Zeitsprung: Udo Unzeitig zeigt bei seiner Verabschiedung ein Foto aus jungen Jahren.
Duderstadt. Gleich in mehrfacher Ausführung lächelte Unzeitig, der nicht nur wegen seiner den Schulalltag auflockernden Witze bei den Schülern beliebt ist, bei der Feierstunde auf die Gäste in der Turnhalle herab: Die Schüler hatten ihn in Porträts verewigt. So vielfältig die Porträts, so vielseitig ist Unzeitig. Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) würdigte den Duderstädter über seine pädagogischen Qualitäten hinaus als Stadtführer und Kenner der örtlichen Geschichte, als Fuß- und Handballer, als Briefmarkensammler und engagierten Bürger – von der Lebenshilfe bis zu Städtepartnerschaften: „In Kartuzy kennt jeder zweite die Familie Unzeitig.“
Nolte hat Udo Unzeitig bereits 1956 kennengelernt – als hilfsbereiten und aufgeschlossenen Bettnachbarn im Krankenhaus St. Martini. Schulleiterin Eva-Maria Hunold kann da nicht mithalten: Sie kennt Unzeitig erst seit 1978, als sie Kollegen an der Duderstädter Realschule waren. Dort unterrichtete er von 1974 bis 1982, wechselte dann an die Elisabethschule. Bevor Hunold 2005 die Leitung der Elisabethschule übernahm, hatte Unzeitig die Schule zwischenzeitlich kommissarisch geleitet. Bei der gemeinsamen Organisation des Schulalltags seien alle Entscheidungen auf Augenhöhe getroffen worden, betonte Hunold. Sie bezeichnete Unzeitig, dessen Engagement im Fachbereich Sport auch die Winter- und Sommerjugendspiele zu verdanken seien, als „öffentliche Person, Außenminister der Schule und Informant mit beängstigender Merkfähigkeit“ – und als einen Mann, dem man es nicht als Macho-Gehabe, sondern als Kompliment auslege, wenn er „ihr Hühner“ sagt. „Über manche seiner Witze haben wir uns schlappgelacht“, meinten Schüler, die erstaunlich ruhig den vielen Reden zuhörten und ihren Lehrer mit Liedbeiträgen, Reimen, Fußballtrikot und Schultüte verabschiedeten.
Grundschulerfahrung hatte Unzeitig nach seinem Studium in Göttingen bereits in Gerblingerode gesammelt. An seinen ersten Schultag als Lehrer erinnert er sich noch gut – schon deshalb, weil er die Schule im strömenden Regen mit dem Fahrrad ansteuerte: „Ich hab‘ mir dann eine Kreidler-Zweigang gekauft, mit der ich in fünf Monaten 3000 Kilometer gefahren bin.“
Mit stockender Stimme betonte Unzeitig sichtlich gerührt, wie schwer es ihm falle, die Elisabethschule zu verlassen. Für den Sprung vom Mofa- ins Digitalzeitalter steht dem Lehrer mit dem Schalk im Nacken, der im November 65 Jahre alt geworden ist und dessen älteste ehemalige Schüler inzwischen weit über 50 Jahre alt sind, künftig ein neues Laptop zur Verfügung: Das überreichte sein langjähriger Freund Harald Einecke der Schule, damit „Udo dann als Senior hier geschult wird“. Schmunzelnd spielte Einecke damit auf die landesweite Initiative „Ran an den Computer – Schüler schulen Senioren“ an, an der sich die Elisabethschule beteiligt.