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Andacht zum Wochenende

Wunschpunkte auf dem Arm

Was hast du denn da?“ Gereizt blicke ich auf die filzstiftblauen Punkte am Arm meiner Tochter. „Ach das“, murmelt sie, „das sind nur meine Wunschpunkte.“ – „Wunschpunkte?“ – „Du weißt schon, wie bei dem Sams. Wenn ich mir was wünsche, verschwindet ein Punkt.“ – „Und“, frage ich, „was wünschst du dir so?“ – „Dass ein Zirkus in die Stadt kommt und wir hingehen.
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Und dass die deutsche Fußballmannschaft das Spiel gewinnt.“ Vorsichtig reibe ich die Sonnencreme um die Wunschpunkte herum. Sie kommen mir kostbar vor.

Das Sams, rufe ich mir in Erinnerung, ist doch dieses unverschämte Wesen, das das Leben des braven Angestellten Taschenbier durcheinander bringt. Der Kinderbuchautor Paul Maar hat es erfunden. Wenn das Chaos seinen Höhepunkt erreicht hat, spricht das Sams immer einen Wunsch aus. Einer der blauen Punkte auf seinem Körper verschwindet und der Wunsch geht in Erfüllung. Manchmal führt das zu neuen Schwierigkeiten, ein weiterer Wunsch wird fällig und … Sie wissen schon. Bei Herrn Taschenbier ist jedenfalls nichts mehr so, wie es war.

Eher nicht wünschenswert, denke ich. Aber die Wunschpunkte gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Was wünsche ich mir eigentlich? Wie die meisten Erwachsenen, bleibe ich beim Wünschen lieber auf dem Teppich. An die richtig kühnen Träume wage ich mich nicht heran. Ich will nicht unverschämt sein. Mein Glück nicht herausfordern.

Das ist aber zutiefst unchristlich. Sind es nicht lauter unerfüllbare Wünsche, die Jesus uns aufgetragen hat zu beten? Vergib uns unsere Schuld. Führe uns nicht in Versuchung. Dein Reich komme, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden… Genau diese brennenden Wünsche machen das Christsein aus. „Bittet, so wird euch gegeben“, sagt Jesus seinen Jüngern. Wir sollen sogar unverschämt sein, wenn wir beten. Um Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen. Um Brot für uns selber, inneren Frieden und unbeschwertes Glück.
„Wie kann ich Gott um Gesundheit bitten“, fragt eine schwer kranke Frau, „wo doch so viel anderes Leid ist um mich herum und auf der ganzen Welt?“ – „Wünschen darf man immer“, antwortet der Seelsorger, „und Gott davon wissen lassen.“ Gemeinsam bringen sie ihren Wunsch vor Gott. Sie fühlt sich befreit für die nächsten Schritte. Und für das, was sie vom Leben noch erwartet.

Herr Taschenbier findet die Liebe. Eine Sehnsucht erfüllt sich, von der er gar nichts zu wissen glaubte. Aber wenn die Wunschpunkte verbraucht sind? „Ich male mir neue“, sagt meine Tochter. Und wenn mir die Worte fehlen, um Gott zu sagen, was ich mir wünsche? Dann kann ein anderer für mich beten. Bei einem persönlichen Gespräch. Oder in einem Gottesdienst. Haben Sie auch einen Herzenswunsch? Muten Sie ihn Gott ruhig zu!

Charlotte Scheller, Pastorin der Stephanusgemeinde Geismar


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