Auch dafür sorgt die Landesbehörde: Scheren für Politiker und Behördenvertreter, um symbolisch Bänder zu durchschneiden.
Die Landes- und Bundesstraßen der Region liegen in der Verantwortung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Außenstelle Goslar. Mit deren Leiter, Günter Hartkens, haben Ulrich Lottmann und Heinz Hobrecht gesprochen. Eines machte Hartkens dabei klar: Nicht der Bau, die Unterhaltung der Straßen, ist das Herz seiner Behörde.
Seit fünf Jahren ist Günter Hartkens Behördenleiter in Goslar. Der 46-jährige Baudirektor wohnt in einem Vorort von Hildesheim und pendelt täglich in den Harz. „Ich lebe etwa 800 Meter von der Bundesautobahn 7 entfernt und habe immer ein gewisses Grundrauschen im Ohr“, berichtet der zweifache Familienvater.
Aber dass es an seinem Wohnort Probleme mit Lärm geben könnte, habe er ja vorher gewusst, sagt Hartkens. Er lebe mit dem Thema. Auch die Geräusche der ICE-Strecke Braunschweig-Hildesheim seien ihm nicht fremd.
Als Behördenleiter nimmt Hartkens häufig Hinweise und Anregungen aus der Bevölkerung und von Verkehrsteilnehmern zu Verkehrsprojekten entgegen. Auch mit Bedenken, Einwänden und Beschwerden ist er konfrontiert, beispielsweise, wenn es um den Aus- oder Neubau von Straßen geht. Wie hat er den Protest beim ersten Spatenstich der Umgehung von Waake empfunden, bei dem er zusammen mit den politisch Verantwortlichen ausgepfiffen wurde?
„Es kommt nicht häufig vor, dass der Neubau einer Umgehung bis zum Schluss so umstritten ist“, erläutert Hartkens. Das sei in Waake schon eine Besonderheit. „Es ist mir natürlich lieber, wenn ich freundlich und mit offenen Armen bei Terminen begrüßt werde“, sagt der Behördenleiter.
Spielt öffentlicher Protest bei Finanzierungsfragen eine Rolle? Bei Waake habe es eine Zeit lang geheißen, das Projekt könne nicht realisiert werden, wenn im Bundesverkehrsministerium der Eindruck entstehe, die Umgehung sei hoch umstritten. Wird so etwas dann nach hinten gestuft?
„Grundsätzlich spielt das keine Rolle“, stellt Hartkens klar. Es sei wichtig, dass die Kommune hinter einer Maßnahme stehe und in der Planfeststellung aufzeigen könne, welche Vorteile das Projekt bringe. Proteste allein seien kein Grund, zu sagen: „Wir bauen die Straße nicht.“ Nur der lange Zeitraum und die Intensität des Protestes bei Waake seien schon etwas Besonderes, sagt Hartkens, zumal es sich dort um eine Ortsumgehung handele, die „nicht besonders spektakulär“ sei.
Und wie beurteilt Hartkens die Lage bei der Umgehung der Bundesstraße 247? „Die Situation und die Randbedingungen sind schon schwierig“, meint der Baudirektor. Aber gerade auf dem letzten Info-Abend habe die Straßenbaubehörde aufzeigen können, dass da „ein guter Kompromiss“ erreichbar sei. „Ich meine auch, festgestellt zu haben, dass die Bevölkerung unsere Planungsergebnisse honoriert.
Bei Projekten wie in Waake oder der Umgehung Duderstadt sei es üblich, dass es Meinungsverschiedenheiten gebe. Die Sensibilität habe in den letzten zehn bis zwanzig Jahren schon zugenommen. „Die Leute mischen sich mehr ein“, sagt Hartkens. Und deshalb sei es wichtig, dass man mit ihnen ins Gespräch komme und erkläre, warum man welche Lösung finde.
In wieweit stehen die Behörden unter Zugzwang, solche Projekte umzusetzen? „Zunächst einmal haben wir einen Auftrag, der sich bei Neubaumaßnahmen im Bedarfsplangesetz ergibt“, berichtet Hartkens. Dem müsse entsprechend der Ressourcen der Verkehrsbehörde entsprochen werden. „Das sind natürlich die Finanzmittel und die Frage des Personals“, erläutert der Behördenleiter.
Den Aufwand von Planungen verdeutlicht Hartkens am Beispiel der Ellerbrücke bei Brochthausen. „Der Ersatzneubau so einer Brücke erfordert viel Arbeit im Vorfeld, ein erheblicher Aufwand, den man sich kaum vorstellen kann“, berichtet Hartkens. Naturschutzrecht sei zu beachten, Flora und Fauna müsse erfasst, bewertet und geprüft werden, wie der Ausgleich für den Eingriff in die Natur realisiert werden könne. „Manchmal sind große Bauwerke einfacher zu realisieren als kleine“, sagt Hartkens. Beispielsweise habe es einen Riesenaufschrei gegeben, als die Kulmkebrücke zwischen Sieber und dem Oberharz gesperrt werden musste. „Die Sieberaner kamen nicht mehr durch, da gab es ein unheimliches Echo, einen unheimlichen Druck in der Öffentlichkeit. Wir mussten ein Behelfsbauwerk errichten, bevor die Wintersaison losging.“
Drei Kategorien von Aufgaben zählt Hartkens für sein Amt auf: Unterhaltungsmaßnahmen, Um- und Ausbau sowie Neubaumaßnahmen. „Das müssen wir alles unter einen Hut bringen“, hebt der Baudirektor hervor. Denn grundsätzlich sei die Notwendigkeit einer Baumaßnahme vom Geschäftsbereich gegenüber der Zentrale in Hannover zu begründen, so Hartkens. Je nach Größe des Vorhabens werde lediglich eine Projektnummer oder ein Planungsauftrag von der Zentrale vergeben. Die Daten eines jeden Projektes würden von Anfang bis zum Ende in einem zentralen EDV-System gesammelt, auf das die Beteiligten zurückgreifen könnten.
„Voraussetzung für den Beginn einer großen Neubaumaßnahme, zum Beispiel eine neue Ortsumgehung, ist zudem die Aufnahme in den Bedarfsplan des Bundes“, erklärt Hartkens. Dabei sei es wichtig, dass das Vorhaben als vordringlicher Bedarf ausgewiesen sei. Die Aufgaben müssten vorbereitet werden hinsichtlich Umweltschutz, Naturschutz. Bei Brückenbauwerken müsse die aufwändige Entwurfsplanung durchgeführt werden, der Entwurf müsse technisch so instand sein, dass er baubar sei. Dann müssten die Bauabläufe geplant und die Aufträge erstellt werden.
Als vor einigen Jahren die Zuständigkeit für das Eichsfeld vom Straßenbauamt Bad Gandersheim nach Goslar verlagert wurde, gab es Befürchtungen, dass der Blick zum Eichsfeld vom Harz aus etwas zu weit sein könnte. „Es ist schon eine erhebliche Entfernung bei einer Fahrzeit von über einer Stunde“, räumt Hartkens ein. Doch dank der guten Zusammenarbeit mit den Kommunen im Eichsfeld könnten „diese Hürden gut überbrückt“ werden, sagt der Baudirektor.
Sind die Strukturen, wie sie jetzt sind, in Ordnung? „Wir sind permanenten Reformen unterzogen, Veränderungen und Prüfungen finden laufend statt, es wird in den Ministerien laufend über effizienteres Arbeiten nachgedacht“, erläuterte Hartkens.
„Wir haben im letzten Jahr die kleine Straßenmeisterei eingeführt, denn wir haben ja nicht nur den Bau und die Unterhaltung der Straßen, sondern wir haben ja auch noch den Betrieb. Das ist eigentlich das Herz der Straßenbauverwaltung.“ Im Bereich Goslar sorgten die Mitarbeiter in Herzberg als eine von vier Straßenmeistereien dafür, dass die Schlaglöcher gestopft werden, dass die Bankette gemäht und die Gehölze geschnitten werden, dass die Schilder aufgestellt, dass die Leitpfosten gewaschen werden. „Sie sorgen dafür, dass die Straßen funktionieren“, sagt Hartkens.
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