So wurden im Zeitraum vom 1. Juli 1944 bis zum 9. April 1945, also in der Zeit der Bombennächte und der sich dem Ende zuneigenden Kriegskatastrophe, vorwiegend Unterhaltungs-, Liebes und Frauenfilme in den Kronprinzen-Lichtspielen gezeigt. Sie wurden übrigens erst 1949 von Ernst Zinserling in die Schauburg umgebaut und umgetauft.
Mit der Duderstädter Kinogeschichte beschäftigt sich der Stadt- und Kreisarchivar Dieter Wagner in einem aufschlussreichen Bericht in der zweiten Ausgabe 2010 der Zeitschrift „Südniedersachsen“. Es handelt sich um eine Veröffentlichung für regionale Forschung und Heimatpflege.
Wagner lagen für seine vergleichende Arbeit der Duderstädter Kinogeschichte in der NS-Zeit Kassenbücher der Kronprinzen-Lichtspiele aus den Jahren 1938 bis 1939 und 1944 bis 1945 vor. Die Kassenbücher wurden inzwischen im Duderstädter Stadtarchiv den vorhandenen Schätzen an Unterlagen beigefügt.
Im Vergleich beider Listen ergibt sich, dass in der erstgenannten Zeitspanne mehr NS-Propaganda-Filme über die Leinwand flimmerten als in der Zeit des totalen Krieges und der Besetzung Duderstadts durch amerikanische Truppen. In dieser Endzeit dominierte im Kino das leichte Genre mit Streifen wie „Die beiden Schwestern“, „Glück bei Frauen“ und „Hochzeitshotel“. Ganz offensichtlich suchte die Bevölkerung angesichts der immer bedrohlicher werden den Kriegslage Ablenkung im Kino, das übrigens weder während noch nach dem Krieg nie ganz geschlossen wurde.
Auch wenn die Hauptfilme in den Kronprinzen-Lichtspielen durchaus als seicht einzustufen waren, hatte das NS-Propaganda-Ministerium unter Josef Goebbels durch das Beiprogramm vor dem Hauptfilm doch ausreichend Gelegenheit, seine politisch-militärischen Ziele und seine abstrusen Durchhalteparolen an den Mann und die Frau zu bringen.
Das geschah in sogenannten Kultur- und Dokumentarfilmen und natürlich in der obligatorischen Wochenschau, die sich stets regimetreu zeigte.
Dass die Bevölkerung gerade in den schweren Kriegszeiten Ablenkung suchte, beweist sich auch in einer enormen Steigerung der Besucherzahl im Kino. In der Endzeit des Krieges gab es gegenüber dem Zeitraum 1938/1939 eine Steigerung der Besucherzahlen am Steintor um sage und schreibe 286 Prozent. Davon kann heutzutage jeder Kinobetreiber nur träumen.
Von Sebastian Rübbert
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