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Lisa Poser

Zwischen Naturschutz und Umweltbildung


Für das erste Stück Weidenzaun habe ich den ganzen Tag gebraucht – jetzt schaffe ich die gleiche Arbeit in drei Stunden“, beschreibt Lisa Poser die wachsende Routine. Aus Weidenruten hat sie einen Zaun geflochten, gestützt von Eichenpfählen, die sie selbst geschlagen hat. Die junge Frau absolviert seit Anfang September ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen.

Bei der Heinz-Sielmann-Stiftung gibt es für junge Menschen viel zu lernen: Lisa Poser beim Weidenschnitt.

© Blank

Ihre Aufgaben sind vielfältig. „Bisher habe ich jeden Tag etwas Neues gelernt, vom Weidenschnitt bis zum Feuermachen“, schildert sie die Abwechslung. Doch nicht nur Arbeiten in der Landschaftspflege werden von der FÖJlerin übernommen. „Ein Hauptbereich ist die Betreuung von Kinder- und Jugendgruppen, die im Rahmen der Umweltbildung zur Heinz-Sielmann-Stiftung kommen“, erklärt Rómulo Aramayo Schenk, der als Mitarbeiter der Stiftungszentrale für die Betreuung der FÖJler verantwortlich ist. Den Schülergruppen soll der „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ – so der Leitsatz der Stiftung – nahe gebracht werden, und bei dieser Aufgabe werden die hauptamtlichen Mitarbeiter von den FÖJlern unterstützt.

Lisa ist in Dassel in einer ländlichen Umgebung aufgewachsen, doch die Fragen der Kinder bringen sie manchmal ins Grübeln. „Da muss ich selbst nachfragen, wenn die Kinder wissen wollen, was eine Kuh wiegt oder wie lange ein Schwein lebt“, hat sie bei den Stallführungen mit den jungen Gästen festgestellt. Später muss der Teig für das Stockbrot hergestellt werden, oder die Feuerstelle wird vorbereitet, wo die Kinder ihr Brot rösten können. Während die Nutztiere auf dem Gut von den landwirtschaftlichen Mitarbeitern oder den Praktikanten betreut werden, kümmert sich Lisa um schwache oder verletzte Fledermäuse, die hier aufgepäppelt und dann wieder in die Freiheit entlassen werden. Ansonsten warten die Vogel- und Fledermaus-Nistkästen auf eine Reinigung, Büroarbeiten müssen erledigt werden, und die Hofkatzen wollen gekrault werden – was Lisa lachend zu ihren täglichen Aufgaben zählt.

„Die FÖJler werden hier zwar von den Mitarbeitern der Stiftung angeleitet und langsam in die neuen Aufgaben eingeführt. Dennoch bleibt viel Platz für eigene Ideen und die eigene Art der Umsetzung“, sagt Schenk. Bei manchen Aufgaben entdeckten die jungen Leute ihre Grenzen, aber auch neue Wege. „Es stellen sich Fragen: Wie erledige ich das, brauche ich Hilfe, brauche ich Gerätschaften? Bei fast allem, was man macht, kann man etwas lernen“, erklärt der Betreuer. So hätten die FÖJler die Möglichkeit, ein Projekt eigener Wahl zu entwickeln. Das Spektrum reiche von Programmen oder Spielen für die Kindergruppen bis zu einer festen Installation. „Einzige Bedingung ist, dass es zum Grundgedanken der Stiftung passt und sich später zur Weiternutzung eignet“, so Schenk. Lisa hat sich bereits entschieden, dass ihr Projekt etwas mit Weiden zu tun haben sollte und plant nun eine Bank und ein Iglu aus den biegsamen Ruten.

Nachdem sie ein Jahr in Amerika als Au Pair gearbeitet hatte, wollte Lisa die Zeit bis zum Studium überbrücken. Als Tochter zweier Biologen hatte sie ihre Naturliebe schon früh erkannt und entschied sich für das FÖJ. Von Amerika aus fand das Bewerbungsgespräch mit Schenk telefonisch statt. „Unter diesen Umständen war das eine Ausnahme, sonst treffen wir uns mit den Bewerbern schon persönlich“, erklärt der Betreuer.

Allerdings ist für die gesamte Organisation aller FÖJ-Bewerber in Niedersachsen die Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz (NNA) zuständig. Hier werden die Bewerbungen an die Einsatzstellen verteilt, wobei die Bewerber jeweils zwei Wünsche für ihren Einsatzort nennen dürfen. Die Höhe des Taschengeldes für die FÖJler richtet sich danach, ob beispielsweise eine kostenlose Unterkunft gestellt werden kann – wie bei der Heinz-Sielmann-Stiftung. Außerdem ist die NNA für die Sozialversicherungen und eventuelle Arbeitskleidung zuständig. Dazu gibt es von der Stiftung einen Verpflegungszuschuss.

„Im nächsten Jahr will die NNA wegen des doppelten Abi-Jahrgangs versuchen, mehr FÖJ-Stellen zur Verfügung zu stellen“, weiß Schenk. Auf Gut Herbigshagen sei es allerdings aus organisatorischen Gründen nicht möglich, eine zusätzliche Stelle anzubieten. Daher empfiehlt der Stiftungsmitarbeiter, sich rechtzeitig zu bewerben: „Die Bewerbungsverfahren bei der NNA starten im Februar und laufen bis Mitte März. Die Voraussetzungen für ein FÖJ auf Gut Herbigshagen sind Engagement, Teamfähigkeit und ein Führerschein.“

Von Claudia Nachtwey

Info Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) 

Im Februar erscheint die Broschüre der Alfred-Toepfer- Akademie für Naturschutz (NNA). Hier stellen sich alle Einrichtungen, die ein FÖJ anbieten, selbst kurz vor. Die Bewerbungen für ein FÖJ sollen bis zum 15. März an die NNA geschickt werden. Von hier werden sie weitergeleitet an die gewünschten Einsatzstellen. Nach einem Vorstellungsgespräch bei der Einsatzstelle sollte bis zum 31. Mai der Vertrag unterzeichnet sein, und am 1. September beginnt das FÖJ. Bei einigen Einrichtungen ist nach einem Vorstellungsgespräch auch ein Probe-Arbeitstag möglich.

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  • FSO Chalid – 26.11.10
    Ey Alter, gib nichs gáileres als abhängen bei die feilenfabrik Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • FSO HP – 24.11.10
    Hochachtung vor dieser jungen Frau. Daran sollten sich alle handyspielenden, zu nichts Lust habenden, auf der Marktstraße herumlungernden, für die Zukunft vor dem Sozialamt stehenden Jugendlichen ein Beispiel nehmen. Vielleicht einmal nachdenken, dann hat das Leben auch wieder Sinn. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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