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100 Tage im Amt

Marlies Dornieden will Akzente setzen

Von Kuno Mahnkopf

Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr wurde sie zur Samtgemeindebürgermeisterin von Gieboldehausen gewählt. Am Mittwoch, 8. Februar, ist Marlies Dornieden (CDU) 100 Tage im Amt.

„Die Arbeit geht vor“: Samtgemeinde-Bürgermeisterin Marlies Dornieden an ihrem Schreibtisch im Gieboldehäuser Rathaus.

© Thiele

Gieboldehausen. Die Windjammer ihres Vorgängers Reinhard Grobecker (CDU) sind verschwunden, die Wände des funktional eingerichteten, aufgeräumten Arbeitszimmers noch kahl. Das ist bezeichnend für Dornieden. Die Arbeit geht vor. Zum Einrichten ist sie noch nicht gekommen. Nur einen frischen Blumenstrauß gönnt sie sich jede Woche.

 Vom ersten Tag an hat Dornieden die Zügel im Gieboldehäuser Rathaus in die Hand genommen. Die gebürtige Eichsfelderin mit Wohnsitz in Diemarden überlässt nichts dem Zufall, ist strukturiert und führt die Verwaltung zentralistisch.Die Eingangspost und alle  Vorgänge gehen über den Tisch der 44-Jährigen, die vor ihrem Hauptamt als Bürgermeisterin das Finanzverwaltungsamt des Landkreises Göttingen geleitet und stets Laptop oder I-Pad und Netbook dabei hat.

 Erstmals seit den Anfangsjahren der Samtgemeinde gehen Rat und Fachausschüsse auf Tour durch die Mitgliedsgemeinden, wird ein Sitzungsplan für das ganze Kalenderjahr aufgestellt, werden Informationen für Zuhörer verteilt. Auch die Geschäftsordnung des Rates wurde bereits modifiziert. Ein Antrag auf namentliche Abstimmung gehe jetzt einem Antrag auf geheime Abstimmung vor, nennt Dornieden ein Beispiel: „So kann sich keiner bei unangenehmen Themen verstecken.“ Bislang sei die Zusammenarbeit mit dem Rat reibungslos verlaufen. Mit den dort vertretenen Gruppierungen sieht sie keine Probleme, eine „bunte Mischung“ ist sie aus dem Landkreis gewöhnt.

 Ihre Erwartungen an das neue Arbeitsumfeld sieht die Bürgermeisterin erfüllt: „Ich komme jeden Morgen gerne nach Gieboldehausen, freue mich über leistungs- und hilfsbereite Mitarbeiter und fühle mich sehr gut aufgenommen.“ Weil sie im nahen Breitenberg aufgewachsen sei, treffe sie auch viele Bekannte wieder.

 Spannend findet sie den direkten Kontakt mit Bürgern, den sie beim Landkreis nicht kannte. Um auch Menschen zu erreichen, die nicht nach Gieboldehausen kommen können, startet sie am Dienstag, 14. Februar, von 17 bis 18 Uhr im Gemeindebüro Rüdershausen wöchentliche Sprechstunden in den Mitgliedsgemeinden.

 Frühzeitige Bürgerbeteiligung wie beim Thema Windkraft ist Dornieden ebenso wichtig wie das Zusammenbringen der Generationen, die Gleichbehandlung aller Mitgliedsgemeinden, und ein ausgewogener Finanzausgleich innerhalb der Samtgemeinde: „Erst muss allerdings die Aufgabenverteilung neu geregelt werden, dann können wir über die Samtgemeinde-Umlage diskutieren. Alle müssen lernen, an einem Strang und in einer Richtung zu ziehen.“ Synergie-Effekte hält sie beispielsweise bei den Bauhöfen für möglich.

 Um sich ein Bild zu machen, hat Dornieden schon viele Einrichtungen  der Samtgemeinde besucht – von Grundschulen über die Obdachlosenunterkunft in Bodensee und die Friedhöfe („Wir müssen den Wunsch nach anonymen Bestattungen stärker berücksichtigen“) bis zu Feuerwehrhäusern („Ich werde auch weiter im Dialog mit der Feuerwehr versuchen, trotz knapper Finanzmittel eine gute Ausrüstung zu gewährleisten“). Auch bei Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden lässt sie sich blicken, will präsent und ansprechbar für die Bürger sein. „Die Arbeit geht vor, aber repräsentiert  werden muss natürlich auch“, sagt Dornieden.

 Zu Einzelgesprächen mit den Verwaltungsmitarbeitern ist die 44-Jährige noch nicht gekommen, will das aber nachholen. Neben fachlicher Qualifikation legt sie in der Verwaltung Wert darauf, ihre Vorstellungen umzusetzen. Alle Stellen lässt sie extern bewerten, beim Gebäudemanagement sieht sie Optimierungsmöglichkeiten. Natürlich hätte die Verwaltungsexpertin, die im Kreisverbandsvorstand des Städte- und Gemeindebundes und im Verbandsausschuss der KDS (Kommunale Datenzentrale Südniedersachsen) aktiv ist, gerne in Verantwortung gestanden, als noch Geld da war. Frustriert über enge Spielräume durch die kommunale Finanznot ist sie aber nicht. Dornieden will trotzdem Akzente setzen und auch als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der EWB (Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe) versuchen, die Interessen der Samtgemeinde einzubringen.

 Mit dem Tempo, das die Bürgermeisterin vorlegt, hat sie sich „deutlich mehr Arbeit geschaffen“. Bei bis zu 60 Arbeitsstunden wöchentlich sind in den ersten drei Monaten ihrer Amtszeit schon viele Überstunden angefallen, die „weder ausgezahlt noch abgebummelt werden“. Dazu ist Dornieden bereit, weil ihr die Arbeit Spaß macht.

 Auch ansonsten will sie sich nichts vorwerfen lassen, legt Wert auf korrektes und transparentes Vorgehen. Den Blumenstrauß für ihr Arbeitszimmer zahlt sie selbstredend aus eigener Tasche. Vom Rat hat sie sich ihre Nebentätigkeit beim niedersächsischen Studieninstitut absegnen lassen, inklusive Genehmigung, im Bedarfsfall den Kopierer der Samtgemeinde nutzen zu dürfen – natürlich nur gegen Kostenerstattung.

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