig“, erzählt der gebürtige Braunschweiger.
Von Fernfahrer-Romantik sei nichts mehr zu spüren, das Miteinander bleibe oft auf der Strecke. „Wenn früher einer liegen geblieben ist, hat ein anderer Fahrer angehalten und geholfen“, nennt Ziepel ein Beispiel für gegenseitige Unterstützung, die heute eher die Ausnahme geworden sei.
Trotz des gestiegenen Drucks macht ihm sein Beruf immer noch viel Freude. Besonders gern ist er ins Rheinland und – wegen der reizvollen Landschaft – nach Bayern unterwegs. „Ein Graus“ sind für Ziepel dagegen Touren auf der Autobahn 2. „Das ist teilweise lebensgefährlich, weil viele zu dicht auffahren.“ Nicht nur auf dieser wichtigen Fernverkehrsstraße sei die Parkplatzsuche wegen der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten ein großes Problem. Ziepel: „Wir versuchen aber, immer noch irgendwo hinzukommen. Man kennt ja die Autohöfe.“ Gerade nachts gehe eine immer größere Gefahr von Dieben aus, die es auf die Ladung abgesehen hätten. Auch Fahrer seien schon ausraubt worden.
Wie allen Speditionen, bereiten auch der im Jahre 1923 gegründeten Spedition Sommer die Mautgebühren großes Kopfzerbrechen. „Wir zahlen im Monat rund 25 000 Euro für 23 Fahrzeuge“, rechnet Christian Huke vor. Weitere Kostentreiber seien die hohen Kraftstoffpreise. „Diesel lag im vergangenen Jahr im Einkauf bei 84 Cent, jetzt sind es 97 bis 98 Cent“, so Huke. Wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr seien die Preise für Speditionsleistungen stark gefallen. Ein Anstieg parallel zu den Dieselpreisen sei am Markt nicht durchsetzbar.
Pflanzenöl oder Gas habe sich für die Spedition nicht als sinnvolle Alternative zu Diesel erwiesen, auch die Hybridtechnik für Lastwagen sei noch nicht ausgereift. Immerhin: Die Verbrauchswerte hätten sich dank moderner Motoren deutlich reduziert. Benötigten die Lkws vor 25 Jahren noch rund 40 bis 45 Liter Diesel auf 100 Kilometern, so sind es mittlerweile zwischen 28 und 34 Liter, erklärt Ziepel.
Positiv für das Transport-Gewerbe sei auch die Entwicklung der GPS-Technik, wertet Huke: „Wir nutzen das nicht, um die Fahrer zu überwachen. Es erleichtert viel mehr die Planbarkeit.“ Ohne viele Telefonate könne Kunden sofort eine konkrete Antwort gegeben werden, wann ein Lkw ein gewünschtes Ziel erreiche.
So wie Ziepel sind auch viele der anderen 30 Mitarbeiter bereits seit Jahrzehnten bei der Gieboldehäuser Spedition Sommer beschäftigt: In diesem Jahr konnten bereits Gerhard Seitz und Uwe Verbücheln auf eine 20-jährige Tätigkeit bei dem Eichsfelder Unternehmen zurückblicken, Siegbert Walter auf 33 Jahre, und im September sind es bei Manfred Wölk 20 Jahre.
Von Axel Artmann
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