Der tragische Unfall ereignete sich um 1.25 Uhr am Strohkrug, der ehemaligen Gaststätte im gleichnamigen Ortsteil von Bilshausen. Das Gebäude, jetzt ein Wohnhaus, liegt direkt an der Kurve der B 247 am Abzweig Bahnhofstraße. Nach Angaben der Polizei fuhr dort der 19-jährige Autofahrer allein in einem Renault-Kombi von Lindau kommend mit hoher Geschwindigkeit geradeaus frontal auf die Wand des Wohnhauses. Zuvor hatte er mehrere Verkehrsschilder mitgenommen und eine Insel überfahren. Die Ursache ist ungeklärt. Auch vier junge Männer, die in einem anderen Auto hinter dem Lindauer herfuhren und mit ihm zuvor auf einer Feier waren, konnten der Polizei gegenüber keine Angaben machen.
An der Unfallstelle bot sich nach dem Aufprall des Autos auf die Hauswand ein schreckliches Bild. Nach Angaben von Uwe Jünemann, der im ehemaligen Strohkrug wohnt und die Rettungskräfte alarmierte, war der Fahrer hinter dem Steuer nicht mehr ansprechbar. Nachdem sich ein Notarzt um den Schwerstverletzten gekümmert hatte, der von Bilshäuser Feuerwehrleuten aus dem Autowrack geholt worden war, wurde der Lindauer mit dem Rettungswagen ins Klinikum nach Göttingen gebracht. Dort starb er noch in der Nacht.
Körperlich unbeschadet und mit dem Schrecken davon kamen nach Angaben von Hausbewohner Jünemann vier Kinder im Alter zwischen eineinhalb und 13 Jahren, die zur Unfallzeit im Strohkrug schliefen. „Glücklicherweise liegen ihre Schlafzimmer an der Ostseite des Hauses und im Obergeschoss“, sagte der Bilshäuser. „Ihnen ist nichts passiert.“
Bis in die frühen Morgenstunden waren an der Unfallstelle und im Unfallhaus 13 Feuerwehrleute aus Bilshausen sowie auch THW-Kräfte aus Gieboldehausen im Einsatz. Durch die Wucht des Aufpralls hatte das Auto ein großes Loch in die Außenwand im Bereich der ehemaligen Gaststätte gerissen. Die Statik des Hauses schien gefährdet. Bei klirrender Kälte, minus 14 Grad, musste die teils massive und teils aus Fachwerk bestehende Wand notdürftig verkleidet werden.
Durch den Unfall war auch eine Wasserleitung derart beschädigt worden, das Wasser in den Keller floss und herausgepumpt werden musste. Mitarbeiter einer Heizungsfirma schlossen am Sonnabend die Lücke im Heizungssystem, sodass der Strohkrug bewohnbar bleibt.
„Wie konnte das nur passieren?“ Mit Tränen in den Augen stellte sich Ludwig Jünemann am Vormittag nach der Unfallnacht die Frage. Der 68-jährige Rentner und seine Ehefrau Gabriele hatten den Strohkrug im Jahr 2008 gekauft. Im Thekenraum, der noch voll ausgestattet ist und in den vergangenen Jahren als Partyraum diente, bietet sich ein Bild der Verwüstung. Tische, Stühle und weiteres Mobiliar sind durch den Druck des Unfalls durch den Raum geschoben und demoliert worden. Wo Jünemanns immer ihren Tisch für Familienfeiern aufstellen, liegt ein Trümmerhaufen. Norman Jünemann, ein weiterer Sohn des Besitzers: „Wenn hier jemand gesessen hätte, wäre keiner lebend herausgekommen.“
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