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Zeit für ein Tier wird manchmal knapp

Haustier: Freund oder Last für Jugendliche?


Zusammenleben mit Tieren bringt Zufriedenheit, Entspannung und oft Heilung von psychischen Druck“, wirbt der Verein „Tiere helfen Menschen“, der sich für tiergestützte Therapien einsetzt.

Trägt Verantwortung für den neuen Mitbewohner: Ricarda Schafft holt den Golden Retriever „Bosco“ aus dem Tierheim.

© Thiele

Tatsächlich sind Tiere heute nicht nur vierbeinige Familienmitglieder, sondern helfen in zunehmenden Maß bei verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen, bei Kontaktstörungen oder schlicht bei Einsamkeit. Außerdem lernen junge Menschen, Verantwortung zu tragen, wenn sie sich um ein Haustier kümmern.

„Tiere schaffen Brücken zwischen den Menschen“, bestätigt der Duderstädter Tierschutzverein. So werden im Hinblick auf all die positiven Aspekte Wünsche nach Hund, Katze, Hamster oder Kaninchen nicht nur zu Weihnachten erfüllt. Allerdings wird dabei manchmal vergessen, wie alt ein Tier werden kann. Gerade bei jungen Menschen ändert sich innerhalb weniger Jahre viel im Umfeld. In höheren Schulklassen wird auch nachmittags unterrichtet oder eine ganztägige Ausbildung beginnt. Die Zeit für ein Tier wird rar.

Junge Menschen gehen mit solchen Problemen unterschiedlich um. Manchmal werden Tiere vernachlässigt oder abgeschoben. In anderen Fällen ersetzen die Tiere gerade in emotional aufgewühlten Zeiten den besten Freund. Da verbringt man jede freie Minute mit dem pelzigen Kameraden, und ansonsten werden Helfer organisiert, die Gassi gehen, wenn man selbst nicht zu Hause ist.

Ricarda Schafft geht noch zur Schule und hat morgens, mittags und abends Zeit, sich um den Golden Retriever „Bosco“ zu kümmern. Aber sie hat auch eine Bekannte, die Hunde mag und mit dem Rüden Gassi gehen wird, wenn Ricarda eine Ausbildung beginnt. „Sowas muss man sich überlegen, bevor man sich ein Tier anschafft“ sagt sie. Den Retriever holt sie an diesem Tag aus dem Duderstädter Tierheim und gibt ihm ein neues Zuhause. Ein scharfer Wind peitscht über die Schneefelder vor dem Tierheim, aber Ricarda lacht nur, als sie in ihrer warmen Sportkleidung mit ihrem neuen Kumpel tobt. „Wer einen Hund haben will, sollte auch wetterfest sein“, weiß sie.

„Ein Hund bleibt dir im Sturme treu, ein Mensch nicht mal im Winde“ zitiert Sandra Eichel den heiligen Franz von Assisi. Die junge Frau arbeitet zur Zeit als Ein-Euro-Jobber im Tierheim. Obwohl sie selbst im Heim lebte, hat sie immer eine besondere Beziehung zu Hunden verspürt. „Daisy war ein kleiner Mischling und gehörte unserer Heimleitung. Sogar den Schwerstbehinderten im Heim hat der Kontakt zu Daisy richtig gut getan“, erzählt Sandra, die heute selbst zwei Hunde hat – einen davon ebenfalls aus dem Tierheim. Die Tiere stehen bei ihr an erster Stelle. Für die Hunde wird auch mal auf den Disco-Besuch verzichtet. „Man muss sich eben überlegen, dass man Hunde nicht überall mit hinnehmen kann“, rät sie.

Für Angelina Gerlach gehört die Jack-Russel-Hündin Cora mit zur Familie. „Wer lieber mit seinen Freunden unterwegs ist und deshalb sein Tier vernachlässigt, hätte sich keins anschaffen sollen“, sagt die Neunzehnjährige. Seit sie ihre Ausbildung begonnen habe, sei die Zeit für den Hund zwar weniger geworden, aber jetzt kümmern sich ihre Mutter und ihre Schwester mehr um Cora.

Auch für Marcel Sercl sind seine beiden Hunde neben seinen zwei Katzen die besten Freunde. „Die verstehen wie es einem geht. Wenn man gut drauf ist, wollen sie spielen und toben. Wenn man Frust hat, setzen sie sich daneben und trösten einen“, beschreibt der junge Mann die Feinfühligkeit der Hunde. Er vertraue seinen Tieren voll, und dieses Vertrauen würde er auch zurück bekommen.

„Natürlich freue ich mich bei jedem Tier, wenn es ein neues Zuhause findet“, sagt Tierheimleiterin Nicole Edwards. Trotzdem verweist sie darauf, die absehbaren Veränderungen im Leben wie Beginn einer Ausbildung mit in die Überlegungen einzubeziehen. Dass Tiere allerdings eine positive Wirkung auf Menschen haben, sieht sie auch an den Jugendlichen, die hier im Tierheim mithelfen oder Praktika machen. „Wenn man das Vertrauen der Tiere spürt, wächst auch die eigene Selbstsicherheit“, hat die Leiterin beobachtet.

Wer ausprobieren will, ob er selbst bei jedem Wetter mit einem Hund Gassi gehen möchte oder einen Überblick in Sachen Tierpflege bekommen will, kann sich mit dem Tierheim in Verbindung setzen. Zuverlässige „Gassigänger“ und freiwillige Helfer sind willkommen. Informationen gibt es unter Telefon 05527/4677.

Von Claudia Nachtwey

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