Julia ist kaum wiederzuerkennen. Vor gut einem Jahr wirkte sie eher unscheinbar und still. Heute redet sie ohne Pause. Zwei Stunden lang erzählt sie in einem fort, von Steffi, und dass sie heiraten werden.
Vor einem Jahr sah das Leben für die Rolli-Fahrerin noch anders aus. Gerade war ein Wohnprojekt gescheitert, in dem Behinderten ein möglichst selbstständiges Leben ermöglicht werden sollte. Die junge Frau musste zurück zu ihrer Mutter. Vorher hatte sie wegen einer Tetraspastik – einer Lähmung von Armen und Beinen – ein halbes Jahr in einem Alten- und Pflegeheim gelebt. Die Mutter konnte die Pflege ihrer erwachsenen Tochter körperlich nicht länger bewältigen. Nun aber hat sich das Blatt für Julia gewendet.
Über das Internet lernte sie Steffi kennen. Liebe auf den ersten Blick war es für Steffi. „Die muss ich haben“, sagte sie sich, als sie Julias Portrait sah. „Drei Tage später hatte ich sie“, erzählt die 25-Jährige aus Nordrhein-Westfalen. Erst schrieben sie sich E-Mails, dann telefonierten sie. Weil Julia es zu Hause nicht mehr aushielt, überzeugte Steffi ihre Eltern, dass Julia zu ihnen kommen kann. Doch Julia konnte nicht alleine reisen. Steffi musste sie mit dem Zug in Göttingen abholen. Am Bahnhof hielten sie sich zum ersten Mal an den Händen, Julia im Rolli, Steffi noch mit recht ausladenden Körpermaßen – mehr als 20 Kilo hat sie inzwischen „aus Liebe“ abgenommen.
Alles ging gut, bis Steffis Eltern herausbekamen, dass sich die beiden jungen Frauen ineinander verliebt hatten. Von dem Tag an habe es nur Ärger gegeben. Für Julia gab Steffi ihren Job in einem Lebensmittelmarkt auf. Die beiden gingen nach Köln, ohne Bleibe. Nach einer Nacht im Hotel kehrten sie nach Göttingen zurück und konnten bei Julias Mutter einziehen.
Sechs Wochen wohnte das junge Paar dort. Wegen erneuter Streitigkeiten standen sie bald wieder auf der Straße. Die Polizei besorgte ihnen eine Notunterkunft. Von dort aus fanden sie schließlich eine Wohnung. Doch im Iduna-Zentrum konnten sie nicht bleiben. Immer wieder wurde die behinderte Julia von einem Nachbarn bedroht. Einmal sei sie auf dem Weg vom Einkaufen von sechs jungen Männern überfallen worden und habe sich nur dank des Elektro-Rollis retten können. Wieder gingen sie auf Wohnungssuche. Mit Hartz IV, Pflegegeld und Arbeitslosengeld I müssen sie über die Runden kommen. Anfangs habe eine Freundin oft ausgeholfen.
„Ich heirate nie“, hatte Julia gedacht. Zu schrecklich sei ihr die Scheidung ihrer Eltern in Erinnerung geblieben. Doch schon zwei Tage, nachdem sie bei Steffi eingezogen sei, habe sie ihr einen Antrag gemacht. Am 13. Februar 2009 sind sie zusammengekommen, am 13. Februar 2010 wollen sie sich im Göttinger Rathaus das Ja-Wort geben.
Dass sie lesbisch ist, weiß Julia schon lange. „Jungen haben mich nie interessiert.“ Auch Steffi hat vor Julia schon eine andere Freundin gehabt. Zwar sei sie wegen ihrer Eltern auch mit Jungen zusammen gewesen, doch das habe ihr nie etwas bedeutet.
Mit Julias Behinderung komme sie zurecht. Per E-Mail habe Julia ihr beschrieben, wie sie sie pflegen müsste. Und wie selbstverständlich tritt Steffi immer wieder hinter den Rollstuhl, um ihre Freundin mit geschicktem Griff zurechtzurücken. Nun sucht sie Arbeit, die sie mit der Pflege ihrer Frau vereinbaren kann, damit sich die beiden ein paar Träume verwirklichen können. Sie wollen für ein paar Tage nach Los Angeles, zu einem zentralen Drehort der Serie „The L Word“ über eine Gruppe lesbischer Frauen. Später, da sind sie sich einig, möchten sie sich gern ihren Kinderwunsch erfüllen – per Samenspender.
Von Ute Lawrenz
Kommentare
Hochzeit Julia und Steffi Anne – 02.02.11
Ich kann den beiden nur wünschen, dass siesich ihre Träume erfüllen können und immer so glücklich bleiben wie sie es miteinander sind.Sie sind ein außergewöhnliches Paar, die ihr leben miteinander verbringen möchten und immer füreinander da sind und sich über alles lieben.
Sie werden ales schaffen, was sie sich wünschen.
Ich habe selbst die Erfahrung gemacht und werde ebenfalls heiraten. Wir sitzen beide im Rollstuhl. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
RE:Hochzeitsgeschichte Der liebe Sir Thunder – 12.02.10
Die hälfte dieser Geschichte ist erstunken und erlogen!Genau so wie sie versucht hat die "Mutter" mit allen wegen und mittel aus ihrem Leben zu drängen und nicht andersrum!
Ich weiß es auch nächster Quelle ich kenne diese Personen dort Persöhnlich!
Wer das da glaubt was da steht ist selten blöd! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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