„Es war nicht immer lustig, das Zigeunerleben, das kann ich ihnen versichern“, meint der Bremerhavener Sinto Roberto Larze. Zusammen mit seiner Frau Leni Larze und Pfarrer Wolfgang Patzelt hat er in Germershausen die Internationale Sinti- und Romawallfahrt organisiert. „Seit 600 Jahren leben Sinti in Deutschland“, ergänzt Pfarrer Jan Opiela, der in Köln Sinti und Roma betreut. Das Volk stamme aus Indien. Aufgrund von Armut und Kriegen seien die kastenlosen Menschen vor mehr als 1000 Jahren aufgebrochen. Westeuropa hätten sie über den Balkan eventuell auch über Nordafrika und Spanien erreicht, so Opiela.
„Wir Sinti haben als einfache Arbeiter, aber zum Teil auch als Unternehmer unser Auskommen gefunden“, betont Larze. Einige seien mit eigenen Kinos oder Speditionen zu Wohlstand gekommen. Das Dritte Reich hätte dann einen tiefen Einschnitt gebracht.
„Mit den Nürnberger Rassegesetzen von 1936 wurden nicht nur die Juden, sondern auch die Sinti und Roma zu Bürgern zweiter Klasse gemacht“, berichtet Thomas Rahe, der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. 1939 hätten die Nazis die Sinti und Roma in Ghettos „festgesetzt“. Gegenüber der Bevölkerung sei das mit der „Asozialität“ der Volksgruppe begründet worden. Später seien die Menschen in Ghettos und Vernichtungslager im Osten deportiert worden.
„Nach dem Krieg bekamen wir keine oder nur eine geringe Entschädigung“, erzählt Larze. Die Ärzte und Richter, bei denen die Entscheidung gelegen hätte, seien oft bereits im Dritten Reich mit Sinti und Roma befasst gewesen. „Meist war es schwer, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Verfolgung und späteren Krankheiten herzustellen“, so Pfarrer Opiela. Die Sozialkassen hätten eine zu starke Belastung befürchtet. Weil persönliche Unterlagen in der Nazi-Zeit verloren gegangen seien, hätten die Sinti Schwierigkeiten gehabt, verlorenen Besitz wieder zurückzubekommen.
Larze spricht von 12 bis 13 Millionen Sinti und Roma in Europa. Laut Internetlexikon Wikipedia leben in Deutschland 60 000 Sinti. Hinzu kämen Roma aus dem Osten Europas, die nach der Wende vor Verfolgung geflohen seien.
Von Michael Caspar
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