Zwölf Männer im besten Alter sitzen beisammen. Zum Feiern in Bernshausen haben sie sich getroffen, neun Bernshäuser, zwei Wollbrandshäuser und ein Seeburger.
Am Hoftor von Willi Freckmann in der Fischergasse leuchten Luftballons. Die Sonne lässt sich endlich einmal blicken. Immerhin ist März, schon der zehnte Tag im Monat, Mittwoch vergangener Woche.
Für den Hausherrn ist es ein besonderer Tag. Mit der Anzeige der Familie im Tageblatt für den „lieben Willi, Papa, und Opa“, fing er an. „70 Jahre sind vergangen, seit Willis Leben angefangen…“ Das muss gefeiert werden. Und auch die Freunde von Willi lassen sich blicken.
Eingefleischte Fußballer sind zum Gratulieren gekommen. Immer wenn einer aus der Herrenrunde Geburtstag hat, treffen sich die Männer. Heute, zum runden Wiegenfest von Kumpel Willi, fällt die Runde besonders prächtig aus – und prächtig ist auch die Stimmung.
10.30 Uhr zeigt die Uhr. Ein Dutzend Männer, die früher allesamt der Lederkugel nachgejagt sind, sitzen rings um den Tisch im Wohnzimmer. Rosi Freckmann, Ehefrau des frisch gebackenen Siebzigers, tischt ordentlich auf. Mett, Bockwürstchen und Kartoffelsalat, sogar Hochzeitssuppe gibt es heute. Die Söhne Timo und Dirk Freckmann reichen mit an. An Vaters Geburtstag spielen sie Mundschenk.
Walter Kellner aus Wollbrandshausen, der die Siebzig schon vor sechs Jahren überschritten hat, holt einen Fußball in die Stube, drückt ihn Freund Willi in die Hand. „Nun kann es losgehen“, sagt Kellner, einst Mittelfeldstratege beim Sportclub Wollbrandshausen, und setzt sich in den Kreis der Männer. Ihr Blick richtet sich auf die Kamera von Swen Pförtner. Solch eine Runde ist auch für den Tageblatt-Fotografen eine Premiere. Ein Bild von der Fußballer-Runde um Kumpel Willi sagt mehr als viele Worte.
„Fußball ist bei uns immer Thema Nummer eins“, wirft Walter Kellner ein und zückt einige Eintrittskarten von seinem Lieblingsverein HSV und dem ersten Länderspiel von seinem Idol Uwe Seeler hervor. Bei dessen erstem Länderspiel überhaupt 1954 in Hannover sei der dabei gewesen, berichtet der Wollbrandshäuser. „2,10 DM hat der Eintritt damals gekostet, heute bezahle ich beim Bundesligaspiel in Hamberg 48 Euro“, erzählt Kellner.
Der Bann scheint gebrochen. Vornehmlich geht es – wie immer bei solchen Feiern – in den nächsten Stunden rund um Fußball. Erinnerungen an alte Zeiten, unvergessene Spiele und Feiern auf dem Sportplatz und Vereinsgaststätten werden wach. „Ein bisschen fußballverrückt sind sie schon, diese Männer“, schmunzelt Rosi Freckmann.
Vor vier Jahren hatte Walter Kellner schon einmal ein Reporterteam des Eichsfelder Tageblatts in die Runde geholt. Das war vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Willi Freckmann feierte damals seinen 66. Geburtstag. „Wie schnell doch die Jahre vergangen sind“, erinnert sich Achim Raabe. Damals stand der heute 73-jährige Bernshäuser noch hinter seiner Theke im örtlichen Wirtshaus.
Mit 67 Jahren ist Kalle Jung aus Bernhausen der Benjamin in der Runde. An der anderen Seite der Tafel nickt ihm Willi Raabe zu. Der 79-jährige Bernshäuser ist der Senior im Kreis. Ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1961, aufgenommen bei einer Begegnung zwischen den Fußballklubs der Nachbardörfer Bernshausen und Wollbrandshausen, sorgt für Gesprächsstoff. Walter Kellner und dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Friedel, der ebenfalls am Tisch sitzt und in Bernshausen lebt, erkennen sich wieder. Ebenso Gastgeber Willi Freckmann sowie Walter Müller aus Seeburg und Hermann Garre (74) aus Bernshausen
Von ihrer früheren und aktiven Zeit kommen die Fußball-Rentner auf die Bundesliga und ihre Lieblingsvereine (Geburtstagskind Willi ist Gladbach-Fan) sowie zur Deutschen Nationalmannschaft zu sprechen. „Wir kommen nicht unter die letzten Vier“, meint der ältere der Kellner-Brüder mit Blick aufs Turnier in Südafrika.
Andere in der Runde, unter ihnen Franz Bodmann (76) aus Wollbrandshausen und Detlef Rogosch (71) aus Bernhausen, sind anderer Meinung. Wenn das erste Spiel gut bestritten würde, käme die Deutsche Mannschaft bei der WM ganz weit, meinen einige der Experten. Man sollte von vornherein nicht alles schlecht reden, sind sich Johannes „Hansi“ Schmidt und Wilfried Schmidt einig. Wie die beiden 68-jährigen Bernshäuser und auch Geburtstagskind Willi gehen auch noch einige andere in der Runde neben Fußball einer anderen großen Leidenschaft nach, nämlich dem Angeln.
Während es beim Hobby am See ruhig zugeht, steigt der Lautstärke in der Männerunde auf der Geburtstagsfeier. Auch Fußballlieder werden angestimmt. Die Fußball-Rentner genießen jede Minute ihrer Treffen, und Gründe zum Feiern bieten sich reichlich – beispielsweise auch am vergangenen Sonnabend wieder: Fußball-Kumpel Walter Müller feierte in Seeburg seinen siebzigsten Geburtstag.
Von Heinz Hobrecht
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