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St. Servatius

Rekonstruierte Sonnenuhr angebracht


Die in den letzten Zügen der Renovierung befindliche Fassade der St. Servatius-Kirche ist um ein kleines Schmuckstück reicher: Am gestrigen Dienstag wurde die rekonstruierte Sonnenuhr an der Südseite des Kirchenschiffes angebracht. 539 Jahre lang hatte die ursprüngliche Sonnenuhr in einigen Metern Höhe dem Zahn der Zeit widerstanden.

Angetan: Hermann Vorwald und Frank Wagner (hintere Reihe, v.l.), Pastor Wurm und Alfons Wüstefeld (Mitte, v.l.) mit Günther Schwarz vor der neuen Sonnenuhr an der Südseite von St. Servatius.

© Tietzek

Duderstadt. Spätestens die letzte Restaurierung im Jahr 1975 habe jedoch mehr zerstört, als bewahrt, erklärte Günther Schwarz. Auf seiner ehrenamtlich angefertigten Zeichnung beruht die neue Sonnenuhr, die Nachahmung des Zeitmessgeräts von 1472. Der Zustand sei katastrophal gewesen, sogar die Entfernung wurde in Erwägung gezogen. Auf Schwarz’ Initiative und mit Unterstützung von Sparkasse und Landeskirche konnte jedoch die Neu-Erschaffung angegangen werden. „Sonst hätte hier eine normale Vierung in der Fassade eingesetzt werden müssen“, erklärten Bauleiter Frank Wagner vom Amt für Bau- und Kunstpflege und Pastor Karl Wurm und somit wäre ein Kulturdenkmal in der Altstadt verloren gegangen. Der Bildhauer Alexej Litwinow (Firma Bachmann und Wille) übertrug die Zeichnung dann auf haltbaren Friedewalder Sandstein.

Sein Pendant hat das astronomische Gerät an der Oberkirche. Beide Uhren wurden nach einem Entwurf des Erfurter Benediktiners Gerlach von Kleve gefertigt, das große Exemplar an St. Cyriakus ist lediglich 15 Jahre älter. Auch diese Uhr war durch Umwelteinflüsse beschädigt und wurde 1985 rekonstruiert – ebenfalls nach einer Skizze des Ingenieurs im Ruhestand Schwarz. „Die Duderstädter Uhren sind besondere Stücke“, betonte der Gnomoniker, wie Experten für Sonnenuhren bezeichnet werden. Im weiteren Umkreis – auch in Göttingen und Heiligenstadt – existierten keine gleichwertigen Exemplare.

Früher dienten die Uhren als Taktgeber für die Stadt. Nach ihr wurden die Glocken geläutet, richteten sich Arbeits- und Gebetszeiten. Nun kann die reine Südsonnenuhr künftig weiter die wahre Ortszeit anzeigen, die sich danach richtet, wann die Sonne in Duderstadt im Meridian steht. Am Donnerstag, 1. September, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann verschwinden die Gerüste um das Kirchenschiff. Der Turm soll bis Ende Oktober fertig sein.

epw

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